Jürg Andermatt
* 11.8.1944 Luzern; Fotograf
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Jürg Andermatt (* 11. August 1944 in Luzern) ist ein Schweizer Fotograf und Fotodesigner.[1] Bekannt wurde er insbesondere durch seine Landschaftsfotografie und Reisefotografie sowie durch zahlreiche Bildbände. Für seine Arbeiten erhielt er 1975 den Bayerischen Staatspreis. Zu seinen dokumentierten Themenschwerpunkten zählen neben Deutschland, insbesondere Niedersachsen, auch Japan, die Karibik, Kenia, Patagonien, Spitzbergen sowie Thailand.[2] Seine Arbeiten wurden international ausgestellt, unter anderem in Tokio, Osaka und verschiedenen deutschen Städten.[3]
Leben

In der frühen Jugend war Andermatt Pfadfinder beim Pfadicorps Musegg, dem ältesten Pfadfinder-Korps des Kantons Luzern.[4] Sein Vater betrieb einen Eisen- und Haushaltswarenhandel.[5] Bei den Skiregionalmeisterschaften in Schwyz im Januar 1963 wurde er Verbandsmeister der Zentralschweiz in der Abfahrt bei den Junioren.[6] An der ETH Zürich absolvierte Andermatt eine Ausbildung zum Physiklaboranten.[7] Diese beinhaltete auch eine Ausbildung in technischer Fotografie, bei der er Dunkelkammertechniken lernte.[8] Anschließend arbeitete er zwei Jahre in diesem Beruf bei der Ciba AG in Basel. Parallel dazu besuchte er die dortige Abendhandelsschule.[9] Andermatt betätigte sich zudem als Skilehrer.[5]
Seine fotografische Laufbahn begann 1968 nach einem Roadtrip mit seiner späteren Ehefrau Ali von der Schweiz nach Nepal, der in Japan endete.[10] Als Autodidakt eignete er sich während seines Aufenthalts in Kyōto von 1969 bis 1972 sein fotografisches Wissen durch das Studium von Fotobüchern aus Bibliotheken an.[8] Zunächst fotografierte er in Reportagen die Menschen Japans in Schwarzweiß und die Tempel und Gärten Kyōtos in Farbe. Auf der Expo ’70 in Osaka wurden seine Bilder im Mitsubishi-Miraikan-Pavillon gezeigt, dessen Generalproduzent Tomoyuki Tanaka war. Während der Weltausstellung lernte er Nena Ossa, die damalige Pressereferentin des chilenischen Pavillons und spätere Direktorin des chilenischen Kunstmuseums Museo Nacional de Bellas Artes, kennen.[11] Insgesamt erstellte er zehn Foto-Essays in seiner Zeit in Japan. Während seines Japanaufenthalts heiratete er Ali, die ihn während seiner gesamten beruflichen Laufbahn unterstützte.[5] 1972 erschien in Japan sein erstes Buch „in kyoto“ mit japanischen Texten von Sugimoto Hidetarō.[3][12] Die Schweizer Kulturzeitschrift Du zeigte eine Bilderserie von Andermatt mit Bildern von Gion in Kyōto, Tokio und Osaka.[13]
Nach der Rückreise über Äthiopien zog Andermatt im Jahr 1973 nach Deutschland und ließ sich in Hohenmoor in Niedersachsen nieder, wo er als freier Fotodesigner tätig wurde. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Bildbände, die sich thematisch oft mit norddeutschen Landschaften wie dem Teufelsmoor, Bremerhaven oder Lüneburg auseinandersetzten.[14][15] 1977 gestaltete Andermatt am Bunker in der Hardenbergstraße in der Bremer Neustadt das 26 Meter hohe Wandbild Grashalm, bei dem er das Kleinste, was man im Gras liegend erkennen kann, durch eine 1500-fache Vergrößerung seiner fotografischen Aufnahme auf das ihm größtmögliche Format übertrug.[5][16][17] Von 1977 bis 1983 war er für die fotografische Gestaltung der Jahresberichte und technischen Broschüren der Lufthansa verantwortlich. Andermatt führte in den Jahren 1980/81 eine fotografische Erkundung der Karibik mit einem Katamaran durch. Das 1982 posthum erschienene Buch „Erlebnis Natur. Mit einer Einführung von Karl Krolow.“ von Max Albert Wyss enthält zehn Bildbeiträge von Andermatt.[18] Für das Jahr 1984 wählte der Bremer Kultursenator Horst Werner Franke Andermatt als Preisträger für den vom norwegischen Utenriksdepartementet gestifteten Studienaufenthalt in der Künstlersiedlung Ekely bei Oslo aus. Der Aufenthalt erfolgte im Rahmen des Kulturabkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich Norwegen. Andermatt lebte dort mit seiner Familie für drei Monate beim Atelier von Edvard Munch.[19]
Nach der deutschen Wiedervereinigung dokumentierte er im Auftrag der Lufthansa die Landung des ersten Lufthansa-Flugzeuges in Berlin. Am 28. Oktober 1990 landete nach 45-jährigen Restriktionen und alliierten Sonderrechten im Berlin-Flugverkehr ein Lufthansa Airbus A310-300 auf dem Flughafen Berlin-Tegel.[20] Für seinen 1993 erschienenen großformatigen Bildband „Spuren im Watt: Das Rätsel der Sandbank“ verband er 65 Schwarzweißaufnahmen mit ausgewählten Texten aus dem Roman Das Rätsel der Sandbank von Robert Erskine Childers.[21][22]
1999 verkaufte er sein Haus in Deutschland und erwarb den von Gerd Engel gebauten Hochseekatamaran „Sposmoker I“, mit dem er gemeinsam mit seiner Frau Ali bis 2008 auf Reisen war.[23] Wie Engel zuvor führte es sie auf dem Katamaran nach Spitzbergen im Nordatlantik, wo sie zur Jahrtausendwende 1999/2000 mit dem Katamaran auf dem St. Jonsfjord im Oscar-II-Land im Eis überwinterten.[10][24][25] Im Jahr 2008 verlegten die Andermatts ihren Lebensmittelpunkt nach Chile und ließen sich im südlichen Westpatagonien in der von Hermann Eberhard gegründeten Siedlung Puerto Consuelo bei Puerto Natales nieder. Dort widmet sich Jürg Andermatt weiterhin der Landschafts- und Reisefotografie und veröffentlichte unter anderem Fotografien aus dem Nationalpark Torres del Paine und Puerto Consuelo. Zudem besitzt Andermatt eine Privatpilotenlizenz und war fünf Jahre lang Eigentümer eines Ultraleichtflugzeugs, mit dem er in den Anden Luftaufnahmen machte. Im Rahmen des Kieler Cinemare Meeresfilmfestivals 2017, bei dem die Filme auf dem Schlepper MS Odin gezeigt wurden, führten Jürg und Ali Andermatt am Willy-Brandt-Ufer an der Kieler Förde das römisch-katholische Anlegemanöver der MS Odin durch.[26]
In der Artothek Bremen sind sechs Werke von Andermatt ausleihbar.[27][28]
Ausstellungen (Auswahl)
Einzelausstellungen
- 1971: Nikon Gallery, Tokio
- 1975: Focke-Museum, Bremen
- 1976: Atelierhaus, Ottersberg
- 1986: Kreismuseum Syke
- 1990: Bremer Presse-Club
Gruppenausstellungen
- 1970: Expo ’70, Osaka
- 1972: International Conference Hall, Kyōto
- 1974: Photographie in der Schweiz von 1840 bis heute, Wanderausstellung der Schweizerischen Stiftung für die Photographie, Zürich
Preise (Auswahl)
- 1975: Bayerischer Staatspreis
- 1977: Kodak Fotobuchpreis
- 1979: Kodak Fotobuchpreis
- 1984: Kodak Fotobuchpreis
- 1988: Air Transport World Advertising Award, New York
- 1989: Auszeichnung „Schönstes Buch“, Stiftung Buchkunst
- 1990: Air Transport World Advertising Award, New York
Publikationen (Auswahl)
- In Kyoto. Shinshindo, Osaka 1972.
- Teufelsmoor. Schmalfeldt, Bremen 1976.
- Bremerhaven. Schmalfeldt, Bremen 1977.
- Kleine Landschaften. Schmalfeldt, Bremen 1977.
- Inseln im Licht. Schmalfeldt, Bremen 1979.
- Lüneburg. Heinrich-Heine-Buchhandlung, Lüneburg 1980.
- Milchstraße. Bilder einer stillen Landschaft. DuMont, Köln 1984.
- Spuren im Watt: Das Rätsel der Sandbank. Nieswand, Kiel 1993.