Locarno

Gemeinde im Kanton Tessin in der Schweiz From Wikipedia, the free encyclopedia

Locarno/? (im alpinlombardischen Dialekt am Ort Locarno [loˈkɑːrno] beziehungsweise in der Umgebung Locarn, Lucarn, Lucârn, Lochèrn, Luchèrn [loˈkɑːrn, luˈkɑːrn, luˈkɔːrn, loˈkɛːrn, luˈkɛːrn][5]) ist eine politische Gemeinde im Kreis Locarno und Hauptort des Bezirks Locarno im Schweizer Kanton Tessin. Der frühere deutsche Name Luggárus lebt noch im Walserdeutsch der Gemeinde Bosco/Gurin in der Lautung Liggåårasch [lɪˈkɔːraʃ].[6] Die Stadt ist nach Lugano und Bellinzona die drittgrösste Stadt des Kantons Tessin.

Luftbild aus 800 m von Walter Mittelholzer (1919)
Panoramaansicht Locarnos
Schnelle Fakten Lage der Gemeinde ...
Locarno
Wappen von Locarno
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Tessin Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Locarnow
Kreis: Kreis Locarno
BFS-Nr.: 5113i1f3f4
Postleitzahl: 6600 Locarno
6600 Solduno
UN/LOCODE: CH LON
Koordinaten: 704765 / 114066
Höhe: 200 m ü. M.
Höhenbereich: 193–1476 m ü. M.[1]
Fläche: 18,91 km²[2]
Einwohner: i16'374 (31. Dezember 2024)[3]
Einwohnerdichte: 866 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
35,8 %
(31. Dezember 2024)[4]
Stadtpräsident: Nicola Pini (FDP)
Website: www.locarno.ch
Locarno
Locarno
Lage der Gemeinde
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Weitere Karten
Stadt Locarno
Stadt Locarno
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Kugelpanorama von Brè sopra Locarno, unten liegen Locarno und Ascona
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Geographie

Locarno liegt am Nordufer des Lago Maggiore und am Ostrand des Maggia-Deltas, wo es an Ascona, Losone, Terre di Pedemonte und Tenero-Contra grenzt. An den Hang oberhalb der Stadt schmiegt sich das Quartier Monti della SS. Trinità. Zum Territorium der Gemeinde gehört auch eine grosse, nicht mit dem Stadtgebiet zusammenhängende Fläche in der Magadinoebene, die Gerre di Sotto. Die Ortsteile von Locarno sind: Brè,[7] Cardada-Colmanicchio, Gerre di Sotto, Isola Martella, Monda di Contone, Ponte Brolla-Vattagne und Solduno.

In baulicher Hinsicht ist das Stadtgebiet von Locarno mit den selbständigen Gemeinden Muralto (vgl. Abschnitt Verkehr), Minusio und Orselina zusammengewachsen. Die Agglomeration Locarno, die sich bis in die italienische Provinz Verbano-Cusio-Ossola erstreckt, umfasst 63'104 Einwohner und ist damit die zweitgrösste Agglomeration des Kantons Tessin.[8]

Locarno gehört zusammen mit dem restlichen Südtessin und einem Teil der Provinz Como zur vom Bundesamt für Statistik festgelegten Metropolregion Tessin.

Klima

Locarno ist mit Lugano der wärmste Ort der Schweiz und gilt als die nördlichste Ortschaft mit mediterranem Klima an einem See. Die Messstation Locarno-Monti liegt in etwas erhöhter Lage auf 367 m ü. M. und verzeichnet für die Normalperiode 1991–2020 eine Jahresmitteltemperatur von 13,3 °C, wobei im Januar mit 3,9 °C die kältesten und im Juli mit 22,3 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Daher gedeihen in Locarno viele südländische Pflanzen wie Palmengewächse oder Zitronenbäume. Nicht zuletzt aufgrund des milden Klimas ist Locarno stark vom Tourismus geprägt.

Im Mittel sind hier rund 25 Frosttage und in zwei von drei Jahren ein Eistag zu erwarten. Sommertage gibt es im Jahresmittel rund 79, während normalerweise 15 bis 16 Hitzetage zu verzeichnen sind.

In der Magadinoebene bei Locarno wird erfolgreich Reis angepflanzt.[9]

Schnelle Fakten Klimadiagramm ...
Locarno
Klimadiagramm
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_ Temperatur (°C)   _ Niederschlag (mm)
Quelle: MeteoSchweiz, Normalperiode 1991–2020[10]
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Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Locarno
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Mittl. Temperatur (°C) 3,9 5,2 9,3 12,6 16,4 20,2 22,3 21,8 17,6 12,9 7,9 4,4 12,9
Mittl. Tagesmax. (°C) 7,3 9,4 14,0 17,5 21,1 25,1 27,5 26,9 22,1 16,7 11,2 7,6 17,2
Mittl. Tagesmin. (°C) 1,2 2,0 5,4 8,5 12,2 15,9 17,8 17,5 14,0 9,9 5,4 2,0 9,4
Niederschlag (mm) 70 65 95 166 190 187 163 212 203 210 208 89 Σ 1858
Sonnenstunden (h/d) 4,3 5,4 6,5 6,5 6,8 7,9 8,6 8,0 6,6 4,9 3,7 3,8 6,1
Regentage (d) 5,3 4,6 6,4 9,5 11,4 10,4 9,0 10,0 9,0 9,3 9,7 6,3 Σ 100,9
Luftfeuchtigkeit (%) 65 60 55 59 64 64 62 66 70 75 72 67 64,9
Quelle: MeteoSchweiz, Normalperiode 1991–2020[11]

Ortsname

Die ersten Erwähnungen der Stadt erfolgten 751–760 (Abschrift des 17. Jahrhunderts) als ad Lucarne und 807 als locus Leocarni. Die Deutung des Namens ist unsicher. Eine Herleitung von keltisch leucos, leuca «weiss, hell, leuchtend», wie sie verschiedentlich vorgeschlagen wurde, scheitert aus lautlichen Gründen, da intervokalisches keltisches und lateinisches /k/ in den späteren norditalienischen Varietäten zu /g/ wurde (vgl. den Ortsnamen Lugano) oder schwand. Barbara Meroni schlägt deshalb im Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen (2005) vor, von einem geminierten keltischen *leuccos, leuccā «hell, leuchtend» auszugehen. Ein der heutigen Namenform zugrunde liegendes *leukkarni würde damit «die Anrainer des Flusses *leukkarā (‹die Funkelnde, Leuchtende›)» bedeuten.[5]

Geschichte

Frühzeit

Der Ort, wo heute Locarno liegt, war schon in der jüngeren Bronzezeit (circa 14. Jahrhundert v. Chr.) besiedelt, wie man dank einer 1934 entdeckten Nekropole weiss. Spätere Besiedlungen lassen sich aufgrund von Nekropolen der Latène- und der Römerzeit nachweisen.[12]

Mittelalter

866 wird ein königlicher Hof urkundlich genannt. Friedrich I. (HRR) gewährte Locarno 1164 ein neues Marktrecht und 1186 die Reichsunmittelbarkeit. Kurz nach 1200 gründeten die Bürger eine Korporation, um ein Gegengewicht gegen die Adligen zu bilden. Die Corporazione Borghese di Locarno[13] und die Corporazione dei Nobili di Locarno[14] existieren bis heute und nehmen Aufgaben war, die andernorts im Tessin die Bürgergemeinden übernehmen. 1342 eroberten die Visconti die Stadt,[15] die sie von 1439 bis 1503 den Rusca als Lehen vergaben.

Die Eidgenossen eroberten die Stadt 1503, erhielten das Schloss allerdings erst 1513 aus der Hand des französischen Königs Ludwig XII. Ein Landvogt der Zwölf Orte übte fortan die Zivil- und Strafgerichtsbarkeit aus. Regiert wurde die Stadt von den drei Korporationen des Adels (Capitanei dei Nobili), des Bürgertums (Borghesi) und neu auch der Landsassen (Terrieri), die im Landschaftsrat (Magnifico Consiglio) zusammentraten.[16]

Reformation und Gegenreformation

Die Reformation fasste nach 1530 auch in Locarno Fuss. Der Karmelit Balthasar Fontana bat 1531 in Zürich um reformatorische Schriften und studierte zusammen mit weiteren Brüdern die Bibel.[17] Ab 1539 waren der Priester und Lehrer der Lateinschule im Kloster San Francesco Giovanni Beccaria, der Arzt Taddeo Duno und der Jurist Martino Muralto die führenden Köpfe der wachsenden Reformationsbewegung. 1542 bis 1544 unterstützte der damalige evangelische Glarner Landvogt Joachim Bäldi die reformatorischen Kräfte.[18] Erst 1547 kam es zum Bruch mit der katholischen Kirche, und eine eigenständige evangelische Gemeinde entstand, die sich aber in Privathäusern traf. Ein Glaubensgespräch 1549 unter dem Vorsitz des katholischen Landvogts Nikolaus Wirz führte zu keiner Einigung, sondern zum Gesprächsabbruch, zur kurzzeitigen Gefangennahme und Ausweisung Beccarias, der nach Roveredo und Mesocco im bündnerischen Misox flüchtete. 1555 mussten die Reformierten ihren neuen evangelischen Glauben aufgeben oder Locarno verlassen. 170 Personen, etwa die Hälfte der evangelischen Bevölkerung, entschlossen sich zur Ausreise und zogen durchs Bündnerland nach Zürich, wo sie schliesslich Aufnahme fanden. Nach anfänglichen Schwierigkeiten bei der Integration waren sie in der Folge in Textilhandel und -produktion tätig und trugen durch ihre Kenntnisse und Beziehungen zum wirtschaftlichen Aufschwung bei.[19]

Durch die Vertreibung der Evangelischen, Verdächtigungen und Groll blieb Locarno zerrissen, es wurde kleiner und ärmer. 1584 suchte zudem die Pest die Stadt heim und dezimierte deren Bevölkerung so stark, dass nur 700 Bewohner der ursprünglich 4800 Personen übrig blieben.[20]

Neuzeit

Nach dem Zusammenbruch des Ancien Régime kam Locarno 1798 zum neu geschaffenen helvetischen Kanton Lugano. Es gehört seit 1803 dem zur Mediationszeit neugeschaffenen Kanton Tessin an, dessen Hauptstadt es turnusgemäss 1821–1827, 1839–1845, 1857–1863 und 1875–1881 war. In den 1870er-Jahren, als die Verkehrsverbindungen sowohl nach Norden wie nach Süden besser wurden, begannen sich in der Region Locarno die Hotellerie und der Tourismus zu entwickeln, die bis heute das wirtschaftliche Rückgrat der Stadt bilden. Das Filmfestival von Locarno fand erstmals 1946 statt.

Am 16. Oktober 1925 wurden die Verträge von Locarno zwischen Deutschland, Belgien, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Polen und der Tschechoslowakei geschlossen, die den völkerrechtlichen Status Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg neu regelten (→ Zwischenkriegszeit).

1928 fusionierte die bis dahin selbständige Gemeinde Solduno mit der Stadt Locarno.[21]

Locarno sprach sich in einer konsultativen Volksabstimmung am 25. September 2011 mit 3503 zu 552 Stimmen für eine Fusion mit den Gemeinden Muralto, Minusio, Orselina, Brione sopra Minusio, Mergoscia und Tenero-Contra aus. Weil neben Locarno nur Mergoscia zustimmte und alle anderen Gemeinden die Fusion ablehnten, beschloss das Tessiner Kantonsparlament, das Projekt nicht weiterzuverfolgen.[22]

Am 10. Februar 2017 wurde Locarno als 81. Stadt der Ehrentitel «Reformationsstadt Europas» durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.[23][24]

Bevölkerung

Einwohnerzahlen: Volkszählungsdaten[25][26]

Eingemeindung: 1928 Solduno

Im Jahr 2000 sprachen 11'153 Personen Italienisch, 1'528 Deutsch und 1'880 eine andere Sprache. 10'179 waren römisch-katholisch (Bistum Lugano), 1'072 protestantisch (Chiesa evangelica riformata nel Ticino), und 3'310 gehörten einer anderen oder keiner Religion an. 9'430 Personen waren Schweizer, 5'131 Ausländer, was einem Ausländeranteil von 32,5 % entspricht.[26]

Politik

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1
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13
7
3 8 1 8 13 7 
Insgesamt 40 Sitze

Die Legislative der Stadt Locarno ist der Consiglio comunale (Gemeindeparlament), der 40 Sitze umfasst. Die Grafik rechts zeigt seine Zusammensetzung nach den Gemeindewahlen vom 14. April 2024.[27]

Die Exekutive bildet der siebenköpfige Municipio (Gemeinderat). Nach den Wahlen von 2024 setzt er sich wie folgt zusammen: 3 Partito Liberale Radicale (FDP), 2 Il Centro (Die Mitte), 1 Sinistra unita (Vereinigte Linke, SP und andere), 1 Lega–UDC (Lega–SVP).[27] Dem Municipio steht seit 2024 als Sindaco (Stadtpräsident) Nicola Pini (* 1984) (FDP) vor.[28]

Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Locarno: FDP 19,1 %, Mitte 18,8 %. SP 16,5 %, SVP 12,4 %, Grüne 11,2 %, Lega 11,1 %, glp 1,1 %, übrige 9,8 %.[29]

Verkehr

Bahnhof Locarno
Schiffsanlegestelle

Schienenverkehr

Locarno ist Endpunkt zweier Eisenbahnstrecken. Diese enden jedoch nicht in Locarno, sondern in der Nachbargemeinde Muralto, wo der Bahnhof Locarno steht. Die normalspurige SBB-Strecke von Bellinzona erreicht den oberirdischen Kopfbahnhof von Osten her und tangiert Locarnos Zentrum nicht. Allerdings befindet sich die Haltestelle Riazzino auf dem Gebiet der zu Locarno gehörenden Enklave in der Magadinoebene. Die schmalspurige Centovallibahn (FART/SSIF) aus Domodossola erreicht ihren Endpunkt aus Richtung Westen. Sie durchfährt Locarno seit 1990 nicht mehr, sondern wird über eine Tunnelstrecke zum unterirdischen Kopfbahnhof geführt. Dieser liegt innerhalb des SBB-Areals in Muralto nördlich der SBB-Anlagen, wo bis 1990 die Anlagen der FART standen. Mit San Antonio, Solduno, San Martino und Ponte Brolla bedient die FART vier Stationen auf Locarneser Gebiet.

Am westlichen Gleis- und Bahnsteigende des Kopfbahnhofs Locarno, noch in Muralto, befindet sich auch der Ausgangspunkt von FART-Autobuslinien und der Postautokurse, welche die Nebentäler bedienen. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite der Via Stazione überquert man links am Ende der Kolonnaden die Gemeindegrenze zwischen Muralto und Locarno, die durch den Bach Ramogna getrennt sind. Die Talstation des Funicolare, der Standseilbahn FLSM zur Madonna del Sasso und nach Muralto Belvedere und Orselina ist gleich hinter dem Bach in Locarno, wo die Via Stazione zur Viale Francesco Balli wird.

Von 1908 bis 1960 fuhr ein Tram von San Antonio (seit 1932 von Solduno) über die Piazza Castello und die Piazza Grande durch die enge Via alla Ramogna zum Bahnhof und weiter nach Minusio (ab 1914 bis zur Endstation Esplanade). Auf der Piazza Grande ist ein kurzes Stück der Tramgeleise erhalten geblieben.[30]

Vor dem Ersten Weltkrieg war geplant, die Bahnstrecke von Bellinzona nach Locarno am rechtsseitigen Ufer des Lago Maggiore nach Italien weiterzuführen. Schon damals hätte ein Tunnel vom bisherigen Endbahnhof zu einer neuen Station Locarno im Westen der Stadt und ein weiterer Tunnel unter dem Monte Verità zum Seeufer gebaut werden sollen. Wie der Bundesrat in seiner Botschaft an die Bundesversammlung für die Erteilung der Konzession für diese Linie ausführte, hätte der Linie grosse Bedeutung für den Verkehr vom Gotthard nach dem Piemont und der Riviera zukommen sollen.[31] Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges vereitelte die Realisierung des Projekts.[32]

Strassen

Um den Durchgangsverkehr auf der Strasse aus der Innenstadt zu verbannen, wurde Anfang der 1990er-Jahre der 5,5 Kilometer lange Strassentunnel Mappo-Morettina unter Locarno hindurch gebaut.

Schiffverkehr

Die Società Navigazione del Lago di Lugano betreibt den Verkehr zwischen den schweizerischen Ortschaften am Lago Maggiore.[33] Den internationalen Schiffverkehr zwischen der Schweiz und Italien betreibt die für die vier oberitalienischen Seen zuständige italienische Schifffahrtsgesellschaft Navigazione Laghi.[34]

Flugverkehr

Sechs Kilometer östlich von Locarno liegt der Aeroporto cantonale di Locarno sowie das Flugplatzkommando Locarno der Schweizer Luftwaffe.

Bildung und Forschung

Die Gemeinde Locarno verfügt über fünf Kindergärten, vier Primarschulen, zwei Sekundarschulen (scuole medie), ein Gymnasium (liceo) und drei Berufsbildungszentren (centri professionali).[35]

1992 wurde die Filmakademie CISA gegründet.[36]

An der Piazza San Francesco befindet sich das Departement für Bildung und Ausbildung (SUPSI) der Fachhochschule der italienischen Schweiz, wo unter anderem Lehrpersonen aus- und weitergebildet werden.[37]

Das Institut für Sonnenforschung Locarno (IRSOL) ist seit 2015 der Università della Svizzera italiana angegliedert.[38]

Sehenswürdigkeiten

Das Stadtbild ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als schützenswertes Ortsbild der Schweiz von nationaler Bedeutung eingestuft.[39]

Piazza Grande

Madonna del Sasso, Cardada und Cimetta

Das Sanktuarium Madonna del Sasso[40.1] in Orselina oberhalb der Stadt ist die Hauptsehenswürdigkeit Locarnos und zugleich der beliebteste Wallfahrtsort der italienischsprachigen Schweiz. Die Gründung geht auf eine Muttergotteserscheinung zurück, die der Franziskanerbruder Bartolomeo d’Ivrea in der Nacht vom 14. auf den 15. August 1480 hatte. Die Wallfahrtskirche ist bekannt wegen ihrer bedeutenden Ausstattung. Ausserdem gibt es hier eine Aussichtsplattform.

Von Orselina aus führt eine Luftseilbahn auf die Cardada (1340 m ü. M.), und von deren Bergstation führt eine weitere Sesselbahn auf die Cimetta (1670 m ü. M.).

«Piazza Grande»

Castello Visconteo
Altstadtgasse Via Panigari
Kakteengarten in der Nähe des Seeufers

Das Zentrum der Stadt ist die langgezogene, gepflasterte Piazza Grande.[40.2][21] Hier finden zahlreiche Open-Air-Konzerte statt: seit 2004 im Juli jeweils das Musikfestival Moon and Stars und im August das Locarno Festival, eines der wichtigsten Filmfestivals weltweit. An der Piazza Grande finden sich viele Restaurants, Cafés und Geschäfte. Sämtliche Gassen der Altstadt streben auf den seit Juni 2007 autofreien Platz zu.[41] Das 1996 «rigoros ins historische Stadtbild eingepflanzte Gebäude» der Post dominiert den Südosten des Platzes; die Ästhetik des vom Architekten Livio Vacchini projektierten Baus ist umstritten.[42]

«Castello Visconteo»

Das Castello Visconteo am Rande der Altstadt entstand ab dem 12. Jahrhundert, vermutlich als Wohnsitz der kaisertreuen Capitanei Orelli;[21] 1260 fiel es in die Hände der Ghibellinen[43] 1342 nahmen die Visconti von Mailand die Burg ein; 1439 ging sie an die Rusca über. In eidgenössischen Besitz gelangte sie erstmals 1503, endgültig 1516. Heute ist nur noch etwa ein Drittel der ursprünglichen Burg erhalten. Der Grossteil der erhaltenen Strukturen geht auf die Bautätigkeit der Visconti und Rusca zurück und stammt damit aus dem 14. und 15. Jahrhundert, wobei das heutige Aussehen einer rekonstruierenden Renovation von 1921 bis 1928 zu verdanken ist.[44][40.3]

Die neben der Burg liegenden Reste der Verteidigungsbastion Rivellino wurden möglicherweise von Leonardo da Vinci projektiert.[45][44]

Im Castello Visconteo ist das städtische Museum mit seiner archäologischen Sammlung untergebracht.[46]

Kirchen

Die Pfarrkirche Sant’Antonio abate ist ein grosser, einschiffiger Bau; der heutige stammt von 1664.[47] Die Kirche Maria Assunta oder Chiesa Nuova von 1636 enthält eine der bedeutendsten Stuckdekorationen des Barocks im Tessin.[48] Die an das ehemalige Franziskanerkloster angebaute Kirche San Francesco ist eine dreischiffige Basilika und stellt ein eindrucksvolles Beispiel der Bettelordensarchitektur dar.[49] Die Kirche Santa Caterina wurde im 17. Jahrhundert nahezu neu gebaut und weist raffinierte Stuckaturen des 18. Jahrhunderts auf.[50] Die Kirche Santi Rocco e Sebastiano war früher Sitz der Kapuziner und wurde 1604 geweiht.[51]

Häuser

Zahlreiche grosse Häuser erinnern an die aristokratischen Geschlechter Locarnos. Die Casa Rusca ist ein Palazzo aus dem 18. Jahrhundert mit einem Innenhof mit Loggia. Der Palazzo Rusca-Bellerio stammt in seiner heutigen Form aus dem 16. bis 18. Jahrhundert und weist im Obergeschoss ornamentale Dekorationsmalerei auf. Die Casa dei Canonici aus dem 16. und 17. Jahrhundert hat eine Strassenfassade mit Stuckaturen. Die Casorella ist ein imposanter Herrschaftsbau aus dem späten 16. Jahrhundert, in den mittelalterliche Mauerteile des Castello Visconteo einbezogen sind. Der Palazzo Franzoni präsentiert sich als eleganter Barockbau des 17. Jahrhunderts. Die Casa dei Negromanti ist ein grosses Baugeviert mittelalterlichen Ursprungs und hat ihren Namen von dem im 18. Jahrhundert hier wohnhaft gewesenen Giovan Battista Orelli, genannt il Negromante («der Zauberer»). Das im Eingangsbereich angebrachte, in der Mitte des 16. Jahrhunderts gemalte Schweizerkreuz ist eine der ältesten Darstellungen des Schweizer Wappens.[47]

Als Zeuge des aufblühenden Tourismus der Belle Époque in den Jahrzehnten vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges ist das 1876 eröffnete Grand Hôtel Locarno erhalten geblieben. Es liegt auf dem Gemeindegebiet von Muralto unmittelbar an der Gemeindegrenze zu Locarno. Das Hotel wurde 2005 geschlossen und verfiel in der Folge zusehends. Es soll nach einer Gesamtüberholung 2027 wieder eröffnet werden.[52][53]

Denkmäler

Marcacci-Denkmal mit Pfarrkirche Sant'Antonio abate im Hintergrund
  • Das Grabdenkmal für Giovanni Orelli an der Piazza San Francesco stammt aus dem 14. Jahrhundert und gehört zu den bedeutendsten erhaltenen Vertretern des Sarkophagtyps monumentaler Arce im ursprünglich lombardischen Raum.
  • Das von Alessandro Rossi geschaffene Marcacci-Denkmal (1856) auf der Piazza Sant’Antonio ist das älteste moderne Personendenkmal des Kantons Tessin. Es erinnert an den Grosskonsul und Wohltäter Giovanni Antonio Marcacci.
  • Das von Antonio Soldini geschaffene Mordasini-Denkmal (1889) stand ursprünglich auf der Piazza Grande und wurde 1934 zum Bosco Isolino transferiert. Es gedenkt des liberalen Politikers und Journalisten Augusto Mordasini.
  • Das von Antonio Chiattone geschaffene Pioda-Denkmal wurde 1897 zu Ehren des liberalen Bundesrats Giovanni Battista Pioda errichtet. Der damals konservativ dominierte Gemeinderat untersagte seine Aufstellung im öffentlichen Raum, weswegen es zunächst im privaten Garten der Casa Pioda stand. 1951 wurde es zur Piazza San Francesco versetzt.
  • Der Pedrazzinibrunnen wurde 1925 zum Gedenken an den Locarner Bürgermeister und Unternehmer Giovanni Pedrazzini im Quartiere Nuovo eingeweiht. Er wurde von Ferdinando Bernasconi und Giacomo Alberti entworfen. Die Bronzeplastiken sind Werke Fiorenzo Abbondios.
  • 2016 wurde im Parco della Pace ein Denkmal zur Erinnerung an den Völkermord an den syrischen Christen im Osmanischen Reich errichtet.[54]

Kultur

Veranstaltungen

Piazza Grande, Locarno Film Festival 2025
  • Locarno Film Festival: Das Festival findet seit 1946 jedes Jahr im August statt.[55] Der beste Spielfilm im offiziellen Wettbewerb wird mit dem Goldenen Leoparden (italienisch Pardo d’Oro) prämiert. Es ist das kleinste der grossen Filmkunstfestivals mit Weltbedeutung (A-Festival).[56]
  • Moon and Stars: Die Konzertreihe auf der Piazza Grande bietet jährlich im Juli Auftritte von Künstlerinnen und Künstlern der internationalen Pop- und Rockmusik.[57]
  • Amici dell'organo del Locarnese: Internationales Orgelfestival in der Region mit Konzerten und Matinéen im Frühling und Herbst[58]
  • Locarno Folk[59]
  • Locarno on Ice[60]

Museen

Die kulturellen Dienste der Stadt Locarno verwalten drei Museen:[61]

  • Das Museo Castello ist im Castello Visconteo untergebracht. Es zeigt die städtischen archäologischen Sammlungen und informiert über die Geschichte der Burg und der Stadt, unter anderem über die Reformation im 16. Jahrhundert und die Friedenskonferenz von 1925.[62]
  • Das angrenzende Museo Casorella beherbergt die städtische Kunstsammlung, die rund 4500 Werke, unter anderem von Jean Arp und Filippo Franzoni, umfasst.[63]
  • Das Museo Casa Rusca wird für wechselnde Kunstausstellungen genutzt.[64]

Daneben unterhalten private Stiftungen folgende Museen:

  • Die Ghisla Art Collection wurde 2014 gegründet und zeigt in einem futuristischen Gebäude die Kunstsammlung des Ehepaars Pierino und Martine Ghisla. Diese umfasst Werke der Pop Art, des Informel, der Konzeptkunst, der Abstrakten Kunst und des New Dada.[65]
  • Die Fondazione Marguerite Arp hat ihren Sitz in der Fraktion Solduno und verwaltet den Nachlass von Marguerite Arp, der zweiten Ehefrau von Jean Arp. In einem 2014 errichteten Betonbau ist ein Teil der über 2100 Werke umfassenden Sammlung ausgestellt. Ebenfalls kann das Wohn- und Atelierhaus des Ehepaars besichtigt werden.[66]
  • Das von der Fondazione Remo Rossi betriebene Museo Remo Rossi zeigt Werke des Bildhauers Remo Rossi. Der Eintritt ist frei.[67]

Bibliotheken und Archive

  • Die 1989 eröffnete Kantonsbibliothek (Biblioteca cantonale Locarno) ist eine von vier öffentlichen Bibliotheken des Kantons Tessin. Sie ist insbesondere auf Philosophie, Musik und Film spezialisiert.[68]
  • Das Stadtarchiv (Archivio della Città di Locarno) bewahrt das Gemeindearchiv mit Dokumenten, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, sowie private Archive auf.[69]
  • Im «Rivellino» des Castello Visconteo ist das Archiv des Fotografen Ivan Bianchi (1811–1893) aufbewahrt.[70]
  • Die 1954 gegründete Locarner Historische Gesellschaft (Società Storica Locarnese) fördert die Erforschung der Geschichte und Kunst der Bezirke Locarno und Vallemaggia. Sie organisiert regelmässig kulturelle Veranstaltungen, gibt eine eigene Zeitschrift heraus und unterhält eine Bibliothek sowie ein Archiv.[71][72]

Weitere Institutionen

  • Das Stadttheater Teatro di Locarno wurde 1902 eingeweiht.[73][74][75]
  • Die Ticino Film Commission mit Sitz beim Palazzo Marcacci (Gemeindehaus) ist ein Kompetenz- und Förderzentrum für Film- und audiovisuelle Produktionen in der italienischsprachigen Schweiz.[76]

Sport

Der erfolgreichste Fussballverein der Stadt ist der FC Locarno,[77] der in den 1930er Jahren, zwischen 1945 und 1953 und zuletzt in der Saison 1986/87 in der höchsten Schweizer Liga spielte. In der ewigen Tabelle der zweithöchsten Fussball-Liga der Schweiz rangiert er auf dem zehnten Platz. Zurzeit spielt er in der 2. Liga interregional. Seine Heimspiele trägt er im etwa 5000 Plätze fassenden Stadio Lido aus.

Ebenfalls in Locarno beheimatet sind die Amateurvereine FC Aramaici-Suryoye,[78] FC Makedonija Locarno 1993[79] und AS Portoghesi Ticino.[80]

Wichtige Sportveranstaltungen sind der Triathlon Locarno[81] und der Ascona-Locarno Run.[82]

Tourismus

Die Region Ascona-Locarno ist neben Lugano der touristische Hotspot des Kantons Tessin. Allein die Stadt Locarno verzeichnete im Jahr 2025 314'193 Logiernächte.[83]

Städtepartnerschaften

Locarno unterhält Partnerschaften mit folgenden Städten:[85]

  • Belgien Brügge, Belgien, seit 1954
  • FrankreichFrankreich Nizza, Frankreich, seit 1954
  • DeutschlandDeutschland Nürnberg, Deutschland, seit 1954
  • ItalienItalien Venedig, Italien, seit 1954
  • ItalienItalien Montecatini, Italien, seit 1964
  • Tschechien Karlovy Vary, Tschechische Republik, seit 1965
  • Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Lompoc, Kalifornien, USA, seit 1972
  • ItalienItalien Urbino, Italien, seit 1976/78
  • Schweiz Vevey, Schweiz, seit 1981/83
  • Georgien Gagra, Georgien, seit 1987

Persönlichkeiten

In Locarno lässt Heinrich von Kleist seine Novelle Das Bettelweib von Locarno spielen.

Literatur

Geschichte

  • Dalmazio Ambrosioni: Locarno città del cinema, i 50 anni del Festival internazionale del film. Armando Dadò Editore, Locarno 1998.
  • Maria Pia Fantini: L’esilio della Communità riformata di Locarno e il suo esilio a Zurigo nel XVI secolo. In: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte = Revue suisse d’histoire = Rivista storica svizzera. Band (Jahr) 56 (2006), Heft 4, doi:10.5169/seals-1693#667.
  • Rodolfo Huber: Locarno (Pieve, Vogtei, Bezirk). In: Historisches Lexikon der Schweiz. 18. November 2014.
  • Rodolfo Huber: Valicare il Gottardo con le navi: i progetti dell’idrovia Locarno-Venezia all’inizio del XX secolo. In: Bollettino della Società Storica Locarnese. Nr. 5, Tipografia Pedrazzini, Locarno 2002, S. 39–48; Idem: Gli archivi dei Muralto, degli Orelli e della Corporazione dei Nobili di Locarno. In: Idem. Nr. 8, Tipografia Pedrazzini, Locarno 2005, ISSN 2038-5935, S. 49–58.
  • Rosanna Janke, Rodolfo Huber: Locarno (Gemeinde). In: Historisches Lexikon der Schweiz. 20. Dezember 2022.
  • Gisela und Mario Pedrazzini: Sfogliando vecchie carte. Locarno nella corrispondenza dei Pedrazzini. In: Bollettino della Società Storica Locarnese. Nr. 6. Tipografia Pedrazzini, Locarno 2003, OCLC 636082188, S. 103–112.
  • Diego Scacchi: 1855: sangue a Locarno. In: Bollettino della Società Storica Locarnese. Nr. 7, OCLC 732467685. Tipografia Pedrazzini, Locarno 2004, S. 51–66.
  • Celestino Trezzini: Locarno. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 4: Güttingen – Mailand. Attinger, Neuenburg 1927, S. 693–696 (unibe.ch [PDF; 27,1 MB]).
  • Gottardo Wielich: Das Locarnese im Altertum und Mittelalter. Ein Beitrag zur Geschichte des Kantons Tessin. Francke Verlag, Bern 1970, OCLC 190131 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • verschiedene Autoren: La Conferenza di Locarno del 1925. «Locarno: c’est la nécessité de discuter.» Atti del Convegno in occasione del settantesimo anniversario. Archivio storico ticinese, Bellinzona 1997, ISBN 88-7714-084-4.

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