Karin Guggeis

deutsche Ethnologin, Ausstellungsmacherin, Autorin und Expertin für Afrikanische Kunst From Wikipedia, the free encyclopedia

Karin Guggeis (* 12. Dezember 1965 in Kötzting) ist eine deutsche Ethnologin, Ausstellungsmacherin, Autorin und Expertin für Afrikanische Kunst.[1]

Karin Guggeis (Cape Town, 2019)

Leben und berufliche Karriere

Karin Guggeis wurde als Tochter von Lotte und Helmut Guggeis in Kötzting geboren, wuchs dort auf und absolvierte das Abitur in Cham. Ab 1984 studierte sie Ethnologie, deutsche und vergleichende Volkskunde sowie Sozialpsychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ihre Magisterarbeit verfasste sie bei Hermann Amborn und Johannes William Raum zur Darstellung von Afrika und Afrikanern in zeitgenössischen bayerischen Schulbüchern.[2][3] Ihre Dissertation bei Kurt Beck an der Universität Bayreuth mit dem Titel "Star oder Loser? Zum Making-of der Karrieren von Objekten in einem ethnologischen Museum" wurde 2022 veröffentlicht. Darin untersucht sie anhand von Fallbeispielen die Dynamiken, die Objekte in ethnologischen Museen zu gefeierten Exponaten oder zu übersehenen Depotstücken machen. In dieser Arbeit eröffnete sie neue Perspektiven auf die Karriere von Objekten innerhalb ethnologischer Museen und in Museen generell.[4][5]

Guggeis arbeitet seit Mitte der 1990er Jahre in verschiedenen Abteilungen im Museum Fünf Kontinente in München. Darüber hinaus ist sie als Museumspädagogin für verschiedene Institutionen tätig. In ihrer täglichen Arbeit verbindet sie sammlungsbezogene Forschung mit kuratorischer Praxis und Fragen der Vermittlung.

Zu den Forschungsschwerpunkten von Guggeis zählen Afrikanische Kunst, die Biografien von Museumsobjekten, Wertzuschreibungen, Provenienzforschung, Globalisierung und Rassismus. Methodisch kombiniert sie archivalische Recherchen mit ethnografischer Feldforschung, die sie auch innerhalb des Museums durch teilnehmende Beobachtung, Gespräche und Interviews betreibt. Im Museum versteht sie das Haus explizit auch als Akteur im Kunstmarkt und untersucht die Wechselbeziehungen zwischen Handel, Museum und Öffentlichkeit.

Guggeis hat mehrere Ausstellungen zu Afrika mitkuratiert. Ihr wichtigstes Projekt als Ausstellungsleiterin war die Groß-Ausstellung „Fußball: Ein Spiel-Viele Welten“, die sie anlässlich der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland 2006 im Münchner Stadtmuseum zum Fußball als globales Phänomen kuratiert hat.[6]

Von November 2019 bis Mai 2022 leitete Guggeis das Provenienzforschungsprojekt „Der Blaue Reiter-Pfosten und die Sammlung Max von Stetten (1893–1896) aus Kamerun im Museum Fünf Kontinente München“, das vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste und dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert wurde. Im Rahmen des Projekts erforschte Guggeis gemeinsam mit ihren Partnern aus Kamerun die Herkunft von über 200 Objekten, die zwischen 1893 und 1896 aus Kamerun nach München gelangt waren.[7][8] Ziel war es, die Erwerbsumstände und die ursprünglichen Kontexte dieser Objekte aufzuarbeiten und transparent zu machen Mit diesem Projekt leistete sie einen wichtigen Beitrag zur Debatte um Raubkunst und Provenienzforschung sowie zur kritischen Auseinandersetzung mit den Sammlungen ethnologischer Museen und förderte den Dialog über den Umgang mit kolonialzeitlichem Erbe.[9][10][11]

Gemeinsam mit Stefan Eisenhofer war Guggeis von 2009 bis 2011 Leiterin der „AG Museum“ der Deutschen Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie (damals Deutsche Gesellschaft für Völkerkunde).

Karin Guggeis ist die Cousine des Avantgarde-Perkussionisten Edgar Guggeis und die Großtante des Dirigenten Thomas Guggeis. Verheiratet ist sie in zweiter Ehe mit dem Ethnologen Stefan Eisenhofer.

Publikationen (Auswahl)

  • 2023: Entangled Objects, Entangled Histories – A Collaborative Provenance Research on a Heterogeneous Colonial-Era Collection (mit Ngome Elvis Nkome und Joseph Betoto Ebune). In: Claudia Andratschke, Lars Müller, Katja Lembke (Ed.): Provenance Research on Collections from Colonial Contexts. Principles, Approaches, Challenges. Veröffentlichungen des Netzwerks Provenienzforschung in Niedersachsen, Bd. 5. S. 324–330.
  • 2022: Star oder Loser? Zum Making-of von Objektkarrieren in einem ethnologischen Museum. Berlin/München. Deutscher Kunstverlag. ISBN 978-3-422-98821-7
  • 2020: Alles Raubkunst? Erste Ergebnisse zum Provenienzforschungsprojekt über Max von Stettens kolonialzeitliche Sammlung aus Kamerun im Museum Fünf Kontinente. In: Journal Fünf Kontinente, Bd. 3, 2018/2019. Museum Fünf Kontinente, München. S. 10–29.
  • 2020: Die Antworten sind so unterschiedlich wie die Personen selbst. Erste Feldforschungsergebnisse zur Provenienz einer kolonialen Sammlung aus Kamerun im Museum Fünf Kontinente München (mit Albert Gouaffo). In: Provenienz & Forschung 02/2020. Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten. Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Magdeburg. S. 8–14.
  • 2019: Keramik als Ware – Traditionelle afrikanische Töpfer*innen und ihre Märkte / Ceramics as Commodities – Traditional African Potters and their Markets (mit Stefan Eisenhofer). In: Nollert, Angelika / Thompson, Barbara (Hg.), Afrikanische Keramik - Anders gesehen / African Ceramics – A different Perspective. München/Köln: Walther König: S. 194 – 205. ISBN 978-3-96098-708-6
  • 2017: „Liebesgeschenke“ und Zeichen von „Hausfleiss“ – Kaffeekörbchen der Hima im Museum Fünf Kontinente (mit Stefan Eisenhofer). In: aviso 3/2017: 8 -9
  • 2009: Strategien zwischen Wissenschaft und Wirtschaft: Das Münchner Völkerkundemuseum und die Hamburger Handelsfirmen Umlauff. In: Münchner Beiträge zur Völkerkunde: Jahrbuch des Staatlichen Museums für Völkerkunde München Bd. 13. München. S. 23–91.
  • 2008: Place et pouvoir de la femme à travers les arts traditionnels du sud du Nigeria (mit Stefan Eisenhofer). In: Falgayrettes-Leveau, Christiane (Hrsg.): Femmes dans les arts d´Afrique, Paris (Musée Dapper): 168 - 191
  • 2007: Sammlermoden im Wandel – Die Münchner Afrika-Sammlungen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts (mit Stefan Eisenhofer). In: Müller, Claudius / Stein, Wolfgang (Hrsg.): Exotische Welten – Aus den völkerkundlichen Sammlungen der Wittelsbacher 1806–1848. München/Iphofen: 53-70
  • 2006: Fussball: Ein Spiel-Viele Welten (Hrsg.). München/Stuttgart (Münchner Stadtmuseum / Arnoldsche)
  • 2004: Africa on the Move – Toys from West Africa (Hrsg., mit Stefan Eisenhofer und Jacques Froidevaux). Stuttgart
  • 2004: Global Players – Kinderspielzeug aus Afrika in postkolonialen Zeiten (mit Stefan Eisenhofer). In. Eisenhofer, Stefan / Guggeis, Karin / Froidevaux, Jacques: Africa on the Move – Toys from West Africa (Hrsg.) 2004: 174 – 189
  • 2002: Afrikanische Kunst. Fakten, Preise, Trends (mit Stefan Eisenhofer). Berlin/München. Deutscher Kunstverlag
  • 2002: Die Bewahrung des Feuers oder: Wie starr sind Traditionen afrikanischer Kunst tatsächlich? (mit Stefan Eisenhofer). in: Städtische Galerie im Park Viersen (Hrsg.), Afrika-Begegnung. Künstler, Kunst, Kultur. Aus der Sammlung Artur und Heidrun Elmer. Stuttgart
  • 2002: Whose Mother? - The Iyoba in the Kingdom of Benin (Nigeria) [mit Stefan Eisenhofer]. in: Kerr, Reynold C. (Hrsg.). Mother Africa. New York: 12-19
  • 2002: Könige in Afrika – Macht und Pracht der Gottkönige (mit Stefan Eisenhofer). In. Vernissage Bayern 02/02: 14-15
  • 2001: Der Louvre läßt sich erobern – Afrikanische Skulpturen in Paris (mit Stefan Eisenhofer). in: Antiquitätenzeitung 3/2001
  • 2000: Götterwille – Menschenängste: Orakel, der Blick in die Zukunft (mit Stefan Eisenhofer). in: Antiquitätenzeitung 3/2000: 83
  • 1999: „Rückkehr zu den Lebenden“ (mit Stefan Eisenhofer). Erzählung für den Band Menschenzeit (Hg. B. Clewing); Frederking & Thaler Verlag, München: 8-16
  • 1997: "Dem Herrgott und der Heimat zur Ehr": Kötzting, Kötztinger und der Pfingstritt. in: Nah und Fern - Zeitschrift für Volks- und Völkerkunde, Heft 1 (1997), München: S. 34–40
  • 1997: "Wirbelwind", "Kochbanane" und "Menge ist Macht": Maskeraden und Masken der Igbo. In: Stefan Eisenhofer (Hrsg.), Kulte-Künstler-Könige in Afrika - Tradition und Moderne in Südnigeria. Linz (Katalog des Oberösterreichischen Landesmuseums): S. 335-348
  • 1997: Dicht an dicht. Afrikanische Kunst aus der Sammlung Han Coray im Lokschuppen Rosenheim (mit Stefan Eisenhofer). in: Antiquitäten-Zeitung 17/1997: 598/599
  • 1992: Der Mohr hat seine Schuldigkeit noch nicht getan. Saarbrücken (Verlag für Entwicklungspolitik)

Ausstellungen (Auswahl)

  • 2011: Südafrika: Von hölzernen Kopfkissen, Fußball-Fan-Helmen und Plastiktütenküken (Museum Fünf Kontinente, mit Stefan Eisenhofer)
  • 2006: Fussball: Ein Spiel-Viele Welten. (Münchner Stadtmuseum)
  • 2003: Könige in Afrika - Macht und Pracht der Gottkönige (Schloß Oettingen i. Bay. - Zweigmuseum des Museums Fünf Kontinente München, mit Stefan Eisenhofer)
  • 2001: Afrikas Farben - Fotografien von Carol Beckwirth und Angela Fischer (Schloß Oettingen i. Bay. - Zweigmuseum des Museums Fünf Kontinente München, mit Stefan Eisenhofer)
  • 1999: Mein Afrika. Die Afrika-Sammlung von Fritz Koenig (Koenigmuseum Landshut - damals Skulpturenmuseum im Hofberg, mit Stefanje Weinmayr und Stefan Eisenhofer)

Einzelnachweise

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