Karl Emmrich

deutscher Herzchirurg From Wikipedia, the free encyclopedia

Karl Hans Emmrich (* 10. August 1934 in Chemnitz; † 20. April 2008 in Rostock) war ein deutscher Chirurg und Spezialist für Herz- und Gefäßchirurgie sowie Hochschullehrer.

Leben

Karl Emmrich wuchs als ältester Sohn in Waldkirchen/Erzgebirge auf und war der Sohn des Textileinzelhändlers Hans Walter Emmrich und dessen Ehefrau Charlotte, geb. Kox.

Von 1940 bis 1944 besuchte Emmrich die Volksschule in Waldkirchen. In der Nachkriegszeit setzte er seine Ausbildung an der Staatlichen Oberschule in Zschopau fort, wo er von 1944 bis 1952 sein Abitur erwarb. Anschließend begann er sein Medizinstudium an der Universität Leipzig, das er ab 1954 in Dresden fortsetzte. Die Approbation als Arzt erhielt er am 9. November 1957. Nach Abschluss des Studiums 1957 absolvierte er von 1959 bis 1961 eine klinische Ausbildung als Assistenzarzt am Stadtkrankenhaus Radeberg in der Chirurgischen Abteilung. Seine medizinische Qualifikation erhielt er 1958 mit seiner Promotion an der Medizinischen Akademie „Carl Gustav Carus“ in Dresden. Seine Dissertationsarbeit zum Thema Das morphologische Bild der Schilddrüse bei Malignomträgern und die Möglichkeiten seiner funktionellen Deutung in Hinsicht auf die Rolle der Schilddrüse im Geschwulstgeschehen legte bereits den Grund für sein Interesse an der Spezialisierung. 1964 erlangte er den Facharzt für Chirurgie.

1961 markierte einen Wendepunkt in Emmrichs Werdegang, als er seine Tätigkeit als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Leipzig (Herz- und Gefäßchirurgie) aufnahm. In den folgenden Jahren baute er sein Wissen systematisch auf und spezialisierte sich zunehmend auf die Herzchirurgie; 1970 wurde er zum Oberarzt befördert. Am 16. Juni 1977 erhielt Emmrich die Anerkennung als Subspezialist für Herz- und Gefäßchirurgie. Seine Habilitation 1977 dokumentierte seine innovative Arbeit mit dem Thema Assistierte Zirkulation und kardiochirurgische Säuglingsperfusion. Technische Entwicklung, tierexperimentelle Erprobung und klinische Nutzanwendung einer automatisierten Herz-Lungen-Maschine. Diese Arbeit zeigte seinen Fokus auf technologische Innovationen im Bereich der kardiopulmonalen Bypässe und der Perfusionstechnologie – ein Gebiet, das für die moderne Herzchirurgie grundlegend ist. Diese Habilitation wurde am 1. Februar 1991 offiziell anerkannt. 1978 wurde Emmrich zum Hochschuldozenten ernannt und behielt diese Position bis 1984, als sein nächster beruflicher Wechsel bevorstand; diese Zeit war durch intensive wissenschaftliche Arbeit, experimentelle Forschung und klinische Innovation gekennzeichnet.

1984 erfolgte Emmrichs Berufung zum ordentlichen Professor für Herzchirurgie an der Universität Rostock. 1992 wurde er als C4-Professor an die neu strukturierte Klinik für Chirurgie der Universität übernommen, wo er als Abteilungsleiter für Herzchirurgie von 1984 bis 1994 fungierte. Von 1994 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2000 war er Klinikdirektor. In dieser Funktion war er verantwortlich nicht nur für die klinische Versorgung von Patienten und die Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten, sondern auch für die Weiterentwicklung der herzchirurgischen Forschung und die Etablierung von Qualitätsstandards.

Ein Merkmal von Emmrichs akademischem Profil war seine internationale Orientierung. Er unternahm Studienaufenthalte in mehreren Ländern, um sich mit neuesten Entwicklungen vertraut zu machen und sein Netzwerk zu erweitern, so war er unter anderem in Polen in Warschau und Lodz, in der Tschechoslowakei in Prag, Bratislava und Brünn, in der Sowjetunion in Moskau, auf Kuba in Havanna, in der Schweiz in Zürich, in Großbritannien in London, Liverpool und Birmingham sowie in den USA in Philadelphia, Hershey, Cleveland, Salt Lake City sowie in der Metropolregion Minneapolis–Saint Paul tätig.

Emmrich war aktiv in der akademischen Selbstverwaltung tätig. Von 1985 bis 1990 gehörte er dem Wissenschaftlichen Rat an, von 1990 bis 1995 dem Fakultätsrat. Parallel zu seinen Aufgaben als Klinikdirektor übernahm er von 1998 bis 2005 eine wichtige Funktion als Mitglied der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern.

1960 heiratete Emmrich Petra, geb. Pöckel. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor, von denen er später drei Enkelkinder bekam.

Wissenschaftliche Arbeiten und Publikationen

Emmrichs wissenschaftliches Werk konzentrierte sich auf die Chirurgie angeborener und erworbener Herzerkrankungen sowie auf technologische Fortschritte in der Herzchirurgie.

Seine Publikationen zeigen ein breites Spektrum von experimentellen Arbeiten über tierexperimentelle Erprobung bis zur klinischen Nutzanwendung von Innovationen. Besonders hervorzuheben ist seine interdisziplinäre Herangehensweise, die technologische Entwicklungen mit klinischer Anwendung verband.

Mitgliedschaften

Er war Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands sowie Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, der führenden Fachgesellschaft seines Fachgebiets.

Auszeichnungen und Ehrungen

Aufgrund seiner schulischen Leistungen wurde Emmrich 1952 mit der Lessing-Medaille in Gold ausgezeichnet.[1]

1971 erhielt er im Kollektiv den Nationalpreis der DDR für Wissenschaft und Technik II. Klasse. 1986 wurde er mit dem Universitätspreis Stufe I der Universität Leipzig geehrt.[2]

Späte Jahre

Nach seinem Eintritt in den Ruhestand 2000 setzte sich Emmrich noch bis 2005 in der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern fort, wo er sein Wissen und seine Erfahrung zur Lösung medizinischer Streitfragen einbrachte.

Schriften (Auswahl)

  • Das morphologische Bild der Schilddrüse bei Malignomträgern und die Möglichkeiten seiner funktionellen Deutung in Hinsicht auf die Rolle der Schilddrüse im Geschwulstgeschehen. 1958.
  • Karl Emmrich; Günther H.-J. Weissbach: Assistierte Zirkulation und kardiochirurgische Säuglingsperfusion. Technische Entwicklung, tierexperimentelle Erprobung und klinische Nutzanwendung einer automatisierten Herz-Lungen-Maschine. 1977.
  • Angeborene Herzfehler. In: Spezielle Chirurgie – Ein Lehrbuch. 1971, 1978 und 1991.
  • Karl Emmrich; Herbst; Trenckmann; Schulz; Wohlgemuth: Severe late complications after operative correction of aortic coarctation by interposition of allografts. Im: Journal of Cardiovascular Surgery. 1982.
  • Erfahrungen bei der Anwendung der wissenschaftlichen Arbeitsorganisation (WAO) am Bereich Medizin der Karl-Marx-Universität Leipzig / Zentralinst. für Hochschulbildung. 1982.
  • Chirurgie des Herzens und der herznahen Gefäße. In: Grundlagen der Speziellen Chirurgie. 1991.
  • Schlichtungsverfahren in der Herzchirurgie. In: Risiko und Qualität in der Herzchirurgie. 2005.

Literatur

  • Karl Emmrich. In: Neues aus Langen Bruetz, Band 67. 2022 (pdf).

Einzelnachweise

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