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Kabinett Jazenjuk II

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Am 2. Dezember 2014 wurde das zweite Ministerkabinett Jazenjuk (ukrainisch Другий уряд Арсенія Яценюка) von der Werchowna Rada, dem Parlament der Ukraine, als Regierung der Ukraine,[1] bestätigt, nachdem fünf der Parteien, die bei der Parlamentswahl im Oktober 2014 in das Parlament gewählt worden waren, am 21. November einen Koalitionsvertrag vorgestellt hatten.

Regierungsgebäude der Ukraine in Kiew, seit 1991 Sitz des Ministerkabinetts.
Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk 2014

Arsenij Jazenjuk wurde am 27. November 2014 erneut zum Ministerpräsidenten der Ukraine gewählt und kann die in der vergangenen Regierungsperiode begonnene Annäherung an die Europäische Union fortsetzen. Er erhielt 341 Stimmen der Parlamentsabgeordneten, notwendig zur Wiederwahl waren lediglich 226 Stimmen.[2][3][4]

Das zweite Ministerkabinett Jazenjuk wurde am 14. April 2016 durch das Ministerkabinett Hrojsman abgelöst.[5]

Koalitionspartner

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Die Radikale Partei Oleh Ljaschkos verließ aus Protest gegen eine Parlamentsabstimmung über eine Verfassungsänderung, die den Separatistengebieten mehr Eigenständigkeit geben würde, am 1. September 2015 die Regierungskoalition.[6] Am 15. September 2015 nahm die Werchowna Rada den Rücktritt des ersten Vize-Ministerpräsidenten Walerij Woschtschewskyj der Radikalen Partei Oleh Ljaschkos mit 234 Abgeordnetenstimmen an.[7]

Weitere Entwicklung siehe: Regierungskrise 2016

Vorgeschichte

Nachdem im Parlament mehrere Wirtschaftsgesetze abgelehnt worden waren, darunter eines, das die Beteiligung ausländischer Investoren am Gastransportsystem der Ukraine ermöglicht hätte, reichte Jazenjuk im Juli 2014 seinen Rücktritt ein.[8] Der im Mai 2014 gewählte ukrainische Präsident Petro Poroschenko forderte daraufhin Jazenjuk auf, im Amt zu bleiben. Bei einer Abstimmung am 31. Juli 2014 lehnte eine breite Mehrheit der Abgeordneten seinen Rücktritt ab und so blieb Jazenjuk im Amt.[9]

Am 25. August 2014 löste der Staatspräsident Petro Poroschenko per Dekret vorzeitig das Parlament auf, um vorgezogene Neuwahlen als Teil seines Friedensplans zu ermöglichen. Bereits zu seinem Amtsantritt im Juni 2014 hatte dieser angekündigt, Parlamentsneuwahlen anzustreben.[10] Die Parlamentswahl fand am 26. Oktober 2014 statt, bei der die Volksfront-Partei des Ministerpräsidenten 76 Parlamentssitze und die Partei des Präsidenten, der Block Petro Poroschenko 127 Plätze erhielt.

Neuerungen

Mit dem Informationsministerium wurde ein neues Ministerium gegründet, um der russischen Propaganda entgegenzuwirken.[11]

In der neuen Regierung sind drei ehemalige Ausländer, die kurzfristig die ukrainische Staatsbürgerschaft verliehen bekommen hatten, vertreten. Es ist die neue Finanzministerin Natalija Jaresko, die aus den USA stammt, ferner der von Jazenjuk als „Radikalreformer“ bezeichnete Georgier Oleksandr Kwitaschwili, der das Gesundheitsministerium übernimmt, sowie der aus Litauen stammende Wirtschaftsminister Aivaras Abromavičius.[12] Die Idee, Minister aus dem Ausland zu holen, stammt vom ukrainischen Präsidenten Poroschenko, da aus dem Ausland stammende Minister keine korrupten Seilschaften in der Ukraine pflegen und den Einfluss der alten, trägen Eliten eindämmen.[11]

Regierungskrise 2016

Bereits Anfang Februar 2016 trat der als Reformer bekannte Wirtschaftsminister Aivaras Abromavičius auf Grund des zunehmenden Drucks durch Ihor Kononenko, den ersten Stellvertreter des Vorsitzenden der Fraktion Block Petro Poroschenko, den Abromavičius als die treibende Kraft von Korruptionsintrigen sieht, sowie der wegen seiner Ansicht nach schleppenden Korruptionsbekämpfung durch die Regierung, zurück.[13] Mehrere Botschafter großer Geberländer (USA, Deutschland, Schweden, Schweiz, Kanada, Frankreich, Italien, Litauen und Großbritannien) brachten in einem offenen Brief ihre „tiefe Enttäuschung“ über den Rücktritt des Ministers zum Ausdruck.[14][15]

Weitere Informationen Partei, Ja ...
Misstrauensvotum gegen die Regierung am 16. Februar 2016[16]
ParteiJaDagegenEnthaltungNicht
abgestimmt
AbwesendGesamt
Koalitionspartner13711014100262
Block Petro Poroschenko970101019136
Volksfront01027881
Selbsthilfe25001026
Vaterland15001319
Radikale Partei Oleh Ljaschkos15000621
Oppositionsblock81013343
Gruppe »Volkswille«60011320
Gruppe »Partei Wiedergeburt«000111223
Fraktionslose280212051
Gesamt19421228184420
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Am 16. Februar 2016 forderte dann Präsident Poroschenko den Rücktritt von Generalstaatsanwalt Wiktor Schokin und eine Kabinettsumbildung von Ministerpräsident Jazenjuk, dem seit längerem die Nähe zu Oligarchen und das Verschleppen von Reformen vorgeworfen wird.

Am Abend desselben Tages überstand Jazenjuk jedoch ein Misstrauensvotum in der Werchowna Rada, da nur 194 statt der nötigen 226 Abgeordneten für seine Absetzung votierten.[17][18] (siehe nebenstehende Tabelle)

Die Allukrainische Vereinigung „Vaterland“ von Julija Tymoschenko warf Jazenjuk Stimmenkauf bei dem Misstrauensvotum vor und zog sich tags darauf aus der Regierung zurück,[19] die liberale „Selbsthilfe“ (Samopomitsch) folgte, mit dem Vorwurf von Vetternwirtschaft und Korruption gegen die Führung um Jazenjuk, am 18. Februar. Der Gouverneur der Oblast Odessa und ehemalige Präsident Georgiens Micheil Saakaschwili sprach ebenfalls von Stimmenkauf zugunsten von Jazenjuk durch Oligarchen.[20]

Damit hat die Regierung Jazenjuk aktuell keine parlamentarische Mehrheit. Falls sie innerhalb von 30 Tagen keine neue Mehrheitskoalition bilden kann, könnte Präsident Poroschenko das Parlament auflösen und Neuwahlen einberufen. Ein erneutes Misstrauensvotum, mit dem Jazenjuk abgesetzt werden könnte, ist laut der ukrainischen Verfassung erst in einem halben Jahr wieder möglich.[21]

Die Radikale Partei Oleh Ljaschkos erklärte sich inzwischen zu Gesprächen über eine neuerliche Regierungsbeteiligung bereit.[22] Da die Regierung nach dem 18. Februar über nur 217 Mandate verfügt, zur Mehrheit im Parlament aber 226 Mandate nötig wären, könnte ihr die Radikale Partei mit 21 Abgeordneten erneut zur Mehrheit verhelfen.[23][24]

Der deutsche und der französische Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Jean-Marc Ayrault forderten bei einem Besuch in Kiew am 23. Februar die Politiker des Landes auf „die politischen Grabenkämpfe zu unterlassen und den Fokus auf die entschlossene Umsetzung der Reformagenda zu setzen.“[21] Des Weiteren sagte Steinmeier „müsse der Kampf gegen Korruption entschieden geführt werden“, da die Zahlungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) nur für eine stabile Ukraine aufrechterhalten würden.[25]

Am 14. April 2016 wurde Wolodymyr Hrojsman in der Werchowna Rada mit 257 Stimmen zum Ministerpräsidenten gewählt und mit demselben Votum wurde der Rücktritt Jazenjuks bestätigt.[26]

Zusammensetzung des Kabinetts

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Zweites Kabinett Jazenjuk[27]
LogoPortfolioMinisterFotoParteizugehörigkeitAmtszeit
MinisterpräsidentArsenij JazenjukVolksfront2. Dezember 2014 –
Erster Vize-Ministerpräsident
(vakant seit 15. September 2015)
Walerij WoschtschewskyjRadikale Partei2. Dezember 2014 – 15. September 2015[28]
InnenministerArsen AwakowVolksfront2. Dezember 2014 –
Vizeministerpräsident,
Minister für Kultur
Wjatscheslaw KyrylenkoVolksfront2. Dezember 2014 –
Ministerin beim MinisterkabinettHanna OnyschtschenkoVolksfront2. Dezember 2014 –
JustizministerPawlo PetrenkoVolksfront2. Dezember 2014 –
Vizeministerpräsident,
Minister für Regionalentwicklung, Bauwirtschaft
und kommunale Wohnungswirtschaft
Hennadij SubkoBPP2. Dezember 2014 –
AußenministerPawlo KlimkinBPP2. Dezember 2014 –
FinanzministerinNatalija JareskoBPP2. Dezember 2014 –
VerteidigungsministerStepan PoltorakBPP2. Dezember 2014 –
Minister für Ökonomische Entwicklung und HandelAivaras AbromavičiusBPP2. Dezember 2014 – 3. Februar 2016[29]
Minister für Energiewirtschaft und KohleindustrieWolodymyr DemtschyschynBPP2. Dezember 2014 –
Minister für InfrastrukturAndrij PywowarskyjBPP2. Dezember 2014 –
Minister für InformationspolitikJurij StezBPP2. Dezember 2014 –
Minister für Bildung und WissenschaftSerhij KwitBPP2. Dezember 2014 –
Minister für GesundheitsschutzOleksandr KwitaschwiliBPP2. Dezember 2014 –
Minister für SozialpolitikPawlo RosenkoBPP2. Dezember 2014 –
Minister für Ökologie und NaturressourcenIhor SchewtschenkoVaterland2. Dezember 2014 – 2. Juli 2015
Serhij Kurykin/kommissarisch
12. August 2015 – 27. Januar 2016[30]
Hanna Wronska/kommissarisch
5. Februar 2016 – [31]
Minister für Jugend und SportIhor SchdanowVaterland2. Dezember 2014 –
Minister für Agrarpolitik und LebensmittelOleksij PawlenkoSelbsthilfe,
seit 2. Februar 2016
unabhängig[32]
2. Dezember 2014 –
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Weitere wichtige Ämter

Weitere Informationen Logo, Portfolio ...
LogoPortfolioAmtsträgerFotoParteizugehörigkeitBemerkung
Parlamentspräsident der Werchowna RadaWolodymyr HrojsmanBPPMitglied im Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat
Leiter der PräsidialverwaltungBorys Loschkin–[33]
Mitglied im Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat
GeneralstaatsanwaltWitalij JaremaVaterlandbis Februar 2015;
Mitglied im Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat
Wiktor Schokin–10. Februar 2015 bis 3. April 2016[34][35];
Mitglied im Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat
Sekretär des
Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats
Oleksandr TurtschynowVolksfront[36]
Mitglied im Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat
Präsidentin der NationalbankWalerija Hontarewa–komm. Mitglied im Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat
Leiter des Inlandsgeheimdienstes SBUWalentyn Nalywajtschenko–bis 18. Juni 2015;
Mitglied im Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat
Wassyl Hryzak–seit Juli 2015;[37]
Mitglied im Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat
Vorsitzender der
Zentralen Wahlkommission der Ukraine
Mychajlo Ochendowskyj –
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Siehe auch

Einzelnachweise

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