Kainiten

Gnostiker der Spätantike From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Kainiten bezeichnet man die Anhänger einer gnostischen Sekte des 2. und 3. Jahrhunderts. Ob es eine solche Gruppierung wirklich gab, ist nicht sicher.

Den Kainiten sagte man nach, sie verehrten die alttestamentlichen Sünder, wie Kain, Esau, Korach und die Sodomiter, von denen sie glaubten, dass sie gegenüber Abel, Henoch, Abraham und Mose die vollkommenere Erkenntnis besessen hätten. Anders als in den neutestamentlichen Evangelien sahen sie auch in Judas Iskariot nicht den verachteten Verräter, sondern denjenigen Jünger, der als einziger die Wahrheit erkannt habe (vergleiche: Judasevangelium).

Eine Überlieferung zur Sekte der Kainiten ist der Panarion (Widerlegung aller Ketzereien) von Epiphanius, Bischof von Salamis († 403), das aber als unzuverlässig gilt.[1] Irenäus von Lyon erwähnt sie in seinem Werk adversus haereses (Gegen die Häresien). Ob sich Tertullian in seiner Schrift de baptismo (Von der Taufe) mit ihnen auseinandersetzt, ist umstritten. Tertullian wendet sich zwar gegen eine bestimmte Gruppe, die die Taufe ablehnt, diese wird aber in den ältesten Textversionen nicht als "Caina", sondern als "canina" bzw. "Gaiana" bezeichnet.[2] Da zudem eine Ablehnung der Taufe durch die Kainiten nur hier belegt ist, aber auch eine Häresie des Gaius sonst unbekannt ist, bleibt es unsicher, gegen wen sich Tertullian wendet.[3]

Der amerikanische Religionswissenschaftler Birger A. Pearson bezweifelt, dass eine solche Gruppe je existierte. Allenfalls seien verschiedene gnostische Gruppen gelegentlich in polemischer Weise so bezeichnet worden. Die christlichen Häresiologen hätten dabei auf jüdische und frühchristliche Topoi zurückgegriffen. Insofern seien die Kainiten „nicht als eine Erfindung ihrer Phantasie, ein künstliches Konstrukt“.[4]

Erwähnt werden Kainiten in der Belletristik beispielsweise in Hermann Hesses Demian. Die angebliche Auffassung der Kainiten über die Erzählung von Kain und Abel wird dort im zweiten Kapitel beschrieben.

Literatur

Einzelnachweise

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