Karl Paetow
deutscher Volkskundler und Schriftsteller
From Wikipedia, the free encyclopedia
Karl Paetow (* 19. März 1903 in Fürstenwalde; † 23. Oktober 1992 in Bad Oeynhausen) war ein deutscher Volkskundler, Schriftsteller und Museumsdirektor. Er war unter anderem Leiter des Deutschen Tabak- und Zigarrenmuseums und des Kreismuseums Bünde und Stifter des Deutschen Märchen- und Wesersagenmuseums Bad Oeynhausen und im Zweiten Weltkrieg am Kunstraub beteiligt.
Leben
Karl Paetow wurde als Sohn von Lina Paetow, geborener Strate, und des Uhrmachers Carl Paetow in Fürstenwalde/Spree geboren. Nachdem er sein Abitur an der Oberrealschule in Kassel erlangt hatte, studierte er Germanistik, Kunstgeschichte und Volkskunde in Göttingen, Frankfurt am Main, München, Köln, Bonn und Berlin. 1928 erwarb er mit der Dissertation zum Thema Klassizismus und Romantik auf Wilhelmshöhe den Doktorgrad der Philosophie in Leipzig. Anschließend begann er eine Lehre am Hessischen Landesmuseum in Kassel und assistierte am Museum am Augustplatz in Leipzig. 1930 wurde er Museumsleiter in Stolp (Pommern). Von 1935 bis 1945 arbeitete er als wissenschaftlicher Angestellter bei der Stadtverwaltung von Kassel.

Zum 1. Mai 1933 trat Karl Paetow der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 3.217.266).[1] Paetow war evangelisch. Aus seiner Korrespondenz mit Hans Grimm, einem von Hitlers Lieblingsautoren, den er bewunderte, wird klar, dass Paetow zumindest in den 1930er und 1940er Jahren rassistischen und antisemitischen Ideen anhing.[2] Nachdem er während des Krieges an der Ostfront verwundet worden war, wurde er nach Paris versetzt und arbeitete für den ERR. Dort war er für eine Reihe von Kunstrauben bei jüdischen Eigentümern und Kunstsammlungen in Frankreich und Belgien verantwortlich, die im Gebäude der heutigen Galerie nationale du Jeu de Paume in Paris gesammelt wurden.[3][4] Später wurde er in Rosenbergs „Amt für Volkskunde“ versetzt.[5] Rose Valland beschrieb ihn als eine „gefährliche Person und einen typischen Nazi“, dessen Aufgabe die Inventur und Beschlagnahme jüdischer Haushalte in Paris war.[5] In einigen Listen aus der Nachkriegszeit wird er als „Dr. Petof“ aufgeführt.
Die Kontakte nach Bünde knüpfte er über Friedrich Langewiesche, den er im Krieg kennengelernt hatte.[2] Von 1951 bis 1968 war Karl Paetow Leiter des Heimat- und Tabakmuseums in Bünde. Nach seiner Pensionierung gründete und stiftete er 1973 das Deutsche Märchen- und Wesersagenmuseum in Bad Oeynhausen, dem er anschließend als Direktor noch neun Jahre vorstand. Nach der Auflassung seines Grabes wurde der Grabstein in den Vorgarten des Museums als Gedenkstein verbracht, von dort aber nach zunehmender öffentlicher Diskussion über Paetows Wirken in der NS-Zeit 2023 wieder entfernt.[6] Laut einem Beschluss des Kulturausschusses der Stadt Bad Oeynhausen werde künftig am und im Museum über die Vergangenheit des Gründers kritisch informiert.[7]
Er schrieb eine Fülle von Büchern mit dem Schwerpunkt Sagen und Märchen, die vor allem im Weserbergland angesiedelt sind. Er war in seiner Jugend Wandervogel-Mitglied, sein Denken und Wirken blieb romantisch bestimmt. Bei der Neugründung der Schriftstellervereinigung Die Kogge 1953 wurde er dort Mitglied, erhielt 1967 deren Sonderpreis und 1981 das Bundesverdienstkreuz am Bande. 1965 war er für den Deutschen Jugendbuchpreis vorgeschlagen worden.
Karl Paetow war verheiratet mit Charlotte Paetow, geborener Pasche, die 1962 starb und mit der er den Sohn Eckhard hatte, und in zweiter Ehe mit Eva Paetow, geborener Müller.
Literatur
- Paetow, Karl. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 926.
- Miriam Cockx-Stühl: Das Akteursnetzwerk des Einsatzstabs Reichsleiter Rosenberg. Der Fall Karl Paetow. In: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste (Hrsg.): Gespaltene Biografien. Sandstein, Dresden 2025 (Provenienz & Forschung; 2025), ISBN 978-3-95498-901-0, S. 34–41 (online: https://doi.org/10.25360/01-2025-00067).
Schriften (Auswahl)
- Klassizismus und Romantik auf Wilhelmshöhe. Kassel 1929.
- Walter Schliephacke, ein deutscher Maler. 1938.
- Bildchronik der Stadt Kassel. 1938.
- Weihnachtsmann, sieh mich an. Bilderbuch. 1949.
- Frau Holle. Märchen und Sagen. 1952.
- Bünde im Widukindsland. 1953.
- Frau Holles Weg in deine Seele. Märchen, Sagen, Begebnisse. 1955.
- Die Wittekindsage. 1960; 4. Auflage Hameln 1994.
- Die schönsten Wesersagen an der Märchenstraße von Kassel bis Bremen. 1962; 6. Auflage Hameln 2004.
- Das große Buch vom Rübezahl. 1965; 3. Auflage Husum 1993.
- Weihnachtsgeschichten aus über 100 Jahren. 1967.
- Das Goldene Auto. Liederreise ins Weserland. 1979.
- Bünde. Meine kleine Stadt erzählt. 1982.
- Weihnachtsgeschichten aus über tausend Jahren. Hameln 1994.