Karl Holy
deutscher Theaterschauspieler, Opernsänger und Regisseur
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Karl Holy, bis 1918 zumeist: Carl Holy[1] (* 3. Januar 1870 in Ober-Eschach, Baden; † nach 1946 in Stuttgart (?)[2]) war ein deutscher Theaterschauspieler, Opernsänger und Regisseur.
Leben
Holy studierte zunächst Philologie und Theologie. Während des Theologiestudiums entdeckte man seine schöne Stimme und er begann eine Gesangsausbildung in Freiburg im Breisgau und/oder Berlin, die er am Konservatorium von Köln vervollkommnete. 1896 debütierte er am Stadttheater von Essen; dort blieb er als Sänger und Schauspieler bis 1898. In der Spielzeit 1898/99 war er am Hoftheater Kassel (Debütrolle „Bandit Barbarino“ in Alessando Stradella) und 1899/1900 am Theater des Westens in Berlin engagiert. 1900 trat er in den Verband des Stadttheaters Freiburg ein, wo er sowohl in der Oper wie im Schauspiel tätig war. 1902 wechselte er an das Großherzogliche Hoftheater Schwerin, dem er bis 1918 angehörte; hier war er sowohl als Tenorbuffo wie auch als Opernregisseur tätig. Im April 1918 wurde ihm der Titel „Großherzoglich mecklenburg-schwerinischer Kammersänger“ verliehen.[3] Nach einer Gastregie 1917 wurde er zum 1. September 1918 als Oberregisseur an die Berliner Staatsoper Unter den Linden berufen. Hier schuf er zahlreiche Inszenierungen.[4] 1932 wurde er aufgrund von Differenzen mit dem Intendanten Heinz Tietjen pensioniert.[5] Danach war er als Gesangslehrer in Berlin tätig.
1915/16 war er als Regisseur an der Metropolitan Opera in New York verpflichtet.[6] Als Gast inszenierte er u. a. in Rom (Meistersinger, 1922), an der Städtischen Oper Berlin (1928/29) und in Barcelona (Meistersinger, Der fliegende Holländer, 1929).
Ab 1919 war er am Neuaufbau des Repertoires der Deutschen Grammophon-Gesellschaft beteiligt.[7]
Während seiner Schweriner Zeit war er Berater, Agent, Freund und zeitweise Verlobter der später weltberühmten Sängerin Frieda Hempel.
Carl Holy ist nicht zu verwechseln mit dem Bassisten Carl Holly, der von 1889 bis etwa 1918 als Chorist und in kleineren Partien an verschiedenen Wiener Theatern (Raimundtheater, Carltheater) tätig war.[8]
Repertoire
Sein Repertoire umfasste hauptsächlich die Buffo- und Charakterpartien seines Stimmfachs: den Veit in Lortzings Undine, den Georg im Waffenschmied, Peter Iwanow in Zar und Zimmermann, den Monostatos in der Zauberflöte, Jacquino im Fidelio, den Wenzel in der Verkauften Braut, den David und den Beckmesser in den Meistersingern sowie den Mime im Ring des Nibelungen. Er sang auch lyrische Partien wie den Lyonel in Martha und die Titelhelden in Aubers Fra Diavolo und Flotows Alessandro Stradella. Erfolgreich war Holy auch in Operettenpartien, so als Eisenstein in der Fledermaus, als Andredl in Das verwunschene Schloss (Millöcker) und als Fürst Roderich im Obersteiger (Zeller).
Tondokumente
Im Februar 1900 entstanden in Berlin fünf seltene Titel für das Label Grammophon: „Vater, Mutter, Schwestern, Brüder“ und „Uns beiden ist die Hauptstadt wohlbekannt“ (Duett mit Robert Leonhardt) aus Undine, „Man wird ja nur einmal geboren“ und „War einst ein junger Springinsfeld“ aus Der Waffenschmied sowie „Winterstürme wichen dem Wonnemond“ aus Die Walküre.[9]
Würdigung
„Karl Holy ... gehörte unserer Bühne als Tenorbuffo an, er arbeitete auch als Regisseur. So stand es in seinem Vertrage. Tatsächlich aber reichte sein Talent weit über diese Bereiche hinaus. Er hatte als Schauspieler angefangen, dann seine Singstimme ausbilden lassen. Essen, Köln, Kassel, das Berliner Theater des Westens, Freiburg i. Br. waren die Stationen gewesen, ehe er sich nach Schwerin verpflichtete. Sein Talent kannte kaum Grenzen, er sang den Mime in Siegfried ebenso gut, wie er den Professor im Raub der Sabinerinnen spielte, er war in einer Operette der charmanteste Buffo. Der Typus des Allround-Künstlers, wie er zu allen Zeiten außerordentlich selten ist, und er war, im besten Sinne des Wortes, ein „Mann von Welt“. Seine Karriere führte ihn dann von Schwerin aus weiter nach Berlin, wo er als Regisseur an der Königlichen Oper und noch lange nach dem Ende des ersten Weltkrieges an der Staatsoper tätig gewesen ist. Holy, groß und schlank, immer elegant gekleidet, immer das Monokel im Auge, ist gewiß ein vollendeter Künstler und ein ebenso vollendeter Kavalier gewesen.“
Literatur
- Holly, Carl. In: Ludwig Eisenberg: Großes biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Paul List, Leipzig 1903, S. 448 (Textarchiv – Internet Archive).
- Frieda Hempel: Mein Leben dem Gesang. Argon Verlag, Berlin 1955, S. 66 ff.
- Holy, Carl. In: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens, Hansjörg Rost: Großes Sängerlexikon. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. K. G. Saur, München 2003, ISBN 3-598-11598-9 (7 Bände). S. 2131.
Weblinks
- Privat- und Rollenfotos in der Deutschen Fotothek
- Carl Holy bei Discogs