Karl Baderle
österreichischer Entomologe
From Wikipedia, the free encyclopedia
Karl Martin Baderle (* 25. Jänner 1920 in Hollabrunn; † 16. Februar 1991 in Wien oder Oberleis) war ein österreichischer Käfersammler und Amateur-Entomologe.
Leben und Wirken
Karl Baderle wurde am 25. Jänner 1920 in Hollabrunn geboren,[1] wo er auch aufwuchs und seine Kindheit und die früheren Jahre seiner Jugend verbrachte. Ebenso besuchte er hier die Volks- und Hauptschule. Bereits in seiner Jugend zeigte er reges Interesse an der Flora und Fauna und konzentrierte sich schon bald auf die Insektenkunde. Nach dem Besuch der Handelsschule in Stockerau war er bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs in einer Rechtsanwaltskanzlei beschäftigt. Im Anschluss versah er seinen Kriegsdienst und geriet in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst nach zwei Jahren heimkehrte. Danach holte er seine Matura nach und trat als Beamter in den Dienst der Wiener Gebietskrankenkasse. Dort lernte er auch seine spätere Ehefrau Margarete kennen, die ihn auf vielen seiner Sammelreisen begleitete und im Winter 1990 verstarb.
Erst in den Nachkriegsjahren begann Baderle seine große und präzise determinierte Käfersammlung aufzubauen. Im Laufe der Jahre kam er auf ca. 170 Schachteln, die alle in Österreich heimischen Käferfamilien umfassten. Allein auf die Carabinae – also die Gattungen Carabus, Calosoma und Cychrus – entfielen 40 Schachteln mit rund 1400 Taxa, darunter zahlreiche Paratypen, von Fachleuten determiniertes Material sowie einige bedeutende Seltenheiten. Auch im „Allgemeinteil“ dieser Sammlung sind einige von ihm gesammelte Seltenheiten vorhanden. So umfasste etwa allein der Cicindela-Teil drei große Schachteln mit ca. 270 Taxa. Aufgrund seiner guten Kontakte mit namhaften entomologischen Persönlichkeiten wie Otto Scheerpeltz oder Karl Mandl konnten exakte Bestimmungen seiner Sammlungen getätigt werden. Zusammen mit Franz Baldia und Franz Legorsky besammelte er über Jahre hinweg die Parndorfer Platte. Noch regelmäßig wurde von ihnen hier der Genetzte Puppenräuber (Calosoma reticulatum), eine in Österreich vermutlich bereits ausgestorbene oder zumindest vom Aussterben bedrohte Carabiden-Art, nachgewiesen. Mit seiner Ehefrau und dem Ehepaar Baidia unternahm er vor allem in den 1960er Jahren zahlreiche Sammelreisen, die ihn mitunter auch nach Kärnten führten. Hier sammelte er unter anderem den Procerus gigas, der zu jener Zeit im Waidischtal noch sicher gefunden werden konnte.
Ebenfalls in den 1960er Jahren sammelte er im 10. Wiener Gemeindebezirk den Anfang der 1990er Jahre bereits ausgestorbenen Carabus hungaricus viennensis, eine nominotypische Unterart des Ungarischen Laufkäfers (Carabus hungaricus). Seine entomologische Tätigkeit zeigt sich auch in mehreren ihm gewidmeten Taxa. Nach Baderle wurden die beiden Käfer Carabus scheiderli baderlei (Karl Mandl) und Staphylinus (Parabemus) baderlei (Otto Scheerpeltz) benannt. Erstgenannten entdeckte er selbst in den Restwäldern der Parndorfer Platte, den zweitgenannten in den Ligurischen Alpen.
Am 16. Februar 1991 starb Baderle, wenige Monate nach dem Tod seiner Ehefrau, plötzlich und unerwartet im Alter von 71 Jahren in Wien oder Oberleis. Seine letzte Ruhestätte fand er zumindest am Friedhof von Oberleis – in jener Gegend, die zu seiner zweiten Heimat geworden war. Die Sammlung des Mitglieds der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Entomologen gelangte nach seinem Tod an Erich Kirschenhofer, ebenfalls Mitglied dieser Arbeitsgemeinschaft.
Literatur
- Erich Kirschenhofer: Karl Baderle †. In: Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Entomologen. Band 43, Nr. 1–2, 1991, S. 62 (zobodat.at [PDF]).