Karl Kalms
deutscher Gastronom und Hotelier
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Karl Kalms I. (* 24. April 1868 in Braunschweig; † 28. Dezember 1938 ebenda) war ein deutscher Gastronom und Hotelier.[1]

Leben
Kalms war das erste von drei Kindern des Braumeisters Christian Kalms und der Wilhelmine Kalms, geb. Kruse.[2] Nach dem Besuch der Vierten Mittleren Bürgerschule in Braunschweig und der Lehrzeit bei seinem Onkel Wilhelm Kruse in der Gaststätte Wilhelmsgarten diente Kalms 1888 bis 1890 in der 2. Kompagnie des Hannoverschen Jäger-Bataillons 10 in Goslar und Colmar im Elsass.[3] Anschließend arbeitete er wieder bei Wilhelm Kruse im Wilhelmsgarten mit. Dieser erwarb als bisheriger Pächter 1894 das Etablissement und erweiterte es in den nächsten Jahren zu einem imposanten Veranstaltungszentrum mit mehreren großen Sälen, Bier- und Speiserestaurant sowie Weinstube.[4]
Im Jahr 1895 machte Kalms sich selbständig und pachtete das Café Lück an der Ecke von Steinweg und Theaterwall gegenüber dem Herzoglichen Hoftheater. Durch Kauf ging es 1896 in sein Eigentum über. Den gastronomischen Betrieb als Kaffeehaus im Wiener Stil und beliebten Treffpunkt für Theaterensemble und Theaterfreunde baute er weiter aus.[5] Neben dem Ladengeschäft und der Gastwirtschaft unter dem Namen „Conditorei Restaurant & Café Lück“ florierte das Unternehmen auch als Versand- und Bestellgeschäft für Konditoreiwaren, Konfitüren und Schokoladen aller Art sowie als Weingroßhandlung. Kalms war seit Mai 1900 Herzoglich Braunschweig-Lüneburgischer Hoftraiteur und seit April 1901 Hoflieferant Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs von Hessen und bei Rhein.[6]
In den ersten Jahren nach der Übernahme erwarb Kalms mehrere Grundstücke in der Nachbarschaft der Mauernstraße und des Theaterwalls hinzu, so dass sich die ihm zur Verfügung stehende Fläche vergrößerte. Dann ließ er 1908 den 1861 von Constantin Uhde errichteten Altbau des Café Lück abreißen[7][8][9] und an dessen Stelle, unter Beibehaltung des traditionsreichen Namens, das „Park Hotel Café Lück“ setzen, das nach Plänen des Architekten Otto Eggeling mit Jugendstil-Elementen neu erbaut wurde. Um diese Maßnahme zu finanzieren, wandelte er den Betrieb in eine Aktiengesellschaft um, die zum 1. Mai 1908 begründet wurde, und führte das Unternehmen, dessen Geschäftsführer er war, fortan unter dem Namen „Park-Hotel Café Lück Aktiengesellschaft“.[10] Dem Aufsichtsrat gehörten fünf Braunschweiger Wirtschaftshonoratioren an: Georg Kiehne als vormaliger Inhaber der Lithographischen Anstalt und Etikettenfabrik, der Biergroßhändler Richard Brauwers, der Kaufmann Albert Becker als Geschäftsführer der Konservenfabrik Gebr. Grahe, der Kaufmann Siegmund Seelig[11] als Inhaber der Einrichtungsfirma P. J. Blanck und der Redakteur Heinrich Ibach für den Verlag Albert Limbach. Eine Rückumwandlung der Firma in Privateigentum mit neuer Konzession erfolgte Ende 1937 aufgrund veränderter rechtlicher Gegebenheiten.[12]

Das Park Hotel wurde am 15. Oktober 1909 eröffnet.[13][14] Ergänzt wurde das Unternehmen durch die Weingroßhandlung[15] und seit 1919 durch den Bierverlag für das Staatliche Hofbräuhaus in München. Im Juni 1928 erwarb Kalms noch das Grundstück Theaterwall 2 aus dem Besitz des Seifenfabrikanten Ernst Weber hinzu[16] und ließ hier weitere elegante Hotelzimmer für Gäste sowie ein Musikzimmer und Konferenzräume einrichten, die über einen schwebenden Verbindungsgang vom ersten Obergeschoss des Park Hotels aus zu erreichen waren.
Familie
Am 17. April 1894 heiratete Kalms Margarethe Nieper, * 30. Januar 1872 in Braunschweig; † 29. Januar 1944 ebenda, die Tochter des Braunschweiger Schlossermeisters Karl Nieper und der Elise Nieper, geb. Breimann. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, die alle beruflich ins Hotelfach einstiegen und das Park Hotel nach dem Tod des Vaters 1938 fortführten:
- Elisabeth Kalms, * 28. November 1894 in Braunschweig; † 20. November 1982 ebenda
- Karl Kalms, * 11. Februar 1896 in Braunschweig; † 3. Februar 1963 ebenda; persönlich haftender Gesellschafter ab 1939
- Ilse Kalms, * 22. September 1901 in Braunschweig; † 19. Juni 1981 ebenda
- Walter Kalms, * 2. November 1906 in Braunschweig; † 10. Januar 1942 in Warschau
- Hans Joachim Kalms, * 21. Januar 1908 in Braunschweig; † 10. November 1956 ebenda
Öffentliches Wirken
Der für das Gemeinwohl engagierte, ebenso tüchtige wie streitbare Kalms wirkte auf regionaler und überregionaler Ebene in den Hotelbesitzerverbänden mit; er war Vorstandsmitglied des Verbandes der Hotelbesitzer des Harzes und der umliegenden Gebiete, Verwaltungsratsmitglied des Reichsverbandes der deutschen Hotels, Restaurants und verwandter Betriebe, außerdem Mitglied im Bildungsausschuss für die höhere Hotelfachschule in Heidelberg, an der seine Söhne Walter und Hans Joachim und später auch sein Enkel Karl Kalms III. die Ausbildung absolvierten, und Juror bei der Internationalen Kochkunstausstellung.
Vor Ort in Braunschweig war er Beirat für das Gastwirtsgewerbe beim Staatsministerium im Land Braunschweig und Vorsitzender der Interessengemeinschaft für das Gastwirtsgewerbe in der Stadt Braunschweig e.V. Der örtlichen Wirtschaft diente er ab 1911 als Mitglied, zeitweise auch als Vizepräsident und Schatzmeister der Industrie- und Handelskammer sowie als Mitglied im Ausschuss des Wirtschaftsverbandes des Landes Braunschweig, zudem war er Aufsichtsratsvorsitzender der von ihm initiierten Braunschweiger Eisfabrik und Aufsichtsratsmitglied des Elektrizitätswerkes wie der Straßenbahnbetriebe.
Insbesondere wichtig war Kalms die Entwicklung des Verkehrswesens und des Tourismus in der Region Braunschweig. Er gründete 1899 zusammen mit anderen Geschäftsleuten den Städtischen Verkehrsverein Braunschweig e.V. „zur Hebung Braunschweigs und seines Fremdenverkehrs“, dessen Vorstands- und später Ehrenmitglied er wurde, hatte es aber immer schwer, politische Anerkennung für die Arbeit dieses Vereins zu finden, wie eine längliche Debatte der Stadtverordneten im Oktober 1905 über die Notwendigkeit von Stadtreklame offenbart.[17] Die Verkehrsanbindung der Stadt Braunschweig und ihrer touristisch relevanten Destinationen war einer seiner Arbeitsschwerpunkte. In diesem Interessenbereich arbeitete er in der Zeit der Weimarer Republik auch mit im Landeseisenbahnrat bei der Reichsbahn-Direktion Magdeburg.
Von April 1905 bis März 1911 diente Kalms der Stadt Braunschweig als Stadtverordneter; er wirkte zunächst in der Deputation für das Marktwesen und in der Gewerbesteuer-Kommission mit.[18] Die Schwerpunkte seiner politischen Arbeit lagen immer im Bereich von Handel, Gewerbe und Infrastruktur. Mit Blick auf die Hebung des Fremdenverkehrs plädierte er etwa für die Einrichtung eines Tennisplatzes am Bürgerpark[19] und für die Einrichtung eines Stadtbades;[20] er sprach sich aber auch aus für eine finanzielle Unterstützung des VIII. Deutschen Stenographentags in Braunschweig durch die Stadt[21] oder einen dauernden Unterhaltszuschuss für den Sportverein „Eintracht“.[22] Aus der ersten Phase im Stadtrat blieb den Zeitgenossen vor allem sein großes Engagement für eine zeitgemäße elektrische Straßenbeleuchtung der aus seiner Sicht sehr rückständigen Stadt Braunschweig im Gedächtnis, ein Antrag, den die Stadtverordneten kontrovers diskutierten und ablehnten.[23] Auch der Antrag auf Errichtung eines Musikpavillons auf dem Löwenwall für die regelmäßig stattfindenden Promenadenkonzerte des Verkehrsvereins ging auf seine Initiative zurück.[24] Immer wieder befasste er die Stadtverordnetenversammlung auch mit dem Thema Verunreinigung der Oker im Stadtgebiet durch Abwasser.[25]
Von 1925 bis 1933 war Kalms für Braunschweig als unbesoldeter Stadtrat auf Seiten des Magistrats ehrenamtlich tätig. Ein wichtiger Erfolg seines politischen Wirkens war die Eröffnung des Braunschweiger Viehhofs als Einrichtung für den Viehhandel im März 1928; dafür hatte er sich schon seit 1905 als Stadtverordneter eingesetzt.[26] Aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung ernannte ihn der Rat der Stadt 1932 zum ehrenamtlichen Leiter des Städtischen Verkehrs- und Presseamtes.
Auch als mäzenatischer Förderer der bildenden Kunst war Kalms engagiert. Er beauftragte Maler wie Hans Herse (1855–1939), Otto Philipps (1869–1932) oder Robert Naumann (1890–1979) mit Stadtansichten[27] und den Landestheatermaler Franz Rüger (1846–1928) mit kleinformatigen Landschaftsbildern aus dem Harz. Die Bilder hingen dann im Park Hotel. Ein Ölgemälde von sich selbst gab er nach seiner Ernennung zum Stadtrat 1926 bei Erich Körner (1866–1951) in Auftrag.[28]
Seine große Liebe galt den Alpen, die er alljährlich als Bergsteiger besuchte. Als er am 19. August 1930 die Zugspitze zum 25. Mal bestieg, berichtete die lokale Presse.[29] Kalms starb nach zwei Schlaganfällen am 28. Dezember 1938. Auf seinem Sarg lag der Eispickel, mit dem er unzählige Male die Alpengipfel bezwungen hatte. Begraben ist er auf dem Hauptfriedhof Braunschweig.
Literatur
- Peter Albrecht: Cafés in Braunschweig. Eine Zeitreise vom 18. bis ins beginnende 21. Jahrhundert. Von Kaffeehäusern, Cafés, Cafés Chantants, Bars, Conditoren, Canditoren, Gartencafés, Restaurants und Hotels (= Braunschweiger Werkstücke. 124). Wallstein, Göttingen 2024, ISBN 978-3-8353-5453-1, urn:nbn:de:gbv:084-2026012612489, Seite 146–150, 175, 202–206, 244–252, 257 f., 261 und 361 (leopard.tu-braunschweig.de PDF).
- Ernst Ullrich Wegener: Die Goldenen 20er in Braunschweig. Kultur, Gesellschaft und Lebensfreude im Wandel der Zeit. Serie in 27 Folgen. In: Braunschweiger Zeitung. 4. Februar – 19. März 1964. Folge 17 vom 3. März 1964 zum Café Lück. Folge 18 vom 4. März 1964 mit Eintragungen aus dem Gästebuch des Park Hotels.
- „Im Parkhotel: Menschen kamen – Menschen gingen“. Erinnerungen von J. P. Frakir. In: Braunschweiger Presse. Nr. 267 vom 15./16. November 1969 bis 4. März 1970.
- Wir treffen uns heute im Glaskasten. Als Richard Wagner noch zum Stammtisch ging. Neubeginn gegenüber dem Staatstheater (W. T.). In: Braunschweiger Zeitung. Nr. 189, 19. August 1952.
- Karl Kalms’ letzter Gang [Nachruf]. In: Braunschweiger Allgemeiner Anzeiger. 31. Dezember 1938.
- Hotelbesitzer Karl Kalms [Nachruf]. In: Braunschweigische Neueste Nachrichten. 31. Dezember 1938.
- 25jähriges Geschäftsjubiläum. In: Braunschweigische Landeszeitung. 27. September 1920.