Karl Knaths

amerikanischer Maler (1891–1971) From Wikipedia, the free encyclopedia

Otto Karl Knaths, meist Karl Knaths genannt, (* 21. Oktober 1891 in Eau Claire, Wisconsin; † 9. März 1971 in Hyannis, Massachusetts) war ein US-amerikanischer Maler, Zeichner und Grafiker. Er zählt zu den frühen Vertretern der amerikanischen Moderne.[1][2]

Karl Knaths

Leben

Karl Knaths wurde 1891 in Eau Claire im US-Bundesstaat Wisconsin geboren. Er studierte zunächst am Art Institute of Milwaukee und von 1912 bis 1916 am Art Institute of Chicago. Während dieser Zeit besuchte er 1913 die Armory Show, die nachhaltigen Einfluss auf seine künstlerische Entwicklung ausübte. Ab 1919 ließ er sich dauerhaft in Provincetown, Massachusetts, nieder, wo er bis zu seinem Tod lebte. 1922 heiratete er die Pianistin Helen Weinrich. Ihre Schwester Agnes Weinrich war eine in Paris ausgebildete abstrakte Malerin. In Provincetown errichtete Knaths ein Haus mit Atelier, das ihm bis zu seinem Lebensende als Wohn- und Arbeitsstätte diente. Zeitweise hielt er sich auch in New York und Washington, D.C., auf. In den 1930er Jahren war er im Rahmen des Federal Art Project der Works Progress Administration tätig und schuf unter anderem Wanddekorationen für öffentliche Gebäude wie die Falmouth High School in Massachusetts.[1][2]

Karl Knaths war älter als viele Künstler der abstrakten Kunstrichtung in den Vereinigten Staaten. Ab etwa 1930 stellte er regelmäßig in New York aus und erhielt überwiegend positive Kritiken. Er selbst bemerkte rückblickend, dass er über einen Zeitraum von 23 Jahren kein einziges Gemälde verkaufte – mit Ausnahme der jährlichen Ankäufe durch Duncan Phillips. Phillips war einer seiner wichtigsten Förderer, erwarb zahlreiche Werke Knaths’ für die Phillips Collection in Washington, D.C., und lud ihn wiederholt zu Vorträgen ein. Im Oktober 1945 war Knaths an einer Gruppenausstellung in der Paul Rosenberg Gallery beteiligt. Im Januar 1946 folgte seine erste Einzelausstellung. Insgesamt hatte er in den folgenden 25 Jahren bis zu seinem Tod 22 Einzelausstellungen. Von 1937/1938 bis 1950 lehrte Karl Knaths an der Phillips Collection Art School in Washington, D.C., sowie an der Skowhegan School of Painting and Sculpture in Skowhegan, Maine. Für seine Leistungen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1928 die Norman Wait Harris Silver Medal des Art Institute of Chicago und 1964 den Emily Lowe Memorial Award der Audubon Artists. Er war Mitglied der American Abstract Artists, des National Institute of Arts and Letters und der National Academy of Design. Karl Knaths starb 1971 in Hyannis, Massachusetts.[1][2]

Werk

Karl Knaths verfügte über umfassende kunsttheoretische Kenntnisse. In seinen Vorlesungsnotizen und einem unveröffentlichten Manuskript mit dem Titel Ornament and Glory zeigt sich seine intensive Auseinandersetzung mit den Grundlagen der Moderne sowie mit der Kunst der Renaissance und der europäischen Kunstgeschichte. Sein Nachlass enthält Typoskripte von Vorträgen Hans Hofmanns sowie Schriften von Piet Mondrian, Kasimir Malewitsch, Wassily Kandinsky und anderen zentralen Theoretikern der modernen Kunst. Trotz dieser breiten theoretischen Basis werden die stärksten stilistischen Parallelen in Knaths Werk zu den späten Gemälden Paul Cézannes gesehen, insbesondere in der Verbindung von strukturellem Aufbau und Motiven aus der beobachteten Natur. Thematisch griff Knath wiederholt auf seine unmittelbare Umgebung in Provincetown zurück. Zu seinen häufigen Motiven zählen Landschaften mit Hirschen, Muschelsammler bei der Rückkehr von der Arbeit, Fischerhütten, Boote im Hafen sowie Stillleben mit Lockenten und Fischereigeräten. Darüber hinaus bezog er Stoffe aus der amerikanischen Folklore und Literatur ein und schuf unter anderem Darstellungen zu Johnny Appleseed, Paul Bunyan und Kapitän Ahab aus Herman Melvilles Roman Moby-Dick.[1]

Knaths teilte Kandinskys Auffassung, dass messbare Entsprechungen zwischen musikalischen Intervallen sowie Farb- und Raumverhältnissen in der Malerei bestehen. Auf dieser Grundlage entwickelte er komplexe Diagramme zu Farb- und musikalischen Proportionen, die er zur Bestimmung von Richtungsachsen und Größenverhältnissen in seinen Bildern nutzte. In Anlehnung an Hans Hofmann vertrat er die Auffassung, dass sich der Bildinhalt aus der thematischen Verwendung der malerischen Mittel entwickeln müsse und die Bildfläche als zentrales Element räumliche Wirkung innerhalb der Flächigkeit ermögliche. Im weiteren Verlauf seiner Arbeit setzte sich Knaths intensiv mit dem Farbsystem von Wilhelm Ostwald auseinander. Dieses basiert nicht auf Licht, sondern auf Farbe und war in den Vereinigten Staaten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weit verbreitet. Er integrierte das System in ein komplexes Gefüge mathematischer und geometrischer Beziehungen, die er mit musikalischen Proportionen verglich. Damit beruhte die formale Struktur seiner Malerei auf einem ausgearbeiteten theoretischen Fundament.[1]

Heute sind Werke von Knath in bedeutenden amerikanischen Museen wie dem Metropolitan Museum of Art und dem Solomon R. Guggenheim Museum in New York, der Phillips Collection in Washington, D.C., und dem Smithsonian American Art Museum zu finden.[3][1]

Literatur

  • Peter Hastings Falk: Who Was Who in American Art, Sound View Press, Madison, 1999.
  • Charles Edward Eaton: Karl Knaths, five decades of painting; a loan exhibition. International Exhibitions Foundation, Washington, 1973.
  • Virginia M. Mecklenburg: The Patricia and Phillip Frost Collection: American Abstraction 1930–1945, Smithsonian Institution Press für das National Museum of American Art, Washington, D.C., 1989.
  • Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 7: Herring – Koornstra. Paris, 2006.
  • Allgemeines Künstlerlexikon – Internationale Künstlerdatenbank – Online, De Gruyter, 2009.

Einzelnachweise

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