Kalman Ber

aschkenasischer Oberrabbiner From Wikipedia, the free encyclopedia

Rabbi Kalman Meir Ber (hebräisch קלמן מאיר בר; * 24. Dezember 1957 in Yad Eliyahu, Tel Aviv), auch bekannt als Kalman Meir Bar, ist seit November 2024 aschkenasischer Oberrabbiner von Israel und war zuvor von 2014 bis 2024 Oberrabbiner der Stadt Netanja. Der aus einer ultraorthodoxen Familie stammende Ber erhielt seine Ausbildung an religiös-zionistischen Jeschiwot und leistete Militärdienst als Kampfsoldat in der Nachal-Brigade, wodurch er als Anhänger der Lehren von Rabbi Abraham Isaak Kook eine Brückenfunktion zwischen ultraorthodoxen und religiös-zionistischen Gemeinschaften einnimmt.

Rabbi Kalman Ber (2025)

Herkunft und Familie

Kalman Meir Ber wurde 1957 im Stadtteil Yad Eliyahu in Tel Aviv geboren. Er stammt aus einer ultraorthodoxen Familie mit bedeutender rabbinischer Abstammung. Seine Mutter Rebbetzin Miriam Ita ist eine Nachfahrin des Rabbi Akiba Eger über dessen Enkel Rabbi Leibel Eger sowie der chassidischen Rebben der Dynastien von Ishbiza und Radzin.[1][2][3]

Ber ist verheiratet mit Daphna geb. Elitzur und hat sechs Kinder. Sein Bruder Moshe Avraham Ber dient als aschkenasischer Rabbiner des Stadtteils Yad Eliyahu in Tel Aviv. Sein Schwiegersohn Rabbi Avraham Fellheimer leitet das Kollel in Netanja.[4]

Ausbildung

Ber besuchte zunächst die Jeschiwa-Oberschule in Netanja unter der Leitung von Rabbi Simcha HaCohen Kook. Nach dem Schulabschluss begann er sein Studium an der Hesder-Jeschiwa Kerem B'Javne in Javne, einer der ersten religiös-zionistischen Jeschiwot mit integriertem Militärdienst.[2][3][5] Während seiner Jahre in der Jeschiwa studierte Ber die Schriften und Philosophie von Rabbi Abraham Isaak Kook zusammen mit Rabbi Uzi Kalkheim.

Militärdienst

Ber leistete seinen Wehrdienst in der israelischen Armee als Kampfsoldat in der Nachal-Brigade. Diese Einheit kombiniert traditionell militärischen Dienst mit landwirtschaftlicher Aufbauarbeit und war zunächst eng mit der Kibbuzbewegung verbunden. Der Dienst in den Israelischen Verteidigungsstreitkräften macht Ber zu einem der ersten Oberrabbiner Israels mit dieser Erfahrung. Nach seinem aktiven Dienst verbrachte er Jahrzehnte als Reservist.[6][7][2]

Rabbinische Laufbahn

Stadtrabbiner von Netanja

Nach dem Militärdienst kehrte Ber zur Jeschiwa Kerem B'Javne zurück und studierte im dortigen Kollel. Er erhielt seine Ordination zum Stadtrabbiner von den damaligen Oberrabbinern Rabbi Avraham Schapira und Rabbi Mordechai Elijahu.[8][2][9]

Im Jahr 1986 wurde Ber von Rabbi Chaim Jaakov Goldvicht, dem Gründungs-Rosch Jeschiwa von Kerem B'Javne, zum Maggid Schi'ur (Dozent) an der Jeschiwa ernannt. Diese Position bekleidete er viele Jahre lang. Neben seiner Lehrtätigkeit an der Jeschiwa diente Ber als Leiter der Midrascha im Kibbuz Chafetz Chaim und als Leiter des Talpiot College of Education in Tel Aviv.[10]

Ber unternahm eine rabbinische Mission als Leiter der Javne-Jeschiwa in Antwerpen und als Rabbiner der Misrachi-Gemeinde „Rabbi Amiel“. Diese Erfahrung in der Diaspora hatte nach eigenen Angaben großen Einfluss auf ihn und seine Familie. Die nach Rabbi Moshe Avigdor Amiel benannte Gemeinde in Antwerpen war Teil des religiös-zionistischen Netzwerks in Belgien.[11][12]

Ber präsentierte eine Tora-Kommentare auf Radio Kol Chai und bietet aktuell wöchentlich eine Tora-Klasse auf der Website Kikar HaSchabbat an.[13]

Oberrabbiner von Netanja

Wahl und Amtsantritt

Nach 26 Jahren ohne Oberrabbiner wurde Ber Ende 2014 zum aschkenasischen Oberrabbiner der Küstenstadt Netanja gewählt. Bei der Wahl erhielt er Unterstützung von der Partei HaBajit haJehudi (dt. „Jüdisches Zuhause“), dem Rebbe von Sanz und Bürgermeisterin Miriam Feirberg.[14][10][15]

Die Amtseinführung fand am 29. Dezember 2014 statt. An der Zeremonie nahmen hochrangige Persönlichkeiten teil, darunter der sephardische Oberrabbiner Jitzchak Josef, der sephardische Oberrabbiner von Jerusalem Shlomo Amar, der Rosch Jeschiwa von Kerem B'Javne Mordechai Greenberg, der damalige Minister für religiöse Angelegenheiten Naftali Bennett und sein Stellvertreter Rabbi Eli Ben-Dahan sowie Innenminister Gilad Erdan.[10]

Kaschrut-Reform

Im Rahmen seiner Amtsführung etablierte Ber das „Behidur Kaschrus“-System innerhalb der Kaschrut-Überwachung des Rabbinats von Netanja. Dieses mehrstufige Zertifizierungssystem sollte unterschiedliche Observanzgrade berücksichtigen und zuverlässige Optionen sowohl für streng Observante als auch für weniger streng Observante bieten. Diese Reform zielte darauf ab, die Relevanz des Rabbinats innerhalb der vielfältigen Bevölkerung Netanjas zu erhöhen.[16]

Oberrabbiner von Israel

Wahlen

Erste Wahlrunde

Die Wahlen zum Oberrabbinat waren ursprünglich für 2023 geplant, wurden jedoch mehrfach verschoben. Im Vorfeld kam es zu internen Machtkämpfen, Vorwürfen der Vetternwirtschaft sowie einem Streit um die Rolle von Frauen im Wahlgremium. Schließlich ordnete das Oberste Gericht Israels die Durchführung der Wahl an.[17][16]

Die erste Wahlrunde fand am 29. September 2024 im Ramada Hotel in Jerusalem statt. Während Rabbi David Yosef mit deutlicher Mehrheit zum sephardischen Oberrabbiner gewählt wurde, endete die Wahl des aschkenasischen Oberrabbiners mit einem Patt zwischen Ber und Rabbi Micha Halevi, dem Oberrabbiner von Petach Tikwa. Beide erhielten je 40 Stimmen.[7] Ber erhielt Unterstützung von der ultraorthodoxen Partei Degel haTora, Rabbi Yaakov Shapira vom Merkas HaRaw Kook, Rabbi Gavriel Saraf, Rabbi Aharon Friedman und weiteren Rabbinern.[16]

Bei der Stimmenauszählung wurde entdeckt, dass ein leerer Umschlag im Wahlgang für den aschkenasischen Oberrabbiner abgegeben worden war, während im Umschlag für den sephardischen Oberrabbiner ein Stimmzettel sowohl für Rabbi Yosef als auch für Rabbi Halevi gefunden wurde. Das Büro der Generalstaatsanwältin Gali Baharav-Miara ordnete daraufhin eine zweite Wahlrunde an.[18]

Zweite Wahlrunde

Die Stichwahl fand am 31. Oktober 2024 statt. Von den 140 Mitgliedern des Wahlgremiums gaben 136 ihre Stimme ab. Ber gewann mit 77 Stimmen gegen 58 Stimmen für Rabbi Halevi.[7][19][17]

Zwischen den beiden Wahlgängen konnte Ber zusätzliche Unterstützung gewinnen, unter anderem von den Rabbinern Mordechai Greenberg, Arje Stern, Eitan Isman, David Stav und Eljakim Lewanon sowie weiteren Rabbinern aus den Netzwerken von Merkas HaRaw und Kerem B'Javne.[16]

Rabbi Halevi hatte Unterstützung von der Partei HaTzionut HaDatit (Religiöser Zionismus) unter Bezalel Smotrich sowie von der Schas-Partei erhalten. Seine Kandidatur war kontrovers, da er zuvor versprochen hatte, nicht anzutreten, es sei denn, er würde von einem bestimmten Komitee zur Vertretung der religiös-zionistischen Gemeinschaft ausgewählt.[19][18]

Amtsantritt

Die Vereidigungszeremonie fand am 4. November 2024 im Beit HaNasi (Präsidentenpalast) in Jerusalem statt. In Anwesenheit von Staatspräsident Jitzchak Herzog legten Ber und der sephardische Oberrabbiner David Yosev ihren Amtseid ab.[20] An der Zeremonie nahmen der Minister für religiöse Angelegenheiten Rabbi Michael Malchieli, verschiedene Minister und Knesset-Abgeordnete, Mitglieder des Oberrabbinatsrats, Richter des Obersten Rabbinatsgerichts, Stadtrabbiner, Roschei Jeschiwot und weitere Würdenträger teil.[21][22]

In seiner Rede betonte Präsident Herzog die Bedeutung von Einheit und öffentlichem Vertrauen und forderte ein „gemäßigtes, mutiges und zugängliches Rabbinat, das mit der Öffentlichkeit verbunden ist und Gemeinden in Israel und der Diaspora vereint“. Herzog, selbst Enkel des ersten aschkenasischen Oberrabbiners des Staates Israel, Isaak HaLevy Herzog, drückte die Hoffnung aus, dass die neuen Oberrabbiner einen „verbindenden, gemäßigten und vereinigenden“ Ansatz in der jüdischen Führung fördern würden.[21][20]

Ber bekräftigte in seiner Ansprache sein Engagement für Einheit und äußerte eine Vision, die in den Lehren von Rabbi Abraham Isaak Kook verwurzelt ist. Er versprach, die Lehren der Tora für alle zugänglich zu machen und Verbindungen sowie gegenseitigen Respekt zu fördern. Mit Bezug auf die Widerstandsfähigkeit seines Großvaters, eines Holocaust-Überlebenden, teilte er mit: „Ich habe gelernt, dass das Wichtigste ist, für andere zu leben.“[21]

Amtsführung

Schwerpunkte

Ber hat wiederholt betont, dass das Oberrabbinat der gesamten Nation Israel dienen solle und nicht nur religiösen oder ultraorthodoxen Kreisen. In einem Interview mit Radio Kol Chai erklärte er: „Das Rabbinat ist nicht für Charedim oder für religiöse Menschen gedacht, sondern für alle – die ganze Nation. Jeder sollte den süßen Geschmack des Lichts kosten. Die Öffentlichkeit ist durstig und möchte den Tau der Wiederbelebung hören.“[23][21]

Ber betonte die Notwendigkeit, Brücken zwischen den verschiedenen Sektoren der israelischen Öffentlichkeit zu bauen. Er sagte: „Jeder Sektor hat seine Einzigartigkeit. Wenn jeder die Lichtpunkte im anderen Sektor sehen wird, dann werden wir sicherlich großen Erfolg verdienen.“[23]

Als Schüler und Anhänger der Lehren von Rabbi Abraham Isaak Kook sieht Ber seine Hauptmission darin, Einheit unter allen Teilen des Volkes herzustellen. Er dankte öffentlich seinem Lehrer und Mentor, dem Rosch Jeschiwa von Merkas HaRaw Rabbi Yaakov Shapira, und erklärte, dass „ohne ihn das, was hier geschehen ist, nicht geschehen wäre“.[2][12][21]

Internationale Besuche

Im Februar und März 2025 besuchte Ber auf Einladung des Oberrabbiners von Russland, Rabbi Berel Lazar, Moskau für drei Tage. Der Besuch umfasste das Schabbat-Wochenende im jüdischen Viertel Marjina Roschtscha in Moskau. Hunderte von Juden, darunter viele junge Teilnehmer der YAHAD-Programme, füllten die Synagoge. Der Höhepunkt des Besuchs war der große Sijum HaRambam im historischen Hotel Metropol am Roten Platz, der die Vollendung des 44. Zyklus des täglichen Rambam-Studiums markierte.[24][25][26]

Im August 2025 besuchte Ber zusammen mit Religionsminister Michael Malchieli die Ukraine. Dies war der erste offizielle Besuch eines israelischen Oberrabbiners in Uman seit Kriegsbeginn. Die Tour begann in der Stadt Uman, wo Ber das Grab des chassidischen Führers Rabbi Nachman von Brazlaw aus dem 18. Jahrhundert besuchte und an den Institutionen von Rabbi Ya'akov Yan eine lange Lehrrede hielt.[27][28][29]

Die Delegation traf sich mit Vertretern aus der Region Dnipro, der Heimat der größten jüdischen Gemeinde der Ukraine. Ber und Minister Malchieli trafen den Regionalgouverneur Serhiy Lysak, um Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde voranzubringen. Sie besichtigten das Menorah Center in Dnipro, das weltweit größte jüdische Gemeindezentrum, unter der Leitung von Rabbi Shmuel Kaminezki. Die Delegation verbrachte den Schabbat in Dnipro, wo Gastfreundschaft, Gebete und Tora-Unterricht von der Gemeinde organisiert wurden.[28][4][27]

Im Dezember 2025 besuchte Ber Deutschland, darunter die Städte Berlin[30], Bremen[31], Hamburg, Hannover[32] und München[33]. Anlässlich der Chanukka-Feier am Brandenburger Tor traf sich Ber auch mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier[30]. In seiner Ansprache in Berlin ging Ber auch auf den Bondi-Beach-Terroranschlag[34] vom 14. Dezember 2025 ein[30].

Aufgaben und Zuständigkeiten

Als Oberrabbiner teilt sich Ber mit dem sephardischen Oberrabbiner David Yosef die Verantwortung für die Leitung des umfangreichen staatlichen Apparats zur Kaschrut-Überwachung und des landesweiten rabbinischen Gerichtssystems. Dieses System hat weitreichende Befugnisse in Fragen der Eheschließung, Ehescheidung, Bestattung und anderen Lebensereignissen.[16][35][21]

Die Amtszeit beträgt zehn Jahre.[14][22][21]

Politik

Ber wird als Brückenbauer zwischen den ultraorthodoxen und religiös-zionistischen Gemeinschaften wahrgenommen, da er Unterstützung aus beiden Lagern erhielt. Obwohl er aus einer ultraorthodoxen Familie stammt, wurde er in religiös-zionistischen Bildungseinrichtungen ausgebildet und diente in der israelischen Armee.[3][7][17]

Seine Wahl wurde von verschiedenen Beobachtern als Versuch gesehen, den Bedürfnissen sowohl säkularer als auch religiöser Bevölkerungsgruppen im Rahmen des Oberrabbinats gerecht zu werden. Ber ist Mitglied der religiös-zionistischen Rabbinerorganisation Tzohar, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Kluft zwischen religiösen und säkularen Juden in Israel zu überbrücken.[36][2]

Commons: Kalman Ber – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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