Kai Feller
deutscher evangelischer Pastor, DDR-Oppositioneller
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Kai Feller (* 10. November 1971 in Berlin-Pankow) ist ein deutscher evangelischer Pastor. In der DDR gehörte er zu den Schülern, die 1988 in der Ossietzky-Affäre von ihrer Schule verwiesen wurden. Seit Dezember 2019 ist Feller als Pastor der Nordkirche an der ökumenischen Arbeitsstelle des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg tätig.

Leben
Ossietzky-Affäre
Gemeinsam mit Katja Ihle, Philipp Lengsfeld und Benjamin Lindner wurde Kai Feller am 29. September 1988 von den übrigen Klassenmitgliedern an der Carl-von-Ossietzky-Oberschule aus der Freien Deutsche Jugend ausgeschlossen und am 30. September vor versammelter Schülerschaft der Schule verwiesen.[1] Trotz massiver Proteste innerhalb und außerhalb der DDR erfolgte die Rehabilitierung der vier Ossietzky-Schüler erst im Zuge der friedlichen Revolution im November 1989. Jens Reich nannte in dieser Zeit die „mutigen Ossietzky-Schüler“ „Pioniere“ der 89er-Bewegung in der DDR.[2]
Weitere schulische Laufbahn, Studium und Beruf


Nach seinem Verweis aus der Ossietzky-Oberschule arbeitete Feller zunächst in einem Kinderheim der Stephanus-Stiftung in Berlin-Weißensee, bevor er zwischen 1989 und 1992 sein Abitur am Evangelischen Gymnasium in Potsdam-Hermannswerder machte. 1992 begann er ein Studium der Evangelischen Theologie und Klassischen Philologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, das er 1999 als Theologe abschloss. Von 1999 bis 2002 war Feller Vikar an den Kirchen St. Petri, St. Marien und St. Jakobi der Rostocker Innenstadtgemeinde.[3] Danach war er von 2002 bis 2019 Pastor der Evangelischen Kirche Steffenshagen.[4]
Seit Dezember 2019 ist Kai Feller als Ökumene-Pastor der Nordkirche an der ökumenischen Arbeitsstelle des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg tätig.[5][6]
Kai Feller ist Vorstandsmitglied des Landesausschusses der Nordkirche für den Deutschen Evangelischen Kirchentag und arbeitet im Ausschuss für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung der Synode der Nordkirche mit.[7][8]
Kai Feller engagiert sich für die ethnisch-religiöse Minderheit der Hmong in Vietnam und unterstützt die belarussische Demokratiebewegung und ihre Proteste.[9][10]
Am 13. Dezember 2020 empfing Kai Feller bei einer Kundgebung des Vereins RAZAM e. V. die demokratische Präsidentschaftskandidatin von Belarus, Swjatlana Zichanouskaja, in Berlin.[11][12]
Seit Beginn der russischen Großinvasion unterstützt Pastor Kai Feller die Ukraine bei ihrer Selbstverteidigung.[13][14] Kooperationspartner für humanitäre Hilfe sind Ratzeburg Hilft e. V., Fellas for Europe e. V. und der Entwicklungsdienst der Nordkirche. Im Jahre 2025 besuchte er die Frontstadt Cherson,[15][16] wo er den Bau einer unterirdischen Schule begleitete[17] und Vertreter von Militär und Zivilgesellschaft traf.[18][19] Besonders beeindruckt zeigte sich Pastor Kai Feller von den Menschen, „die glauben, dass sie zum Beispiel 2026 die Krim zurückerobern können“.[20]
Weblinks
- Homepage
- Mitarbeiterseite der Nordkirche, aufgerufen am 11. Februar 2020
- Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt: 1988, Film von Lutz Pehnert (featuring Kai Feller, ab ca. 01:00:00; Erstausstrahlung am 2. November 2019/rbb)
- Kai Feller bei Jugendopposition.de, aufgerufen am 11. Februar 2020
- Teenage rebellion anticipated fall of Berlin Wall, Timesfreepress.com, 5. November 2014. Abgerufen am 11. Februar 2020 (englisch).
- Ökumene-Pastor im ARD Interview: "Europa ist jetzt dran", aufgerufen am 27. Februar 2025
- Ökumene-Pastor in Cherson: "Niemand glaubt hier an Frieden", aufgerufen am 27. Februar 2025
- Ökumene-Pastor an der Front in der Ukraine, aufgerufen am 27. Februar 2025
- ERN Talk: Drei Jahre danach, aufgerufen am 27. Februar 2025