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KZ-Außenlager Großraming

Außenlager des KZ Mauthausen (1943-1944) From Wikipedia, the free encyclopedia

Das KZ-Außenlager Großraming war ein Außenlager des KZ Mauthausen und bestand vom 15. Jänner 1943 bis zum 29. August 1944 in Großraming. Etwa 1.800 Inhaftierte wurden als Zwangsarbeiter beim Bau des Enns-Wasserkraftwerkes und bei Erschließungsarbeiten eingesetzt.

Entstehung

Für die Stromversorgung der Oberösterreichischen Industriebetriebe errichtete die Kraftwerke Oberdonau AG mehrere Wasserkraftwerke entlang der Enns. Die Arbeitsgemeinschaft der Bauunternehmen Rella & Co sowie Kunz & Co führen den Bau des Kraftwerkes Großraming durch, andere Baufirmen errichten die dafür notwendigen Straßen und Brücken und verbrachten dazu etwa 1.800 KZ-Häftlinge zwischen 19 und 56 Jahren nach Großraming. Das Außenlager befand sich in der Ortschaft Arzberg neben der Enns auf dem Gebiet der Gemeinde Reichraming.[1] Es wurde leicht in den Hang direkt neben der Enns gebaut, bestand aus 14 Baracken und war mit einem elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun und Wachtürmen umgeben; in der Mitte befand sich der Appellplatz. Fast die Hälfte der Inhaftierten waren politische Gefangene aus Jugoslawien, Deutschland, Polen, Russland, Griechenland, Spanien und anderen Ländern. Der Höchststand von 1.027 Gefangenen wurde am 13. Juli 1944 verzeichnet.[2]

Lebens- und Arbeitsbedingungen

Die Gefangenen wurden hauptsächlich bei Arbeiten im Rückstaugebiet des Kraftwerkes eingesetzt, da man im zentralen Kraftwerksbereich Sabotageakte befürchtete. Durch schwerste Erd- und Steinarbeit mit einfachem Gerät, mangelhafte Versorgung und Gewalttätigkeiten der SS-Aufseher verstarben 227 namentlich bekannte Gefangene, sieben begingen Suizid und 17 wurden nach SS-Angaben „auf der Flucht erschossen“. Fast ein Drittel der Gefangenen wurde als arbeitsunfähig deklariert, zurück in das Stammlager Mauthausen transportiert und durch neue ersetzt.[2]

Der Zeitzeuge Raimondo Ricci, geboren 1921, ein späterer Senator in Genua schrieb dazu:

Es war eine sehr harte Arbeit unter der Sonne. Wenig Essen, ein Essen, das zur Bekämpfung des Hungers völlig ungeeignet war. Und der akute Hunger wurde zu einem endemischen Hunger, das heißt, zu einem Hunger, der nicht mehr gestillt werden kann, weil er von einem totalen organischen Verfall und nicht von einem mehrtägigen oder auch mehrwöchigen Mangel an Essen, sondern wie gesagt, von einem Verfall des gesamten Körpers herrührt. Unser Schicksal war unaufhaltbar der Tod, das heißt, Krankheit, Auszehrung, Tod. [...]Auf Grund der extremen Bedingungen, unter denen wir uns am Leben erhielten, ereigneten sich in den Lagern sehr oft Vorfälle, in denen keine Solidarität gezeigt wurde, ganz im Gegenteil, denn von einem Stück Brot und einem Napf Suppe konnte das Überleben abhängen. Ein Stück Brot zu stehlen oder sich den Napf Suppe anzueignen war also unmittelbar mit der Überlebensmöglichkeit verbunden.[3]

Wachmannschaft

Erster Lagerführer war der SS-Obersturmführer Karl Schöpperle, gefolgt vom SS-Obersturmführer Julius Ludolf und SS-Untersturmführer Johann Altfuldisch. Alle drei Lagerführer wurden 1948 im Zuge des Mauthausen-Hauptprozesses zum Tod verurteilt und hingerichtet.

Die Wachmannschaft bestand aus SS-Angehörigen des KZ Mauthausen, darunter Siegfried Buhr, Josef Schiller, Gottlieb Muzikant und der Leiter des Hundezwingers Fritz Schallenberg. Rapportführer war SS-Unterscharführer Josef Riegler. Die im KZ Mauthausen üblichen Strafen, Folterungen und Mordvarianten an den Inhaftierten außer Giftgas gab es auch im Außenlager: Pfahlhängen, Bock und Bunkerstrafen, Erschießen, Erhängen, in den elektrischen Zaun treiben, Ertränken, Erschlagen, von Hunden zerreißen und verhungern lassen.[2]

Lagerräumung und Gedenken

Die Bauarbeiten wurden im Sommer 1944 eingestellt, das Lager geräumt und die Inhaftierten am 29. August 1944 zurück in das KZ Mauthausen verbracht. In die leeren Baracken zog im Dezember 1944 bis Kriegsende ein Verlagerungsbetrieb einer Wiener Rüstungsfirma ein. Bis Jänner 1946 wohnten in den Baracken US-Soldaten und mit Wiederaufnahme der Arbeiten am Kraftwerk belegten wieder Bauarbeiter die Unterkünfte.[4] Nach Fertigstellung des Werkes 1950 wurden die Baracken abgerissen und eine Wohnsiedlung für die Mitarbeiter der Ennskraftwerke errichtet.

In Zusammenarbeit mit der Ennskraftwerke AG brachte das Mauthausen-Komitee Steyr 1995 eine Gedenktafel am Kraftwerk an. Ein weiteres Denkmal, bestehend aus einer Säule mit verschobenen Steinen, wurde 2009 im Großraminger Kreisverkehr errichtet.[5]

Einzelnachweise

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