Karl O. Christe

deutscher anorganischer Chemiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Karl Otto Christe (* 24. Juli 1936 in Ulm; † 19. April 2026 in Kalifornien)[1] war ein deutscher anorganischer Chemiker. Er war von 1994 bis 2024 Professor für Anorganische Chemie an der University of Southern California.

Karl O. Christe, 2017

Leben

Christe studierte ab 1957 Chemie an der Universität Stuttgart. Die Diplomarbeit (1960) und seine Promotion (1961) fertigte er bei Josef Goubeau an.[2] 1962 wanderte Christe in die USA aus und siedelte sich in Kalifornien an. Nach einer Tätigkeit als Senior Research Chemist bei der Stauffer Chemical Co. in Richmond trat er 1967 bei der Rocketdyne Division von Rockwell International ein. Ab 1979 übernahm er dort die Funktion des Forschungsleiters, die er bis 1994 innehatte. Von 1994 bis 2005 war Christe auch Senior Staff Advisor für das Air Force Research Laboratory (AFRL) auf der Edwards Air Force Base. Er war seit 1994 als Professor an der University of Southern California am Loker Research Institute tätig und wurde 2024 emeritiert.

Christe war verwitwet und hatte drei Kinder. Er war Fechter und war sowohl für die deutsche als auch amerikanische Nationalmannschaft aktiv.

Forschung

Christe beschäftigte sich seit den 1960er-Jahren mit der Synthese neuer Stickstoff-, Halogenfluoride und Halogenoxidfluoride sowie deren Ionen, beispielsweise die Ionen NF4+ und ClF6+. Pünktlich zum 100. Geburtstag der erstmaligen Darstellung des Fluors durch Henri Moissan konnte Christe 1986 über die erste vollständig chemische Synthese von Fluor berichten. Weiterhin arbeitet Christe an homoleptischen Stickstoffverbindungen. In diesem Zusammenhang gelang ihm so die Synthese des gewinkelten Pentazeniums, N5+ sowie der erstmalige experimentelle Nachweis des cyclischen Pentazolats, N5, beides wichtige Meilensteine auf dem Weg zu höhermolekularen Polystickstoffverbindungen. In den 1990er-Jahren schlug Christe als erster die Verwendung ionischer Flüssigkeiten als Energieträger in zivilen und militärischen Antrieben vor. In den letzten Jahren arbeitete Christe an der Entwicklung von Oxidationsmitteln als Ersatz für das von der Environmental Protection Agency (EPA) geächtete Ammoniumperchlorat.

Christe war Autor von 540 Publikationen in begutachteten Zeitschriften und hatte über 60 Patente.

Preise und Auszeichnungen (Auswahl)

Veröffentlichungen (Auswahl)

Einzelnachweise

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