Karl Landis
Schweizer Bauunternehmer
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Karl Landis (* 1896 in Zug; † 1965 ebenda) war ein Schweizer Bauunternehmer, Branchenvertreter und langjähriger Leiter der Landis Bau AG. Als Vertreter der sechsten Generation einer traditionsreichen Baumeisterfamilie führte er das Unternehmen durch wirtschaftlich und gesellschaftlich turbulente Jahrzehnte. Er prägte die Stadtentwicklung von Zug entscheidend mit, setzte sich für berufliche Ausbildung, soziale Sicherheit im Baugewerbe und den genossenschaftlichen Wohnungsbau ein.
Leben
Karl Landis kam 1896 als drittes Kind von Kaspar Landis (1864–1935) und Victoria Ottilia Landis-Villiger (1865–1899) zur Welt. Nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 1899 wuchs er vor allem bei seinem Vater auf, verbrachte jedoch auch Zeit im Haushalt seines Onkels Johann Landis (1860–1936) an der Albisstrasse in Zug. Seine Schwester Lilly wurde von Johann und dessen Frau adoptiert. Schon in seiner Schulzeit zeigte Karl ein ausgeprägtes Interesse am praktischen Handwerk.
Nach dem Abschluss der Primar- und Sekundarschule in Zug arbeitete er zwei Jahre im Betrieb seines Onkels. Anschliessend absolvierte er das Technikum Winterthur als Hochbautechniker und studierte an der Technischen Hochschule Stuttgart. Seine erste Berufserfahrung sammelte er als Bauführer in Locarno. 1923 gründete er mit dem Tessiner Bauunternehmer V. Boldrini die Firma «Boldrini & Landis, Impresa Costruzioni», die an bedeutenden Projekten wie dem Palazzo Emden auf den Brissago-Inseln mitwirkte.
Im Oktober 1929 heiratete Karl Landis die Luzernerin Anna Aregger (1900–1988). Noch im selben Jahr kehrte er nach Zug zurück, wo er auf Wunsch seines betagten Onkels die Leitung des Familienunternehmens übernahm. 1935 legte er erfolgreich die Baumeisterprüfung ab. Nach dem Tod seines Onkels führte er ab 1936 die Firma unter eigenem Namen weiter.
Unternehmerisches Wirken
In einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit bewies Landis unternehmerische Standfestigkeit. Während der 1930er Jahre und im Zweiten Weltkrieg konzentrierte sich das Unternehmen auf Notstands- und Infrastrukturprojekte, darunter die Strassenkorrektion Zug–Walchwil. Daneben war Landis als Mineur-Offizier im aktiven Militärdienst.
Die Nachkriegsjahre brachten einen Bauboom, den Landis gezielt nutzte. 1948 gründete er die «Rebmatt-Genossenschaft» zur Schaffung bezahlbarer Wohnräume. Gemeinsam mit Viktor Konrad (1914–1971), der 1949 Teilhaber wurde, initiierte er weitere Bauträgergesellschaften wie die «Lauried AG» und die «Wohn AG» (heute: Wohnag).
Das Unternehmen realisierte in den 1940er bis 1960er Jahren zahlreiche markante Bauten, darunter den Erweiterungstrakt des Zuger Bürgerspitals (1934–1937), das Verwaltungsgebäude des Obstverbands (1949/50), das Schulhaus Guthirt sowie das erste Hochhaus Zugs (1958). In den 1950er Jahren baute er die ersten Terrassenhäuser mit Eigentumswohnungen der Schweiz.
Engagement und Verbandsarbeit
Landis engagierte sich intensiv im Berufsstand: Von 1936 bis 1958 war er Präsident des Zuger Baumeisterverbands, von 1949 bis 1956 stand er dem Zentralschweizerischen Baumeisterverband vor. Als Vizepräsident des kantonalen Gewerbeverbands setzte er sich für Ausbildungsinitiativen ein.
Er gründete eine Maurerfachschule in Sursee und ein Lehrlingsferienheim in Ambri Piotta. Besonders hervorzuheben ist seine Mitwirkung bei der Gründung der Krankenkasse «Artisana» (1952), die später in der Helsana aufging. Damit leistete er einen wichtigen Beitrag zur sozialen Absicherung im Baugewerbe.
Persönlichkeit
Landis verband Traditionsbewusstsein mit Innovationsgeist. Er galt als führungsstarker Unternehmer mit Gespür für soziale Verantwortung. In Zug wurde er wegen seiner Tessiner Vergangenheit und Sprachkenntnisse auch «Carlo» genannt. Zu seinen Hobbys zählten Reisen, Curling, Fischerei und Jagd. Jagdtrophäen und Reiseberichte zeugten von seiner Neugier und Lebendigkeit.
Er unterstützte jüngere Berufskollegen und trug zur Bewahrung der Unternehmensgeschichte bei, unter anderem mit der Familienchronik (1935) und einer Festschrift für den Baumeisterverband.
Karl Landis starb 1965 im Alter von 69 Jahren an Krebs. Seine Frau Anna überlebte ihn bis 1988.
Literatur
- Bernhard Ruetz: Landis Bau AG. 250 Jahre Zuger Bautradition 1759–2009. In: Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik. Band 88. Verein für wirtschaftshistorische Studien, Zürich 2009, ISBN 978-3-909059-43-0.
Weblinks
- Karl Landis im Katalog Schweizer Pioniere
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Landis, Karl |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Bauunternehmer |
| GEBURTSDATUM | 1896 |
| GEBURTSORT | Zug |
| STERBEDATUM | 1965 |
| STERBEORT | Zug |