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Kampischer Hof

Gebäude in der Altstadt von Stralsund From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Kampische Hof ist eine unter Denkmalschutz stehender mittelalterlicherliche Gebäudekomplex im Stadtgebiet Altstadt der Stadt Stralsund. Er befindet sich in der Mühlenstraße Nr. 23.

Modell des Kampischen Hofes im Dielenhaus in der Mühlenstraße 3.
Kampischer Hof (2012)
Barockes Quergebäude (2024)

Geschichte

Der Kampische Hof diente als Stadthof des Klosters Neuenkamp, von dem der Gebäudekomplex seinen Namen erhielt. Das Grundstück kam 1257 in den Besitz der Zisterziensermönche, die seit 1233 in ihrem Kloster nahe Stralsund lebten. Die Mönche errichteten einen Hof, der ihnen als Warenspeicher und als Unterkunft bei Reisen in die Stadt diente. In den Klosterländereien erwirtschaftete Güter wurden von hier aus an die Städter verkauft.

Infolge der Aufhebung von Kloster Neuenkamp im Zuge der Reformation siedelte dessen letzter Abt Johann Molner im Sommer 1535 in den Kampischen Hof über und wohnte dort bis zu seiner Ausweisung Ende desselben Jahres.

Anschließend kam der Kampische Hof zunächst in den Besitz der pommerschen Herzöge, später in den Besitz der Stadt. Diese vermietete den Komplex an die schwedischen Landesherren, die es um 1720 barock umgestalteten. Nach Abzug der Schweden nutzte die Stadt den Gebäudekomplex, der bis 1904 die Königliche Finanzverwaltung beherbergte. Anschließend befand er sich bis 1945 in Privatbesitz und diente als Lagerraum.[1] Nur der Westflügel wurde bewohnt.[2]

Nach 1990 war vorgesehen, den Kampischen Hof als Domizil des Baltischen Orgel-Centrums (BOC) herzurichten. Dafür fanden Untersuchungen an dem Gebäude statt. Zudem diente es in den 1990er Jahren dem Deutschen Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege für ein mehrjähriges Forschungsvorhaben zur Untersuchung des Ziegelverfalls.[2] 2010 erwarb die Stadt den Gebäudekomplex. 2013/14 fand im Rahmen des Projekts „Investitionen in nationale UNESCO-Welterbestätten“ eine baukonstruktive Instandsetzung statt.[1] Eine komplette Sanierung und ein Nutzungskonzept stehen bis jetzt (2026) aus.[3]

Bau

Im Kern stammt der um einen Innenhof angelegte dreiflüglige Komplex noch aus dem 13. Jahrhundert. Das Quergebäude steht mit seiner Rückwand auf der Stralsunder Stadtmauer zum Knieperteich hin. Die verputzte barocke Fassade dieses Gebäudeteils sowie das Rundbogenportal stammen aus einer im 18. Jahrhundert durchgeführten Umbaumaßnahme.

Die beiden Flügelbauten mit Backsteinfassade dagegen sind noch weitgehend in ihrer mittelalterlichen Form erhalten. Der Nordflügel ist zweigeschossig angelegt und diente als Wirtschafts- und Gästehaus. Sein zur Mühlenstraße gewandter Giebel erhielt im 17. Jahrhundert einen veränderten Umriss. 1721 wurde die innere Holzkonstruktion erneuert.

Der viergeschossige Südflügel diente als Speicher. Seine oberen Geschosse wurden im Barock durch übergreifende Rundbogenblenden zusammengefasst, auch wurde auf seinem Walmdach ein zurückspringender Fachwerkaufbau errichtet. Der Keller des Südflügels weist ein Kreuzrippengewölbe auf, das aus dem 14. Jahrhundert stammt. Anhand der verwendeten verschiedenen Steinsorten und Verfugungen werden Untersuchungen zum Langzeitverhalten der Steine durchgeführt.

Der Kampische Hof liegt im Kerngebiet des von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannten Stadtgebietes des Kulturgutes „Historische Altstädte Stralsund und Wismar“.

Literatur

  • Friederike Thomas, Dietmar Volksdorf: Die Altstadtinsel Stralsund – Illustrierte Denkmalliste. Die Baudenkmale der Altstadt in Text und Bild. Hrsg. vom Bauamt der Hansestadt Stralsund. Selbstverlag, Stralsund 1999, DNB 987697757.

Einzelnachweise

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