Kannst Du pfeifen, Johanna? (Lied)

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Kannst Du pfeifen, Johanna? ist ein deutsches Schlagerlied. Den deutschen Text schrieb Hans-Joachim Bach 1933 zu dem schwedischen Lied Kan du vissla, Johanna? von Komponist Sten Axelson. Den landessprachlichen Originaltext hatte Åke Söderblom verfasst. Das Lied erschien im Rheinländer modern im Verlag Wilhelm Hansen, Kopenhagen und Leipzig.[1]

Text

Der männliche Fragende in Bachs deutschem Text arbeitet sich bei seinen Ermittlungen von Strophe zu Strophe von harmlosen bis zu erotischen Fragestellungen vor: Kannst Du pfeifen / singen / tanzen / gurgeln / kichern / küssen. Der Kehrreim lautet:

Kannst Du ...., Johanna?
Gewiß kann ich das.
.... weiter, Johanna,
Denn ... macht Spaß!
Deine Lippen sind purpurn und deine Wangen rund,
Mädel was hast du für einen wunderschönen Mund!
Kannst Du ...., Johanna?
Gewiß kann ich das.

Das Lied wurde nach dem erzwungenen Weggang von populären, aber nichtarischen Orchesterleitern wie Paul Godwin, Efim Schachmeister und Marek Weber von den im „Reich“ verbliebenen Tanzorchestern noch Ende 1933 auf Grammophonplatten der führenden Marken eingespielt. Unter ihren Refrainsängern nahm der „singende Bonvivant“ Erwin Hartung eine prominente Stellung ein.

Auf Telefunken spielte Hans Bund mit seinem Tanzorchester, es sang Erwin Hartung; seine Partnerin auf der Platte war die Sopranistin Anni Frind, die jedoch auf der Aufnahme unerwähnt blieb. Auf der Otto Stahmann-Marke Brillant Special, nachmals Tempo, spielte die Kapelle Eugen Jahn, auch hier war Hartung der Refrainsänger, sowie auch bei der Aufnahme mit dem Tanzorchester von Ludwig Rüth, vormals Lewis Ruth Band, auf Electrola, und der schweizerischen Marke Elite-Record, wo Ferdy Kauffman mit seinem Tanzorchester spielte. Auf Electrola war das Lied von den Comedian Harmonists zu hören.[Anm. 1] Auf dem Clangor-Etikett des zwar zeitgemäß „Schallplatten-Volksverband“ genannten, jedoch gewerblichen Berliner Buchclubs präsentierte das Orchester Carl Robrecht den Schlager, der Sänger war wiederum Erwin Hartung, hier unter seinem Zweitnamen „Hans Horsten“.

Auf dem preiswerten Gloria-Etikett des Lindström-Konzerns nahm ihn Eric Harden mit seinem Tanzorchester auf. Hier sang der bereits in den 1920er Jahren beliebte Kabarett-Tenor Luigi Bernauer den Kehrreim.

Gewissermaßen als Auskopplung aus dem Kurztonfilm der UFA von 1934 war der Schlager „in Originalbesetzung“ mit dem Schauspieler Harald Paulsen auf Odeon zu hören. Als Begleitung spielte Robert Renard mit seinem Tanzorchester; Robert Renard war ein Zweitname für den langjährigen Hausdirigenten bei Lindström, den Kapellmeister Otto Dobrindt.

Der Schlager fand auch in Österreich Gefallen. Hier nahm ihn das Tanzorchester von Harry Harden[Anm. 2] für die Marken Kalliope und Phönix auf; die Refrainsänger waren Fritz Kaiser und das Harmony Ensemble.

Das Lied war auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg gefragt. Bei der westdeutschen Polydor sangen es Friedel Hensch und die Cypries, bei der erst 1950 gegründeten Philips der Schlagersänger Willy Hagara und das Jung-Sternchen Heidi Brühl. In Berlin-Ost sangen es Helga Brauer & Günter Hapke für Amiga - Lied der Zeit -, begleitet vom Rundfunk-Tanzorchester Leipzig, das nach dem Weggang von Kurt Henkels Mitte 1959 von Walter Eichenberg geleitet wurde. Udo Lindenberg nahm 2002 den „Rheinländer-modern“ in sein Album Atlantic Affairs auf, das mehrere Lieder zur jüngsten deutschen Geschichte versammelte.[2]

Kinderopern

Eine Oper für Kinder Kannst du pfeifen, Johanna (Kan du vissla Johanna?) nach dem gleichnamigen schwedischen Kinderbuch von Ulf Stark, das Bianca Sue Henne dramatisiert hat, komponierte Alexander Stessin. Sie wurde am 23. März 2013 im Theater Nordhausen am Harz uraufgeführt. Neuproduktionen gab es an den Theatern Augsburg (2015) und Detmold (2019).[3][Anm. 3]

Eine weitere Kinderoper mit diesem Titel schrieb 2013 als Auftragsarbeit für die Deutsche Oper Berlin der aus Herne gebürtige Avantgarde-Komponist Gordon Kampe. Das Libretto, wiederum nach dem Kinderbuch von Ulf Stark, verfasste Dorothea Hartmann.[4]

Filme

Der aus Riga gebürtige Regisseur Johannes Guter drehte 1934 für UFA nach einem Drehbuch von Wilhelm Eichborn einen Kurztonfilm (11') Kannst Du pfeifen, Johanna?. Marianne Winkelstern als Johanna und Harald Paulsen als „Er“ sangen darin zusammen mit den 5 „Gloria“-Parodisters[Anm. 4] den Schlager, begleitet von Robert Renard (Pseudonym für Otto Dobrindt) mit dem Odeon-Tanz-Orchester.[5]

Der Regisseur Rumle Hammerich realisierte 1994 nach dem Drehbuch von Ulf Stark in Schweden einen 55-minütigen Fernsehfilm Kan du vissla Johanna? mit Helena Kallenbäck, Per Oscarsson und Tobias Swärd in den Hauptrollen. Er läuft traditionell jedes Jahr zu Weihnachten in Sveriges Television.

Kulturgeschichtliches

Das zweitbeliebteste Waschmittel in der damaligen BRD nach Persil hieß Fewa, abgekürzt für Fein-Waschmittel. Der Produzent des Waschmittels bewarb sein Erzeugnis mit dem Bild einer stilisierten rundlichen Waschfrau namens Johanna. Die kombinierte man in den ersten tönenden Werbefilmen im Kino mit dem bekannten Schlager „Kannst Du pfeifen, Johanna…?“.[6]

Ein von Telefunken 1933 auf den Markt gebrachtes Rundfunkgerät, das aufgrund technischer Unzulänglichkeiten zu Pfeiftönen beim Empfang neigte, bekam von der verärgerten Käuferschaft den Spitznamen „Pfeifende Johanna“ verliehen.[Anm. 5]

Notenausgaben

  • Sten Axelson: Kannst du pfeifen, Johanna? Rheinländer-modern. Schwedischer Text von Åke Söderblom. Deutscher Text von H. J. Bach. Musik-Verlag Wilhelm Hansen, Kopenhagen und Leipzig 1933.
  • Sten Axelson: Kannst du pfeifen, Johanna? Rheinländer-modern, f. Blasmus. bearb. v. Hermann Männecke. Hannover, Oertel. Hofmeister, Monatsber. 1934, S. 43
  • Sten Axelson: Kannst du pfeifen, Johanna? Rheinländer-modern, f. Konzertina (Chemn. u. Karlsf. Tonlage) bearb. v. P. Fries. Leipzig, Seifert. Hofmeister, Monatsber. 1934, S. 26

Tondokumente

  • Kannst Du pfeifen Johanna? Rheinländer (Musik: Sten Axelson - Text: Hans Joachim Bach), Erwin Hartung, Gesang, Hans Bund mit seinem Tanz-Orchester. Telefunken A 1546 (mx. 19 478), aufgen. Ende 1933.[7]
  • Kannst Du pfeifen Johanna? Rheinländer (Musik: Sten Axelson - Text: Hans Joachim Bach), Orchester Egon Kaiser, Gesang: Erwin Hartung. Grammophon 10 167 A (Matr. 5892 ½ BD)
  • Kannst du pfeifen, Johanna? (Kan du vissla, Johanna?) - Rheinländer (Sten Axelson - H.J.Bach), Kapelle Eugen Jahn, Gesang: Erwin Hartung und ‘Johanna’. Brillant Special No. 113 (Matr. 231)
  • Kannst du Pfeifen, Johanna? - Rheinländer (Sten Axelson) Tanzorchester Ferdy Kauffmann. Refraingesang: Erwin Hartung und Ina Bardy. Elite-Record Nr. 1404 (Matr. C 1915) Recorded in Berlin, January 1934[8]
  • Kannst du Pfeifen, Johanna? - Rheinländer (Sten Axelson - H.J.Bach), Orchester Ludwig Rüth, Gesang: Erwin Hartung, Electrola E.G. 2956, auch HMV BA 415. Aufgen. 4. Jan. 1934
  • Kannst Du pfeifen Johanna - Rheinländer (Sten Axelson - H.J.Bach), Comedian Harmonists. Electrola E.G. 3032 (Matr. OD 2052-II), auch HMV BA 429 (Matr. OD 2051-I) Aufgen. 12.04.34.[9]
  • Kannst Du pfeifen, Johanna - Rheinländer modern (Musik: Sten Axelson - Text: Hans Joachim Bach), Eric Harden mit seinem Tanz-Orchester, Gesang: Luigi Bernauer. Gloria G.O. 13 026 a (Matr. Bi 1625-2) Aufgen. Berlin, 08.11.1933, released 1935.[10]
  • Kannst du pfeifen, Johanna ? Rheinländer modern (Musik: Sten Axelson - Text: Hans Joachim Bach) Carl Robrecht und sein Tanz-Orchester. Refraingesang Hans Horsten[Anm. 6] und Hanna Marly. Clangor T 4323 (Matr. 4323) Aufgen. 1934.
  • Kannst du Pfeifen, Johanna? - Rheinländer modern (Musik: Sten Axelson - Text: Hans Joachim Bach) Harald Paulsen mit Robert Renard Tanz-Orchester. Odeon O-11 943 a (Matr. Be 10 461),[11] aufgen. Berlin, 8. November 1933. Auch auf Parlophon B.49 197-I.
Österreich
  • Kalliope K 1933 (Matr. 1360 A) Kannst du pfeifen, Johanna ? Rheinländer modern (Axelson - Bach) Harry Hardens Tanz-Orchester, Gesang: Fritz Kaiser, aufgen. Prag, November 1933[12]
  • Phönix 15065 (Matr. 1391 A) Kannst du pfeifen, Johanna ? Rheinländer modern (Axelson - Bach) Tanz-Orchester, Gesang: Harmony Ensemble, aufgen. Prag, November 1933[13]
Nachkriegsaufnahmen
  • Polydor 23 413, auch 50 413 Kannst du pfeifen, Johanna, Musik: Sten Axelson. Text: Hans Joachim Bach. Friedel Hensch und die Cyprys, aufgen. 1957.[14]
  • Philips 423 334 PE Kannst du pfeifen, Johanna, Musik: Sten Axelson. Text: Hans Joachim Bach. Gesang: Willy Hagara und Heidi Brühl, mit Chor (= Singgemeinschaft Rudolf Lamy). Orchester Kurt Graunke unter Leitung von Ulrich Sommerlatte. Veröffentlicht 1960. Single 7" EP, 1960, track A 3[15]
  • Amiga LdZ (DDR): Kannst du pfeifen, Johanna, Musik: Sten Axelson. Text: Hans Joachim Bach. Rundfunk-Tanzorchester Leipzig, Ltg. Walter Eichenberg. Gesang: Helga Brauer & Günter Hapke. Rundfunkaufnahme 1961.

Literatur

Anmerkungen

  1. Sie machten aus dem Vortrag des Liedes mit Pfirsich essen, gurgeln und meckern eine ganze Kabarettszene, vgl. ihren Text: Kannst du pfeifen, Johanna? Comedian Harmonists. In: alles-uke.de.
  2. „Harry Harden“ war ein Pseudonym für den weißrussisch-jüdischen Kapellmeister David „Nunja“ Stoljarovic, der 1901 in Могилёв / Mogilev geboren wurde. Ab 1925 spielte er in Prag im Tanzpalast „Fenix“ mit einem vorwiegend mit russischen Emigranten besetzten Orchester auf. Er arbeitete in Österreich und der Czechoslowakei, wo er Schallplatten bei den Gesellschaften Supraphon und ESTA aufnahm. Vgl. Gabriel Gössel und Filip Sir: Recorded sound in Czech Lands 1900-1946. Brno 2016. (archive.org)
  3. Alexander Stessin, in Moskau geboren, war ab 2009 Erster Kapellmeister in Nordhausen, vgl. oper-leipzig.de; Ausgabe: Verl. Felix Bloch Erben, vgl. theatertexte.de
  4. „Gloria“-Parodisters, eine Vokalgruppe, die sich aus Kurt Bangert, Peter Purand, Richard Westemeyer, Wilfried Sommer und Günter Leider zusammensetzte. Zu dieser vgl. Josef Westner (humoresk), Die Metropol-Vokalisten: „In dem Kurzfilm ‚Kannst du pfeifen, Johanna?‘ sind die ‚5 Gloria-Parodisters‘, so der Vorspann, erstmals nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen.“
  5. Telefunken selbst nannte seinen Super 330WLK 'Nauen' nach der bekannten Großfunkstelle Nauen, nach deren Betriebsgebäude 'Muthesiusbau' auch das Gehäuse entworfen worden war. Vgl. Telefunken 330WL. In: anode.de.
  6. In den 1930er Jahren führte der Sänger Erwin Hartung das Pseudonym Hans Horsten auf Clangor- und Tempo-Schallplatten. Es gab aber auch einen realen Sänger dieses Namens, vgl. dazu den Eintrag von user 'berauscht' von So Nov 01 2015, 11:20 bei grammophon-platten.de

Einzelnachweise

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