Karl Heuer

deutscher Theater- und Filmschauspieler From Wikipedia, the free encyclopedia

Karl Heuer (* 21. April 1916 in Berlin; † 17. Juli 1986 in West-Berlin) war ein deutscher Theater- und Filmschauspieler.

Leben und Wirken

Karl Heuer wurde am 21. April 1916 als sechstes und jüngstes Kind in eine Berliner Arbeiterfamilie geboren, die im Ortsteil Moabit wohnte.[1] Der Junge interessierte sich früh für das Theater und die Musik. Nachdem er die Volksschule absolviert hatte, ging er in einem Fachgeschäft für Tapeten in die Lehre, nahm abends aber Unterricht in Klavierspiel und Gesang und betätigte sich als Statist an der Berliner Staatsoper.

Um 1940 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen, und als Angehöriger der Wehrmacht war er zunächst in Polen, dann in Norwegen stationiert. In Oslo organisierte er unter anderem Unterhaltungsabende mit Musik und Theater für die deutschen Besatzungstruppen. Als seine Vorgesetzten erfuhren, dass er eine intime Beziehung mit einem norwegischen Mann eingegangen war, wurde er in der Osloer Festung Akershus interniert und von dort in ein Lazarett nach Königsberg (Kaliningrad) verbracht, wo er nach Angaben seiner späteren Frau Erika Wilde-Heuer unter anderem mit Elektroschocks behandelt wurde.[1] Anschließend leistete er wieder Kriegsdienst, unter anderem in Russland.[1]

Im April 1945 geriet Karl Heuer in Italien in amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er wenig später flüchten konnte. Er kehrte nach Berlin zurück, und in den folgenden Jahren betätigte sich als Schauspieler in Städten wie Cottbus, Zwickau, Heringsdorf und Greifswald. Zeitweise gehörte er dem Ost-Berliner Ensemble „Der neue Weg“ an.[2]

Seine spätere Frau lernte Karl Heuer 1949 kennen. Für ihn soll es „Liebe auf den ersten Blick“ gewesen sein. Die Ehe, die die beiden eingingen, war indes sehr wechselhaft und konfliktbeladen. Das Paar ließ sich zwei Mal scheiden, um bald darauf erneut zu heiraten. Ein Jahr nach seinem Tod „outete“ Erika Wilde-Heuer ihren früheren Ehemann als homosexuell.[3]

Karl Heuer wohnte Anfang der 1950er Jahre in West-Berlin, zog dann aber in den Ostteil der Stadt und siedelte erst 1964 wieder nach West-Berlin über. Hier trat er unter anderem im Hebbel-Theater, im Kleinen Theater am Südwestkorso und im Reichskabarett in der Ludwigkirchstraße auf. 1967 wurde er zwischenzeitig an den Bühnen der Hansestadt Lübeck tätig. Heuer war auch in meist kleineren Rollen in Spielfilmen wie „Schatten über den Inseln“ von Otto Meyer (1952), „Gruppenbild mit Dame“ (1977) nach dem gleichnamigen Roman von Heinrich Böll, „Kranke Männer“ (1986) von Otmar Hitzelberger und „Schloß & Siegel“ (1987) von Heidi Ulmke zu sehen.

Karl Heuer starb am 17. Juli 1986 und wurde auf dem landeseigenen Friedhof Steglitz in der Berliner Bergstraße (Berlin-Steglitz) beigesetzt.[1]

Literatur

  • Runar Jordåen und Raimund Wolfert: Homoseksualitet i det tyskokkuperte Norge. Sanksjoner mot seksuelle forhold mellom menn i Norge 1940–1945. In: Historisk tidsskrift (Bd. 94) 2015, Nr. 3, S. 454–485.
  • Erika Wilde-Heuer: Diskriminierung begünstigt die Aids-Verbreitung (Leserbrief). In: Der Stern, 13.8.1987 (Jg. 40, Nr. 34), S. 6.
  • Raimund Wolfert: Hvem var Ragnar?, auf: Skeivopedia.no [6.9.2019].

Einzelnachweise

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