Karen Davis
US-amerikanische Tierrechtsaktivistin, Dozentin und Autorin
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Karen Davis (* 4. Februar 1944 in Altoona, Pennsylvania; † 4. November 2023) war eine US-amerikanische Tierrechtsaktivistin, Dozentin, Autorin und Gründerin von United Poultry Concerns, einer Non-Profit-Organisation, die 1990 zum Schutz von Hausgeflügel entstanden ist.

Leben
Karen Davis wurde am 4. Februar 1944 in Altoona, Pennsylvania geboren. Ihre Eltern waren Amos und Mary Elizabeth Davis. Ihr Vater war von 1966 bis 1975 Bezirksstaatsanwalt von Blair County. Sie hatte drei Brüder: Tim Davis, Amos Davis und Andrew Davis.[1]
Karen Davis besuchte die Hollidaysburg Area High School, wo sie 1963 ihren Abschluss machte. Anschließend studierte sie Englisch am Westminster College in New Wilmington, Pennsylvania. 1983 heiratete sie George Allan Cate, Professor in der englischen Abteilung der Universität; die Ehe wurde später geschieden. 1987 promovierte sie an der Universität von Maryland und lehrte dort im Anschluss Englisch.[2] Dort hatte sie auch einen Lehrauftrag zum Thema Tierrechte.[3][4]
Engagement für das Tierwohl

1990 gründete Karen Davis die Tierrechtsorganisation United Poultry Concerns (UPC) und wurde deren Präsidentin. Die Organisation setzte sich insbesondere für eine artgerechte Behandlung von Hausgeflügel ein und errichtete unter anderem ein Hühnerasyl im Bundesstaat Virginia.[2]
Damals war sie mehr oder weniger die Erste, die sich für die Rechte von Geflügel einsetzte. Laut Ingrid Newkirk, Gründerin der Tierschutzorganisation PETA, „verpasste Davis keine Gelegenheit, den Menschen zu zeigen, dass es sich um intelligente, liebevolle und wunderschöne Tiere handelt. (…) Sie war eine der ersten Pionierinnen, die die Diskussion über Hühner verändert haben.“[5]
In einem Artikel erzählte sie einmal, dass die Jagd in ihrer Familie selbstverständlich war und sie selbst wie alle anderen Familienmitglieder große Mengen von Fleisch verzehrten. Erst als sie sich intensiv mit den Geschehnissen in deutschen Konzentrationslagern befasst hatte, sei sie zu einem Umdenken gekommen.[1]
„Als Studentin war ich besessen von der Vorstellung, wie es sich anfühlen würde, gegen seinen Willen an einem Ort zu sein, der dem eigenen Selbstverständnis zutiefst widerspricht – gezwungen zu werden in den Abgrund totaler Gefangenschaft, moralischer Verrohung und entsetzlicher Grausamkeit, ein Konzentrationslager oder ein Vernichtungslager, wo das alltägliche Leid vom menschengemachten Leid überlagert wird. Für mich ist es naheliegend, mir vorzustellen, wie es für ein Tier (wie ein Huhn, einen Truthahn oder ein Schaf) sein muss, in eine von Menschen geschaffene, feindselige Welt gezwungen zu werden.“
In ihren zahlreichen Büchern, Schriften, Presseartikeln, später auch Podcasts und Filmen kritisierte Karen Davis unermüdlich die kommerzielle Massentierhaltung, die sie mit Konzentrationslagern verglich. Der von ihr verwandte Begriff „Hühner-KZ“[6] erregte öffentliche Aufmerksamkeit, stieß aber auch auf den Vorwurf, er instrumentalisiere den Holocaust, um ein anderes Anliegen zu veranschaulichen.[7]
Davis‘ Einsatz für Hühner und Puten führte unter anderem dazu, dass 1999 die (in den Vereinigten Staaten damals übliche) Zwangsmauser untersagt wurde, die bei Hühnern durch eine mehrtägige Hungerkur ausgelöst wird.[8] Im Kontext von UPC leitete Davis zahlreiche nationale Kampagnen für das Tierwohl und für Tierrechte und setze für einen ethischen Veganismus ein.[9]
Bei ihrem Aktivismus scheute sie vor spektakulären Aktionen nicht zurück. So protestierte sie 2014 anlässlich der jährlichen National Thanksgiving Turkey Presentation vor dem Weißen Haus in Washington gegen symbolische Aktionen wie die feierliche Begnadigung von zwei Truthähnen durch Präsident Barack Obama.[10] Sie argumentierte, die Zeremonie sei eine scheinheilige Geste, da sie die industrielle Zucht und Tötung der Vögel nicht beende, die aufgrund der problematischen Haltungsbedingungen ohnehin keine große Lebenserwartung gehabt hätten.[11]
Regelmäßig hielt Karen Davis Vorträge auf den jährlichen National Animal Rights Conferences und wurde im Jahr 2002 für ihr „herausragendes Engagemen“ für das Tierwohl in die US National Animal Rights Hall of Fame aufgenommen.[12]
Schriften (Auswahl)
- For the Birds: From Exploitation to Liberation. Lantern Publishing & Media 2019, ISBN 978-1-59056-586-5.
- Prisoned Chickens, Poisoned Eggs. An Inside Look at the Modern Poultry Industry. 4. Aufl. Book Publ., Summertown, Tn. 2005, ISBN 1-57067-032-3.
- The Holocaust and the Henmaid’s Tale. A Case for comparing Atrocities. Lantern Books, New York 2005, ISBN 1-59056-091-4.
- More than a Meal. The Turkey in History, Myth, Ritual, and Reality. Lantern Books, New York 2001, ISBN 1-930051-88-3.
- Instead of Chicken, Instead of Turkey. A poultryless „poultry“ potpourri featuring homestyle, ethnic, and exotic alternatives to traditional poultry and egg recipes. Book Publ., Summertown, Tn. 1999, ISBN 1-57067-083-8.
- Procrustean solutions to animal identity and welfare problems. In: John Sanbonmatsu: Critical Theory and Animal Liberation. Rowman & Littlefield Publishers 2011, S. 35--54.
- From Hunting Grounds to Chicken Rights: My Story in an Eggshell. In: Sister Species: Women, Animals, and Social Justice. Hrsg. Lisa Kemmerer, University of Illinois Press, 2011.
- The Mental Life of Chickens. In: Smit, J. A., & Mitchell, R. W. (Hrsg.): Experiencing Animal Minds: An Anthology of Animal-Human Encounters. Columbia University Press 2012.[14]