Karin Hübner

deutsche Schauspielerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Karin Hübner (* 16. September 1936 in Gera; † 25. Juli 2006 in München) war eine deutsche Schauspielerin und Sängerin.[1] Sie wurde vor allem als erste deutschsprachige Eliza Doolittle in der Berliner Erstaufführung des Musicals My Fair Lady im Theater des Westens (Premiere am 25. Oktober 1961) bekannt.[2]

Leben

Hübner wurde 1936 in Thüringen geboren; beide Eltern waren Opernsänger.[2] Sie wuchs in Michendorf bei Potsdam auf und absolvierte an der Max-Reinhardt-Schauspielschule in Berlin ihre Ausbildung.[2] Sie besuchte die Gottfried-Keller-Schule in Berlin und legte dort das Abitur ab.[3] Nach ihrem DEFA-Debüt zog es sie in den Westen.[4]

Sie war mit Peter Beauvais, Günter Pfitzmann und Frank Duval verheiratet; aus der Ehe mit Beauvais hatte sie eine Tochter.[5] Hübner war zudem mit dem Schriftsteller Claus Rüggebrecht verheiratet. Im Jahr 1982 versuchte sie unter Alkoholeinfluss, sich das Leben zu nehmen, indem sie ihre Münchner Wohnung in Brand setzte.[6] Wegen fahrlässiger Brandstiftung wurde sie zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.[2] Nach einigen weiteren Auftritten zog sie sich 1987 von der Bühne zurück.[7]

Karin Hübner starb am 25. Juli 2006 im Alter von 69 Jahren in München.[1] Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof von Ottobrunn.

Wirken

Theater und Musical

1954 wurde Hübner an die Städtischen Bühnen Münster engagiert, danach in Bremen und Berlin. Ihren ersten größeren Bühnenerfolg hatte sie im April 1958 am Berliner Hebbel-Theater als Piroschka unter der Regie von Wolfgang Spier.[2]

Für die Berliner Erstaufführung von My Fair Lady engagierte Theaterleiter Hans Wölffer die junge Schauspielerin als Eliza Doolittle.[8] Mit My Fair Lady öffnete die Berliner Produktion von 1961 dem internationalen Musical das Tor in deutsche Theater.[2] In der Premiere am Theater des Westens stand sie als Eliza Doolittle mit Paul Hubschmid, Rex Gildo und Friedrich Schönfelder auf der Bühne.[2] Die Produktion wurde auch außerhalb Berlins in Hamburg, München, Wien und Zürich gezeigt, wobei Hübner die Eliza insgesamt rund 850 Mal verkörperte.[7]

Das Berliner Ensemble von My Fair Lady nahm das Musical zudem auf Schallplatte auf und erreichte damit hohe Verkaufszahlen.[9] Die Aufführung erschien auch als My Fair Lady – Deutsche Originalaufnahme auf LP und avancierte zu einem der kommerziell erfolgreichsten Alben der deutschen Chartgeschichte. In einem Interview beschrieb sie die dauerhafte Festlegung des Publikums auf diese Rolle als Schattenseite ihres größten Erfolgs.[9]

Bis Mitte der 1970er-Jahre trat sie an Münchener Boulevardtheatern auf. Nach zahlreichen Erfolgen als Musical-, Film- und Fernsehdarstellerin sowie als Sängerin zog sie sich danach aus privaten Gründen von der Bühne zurück. 1983 versuchte sie sich als Regisseurin mit ihrer Inszenierung von Unter der Treppe, einem tragisch-komisches Zwei-Personen-Stück von Charles Dyer; das Stück wurde jedoch von Kritik und Publikum verrissen. Danach trat sie Mitte der 1980er-Jahre erneut als Schauspielerin auf, so in der Spielzeit 1984/1985 am Münchner Boulevardtheater in Neil Simons Erfolgsstück Pfefferkuchen und Gin.

Film und Fernsehen

Ihr Filmdebüt gab sie 1958 in der Titelrolle der DEFA-Verfilmung Emilia Galotti nach Gotthold Ephraim Lessing unter der Regie Martin Hellbergs.[10] Im Jahr 1958 spielte sie auch eine Hauptrolle neben René Kollo und Wolfgang Gruner in dem von Willi Kollo produzierten Spielfilm Solang noch Untern Linden, welcher das Leben des Komponisten Walter Kollo und das Berlin der Jahre von 1900 bis 1945 dokumentiert.

Sie spielte in Bernhard Wickis Das Wunder des Malachias (1961), Kurt Hoffmanns Liselotte von der Pfalz (1966) und dem Edgar-Wallace-Krimi Der Mann mit dem Glasauge (1969).[2] Im Fernsehen war sie in Produktionen wie Flucht ohne Ausweg und Hotel Royal zu sehen.[7]

Weitere Tätigkeiten

1968 produzierte ihr damaliger Ehemann, Frank Duval, mit ihr das 30-minütige Hörspiel Die vier Schwestern frei nach Anton Tschechow sowie mit Erika von Thellmann, den Sängern Alexandra und Ivan Rebroff in weiteren Rollen.

Auszeichnungen

1962 wurde sie in Berlin mit dem Preis der Jungen Generation in der Sparte Darstellende Kunst ausgezeichnet.[9]

Filmografie

Literatur

  • Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag GmbH, München • Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 443.
  • Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 4: H – L. Botho Höfer – Richard Lester. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 95 f.

Einzelnachweise

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