Karl Prestele
deutscher Komponist, Pianist, Organist und Dirigent
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Karl Prestele (* 3. Oktober 1901 in München; † November 1992 in Eberfingen) war ein Komponist, Pianist, Organist, Dirigent und Lehrer.

Leben
Geboren als Sohn eines Baumeisters und Architekten, besuchte Karl Prestele das humanistische Wilhelms-Gymnasium in München. 1920–23 Studium der Theatergeschichte in München, danach Musiktheorie und Klavier an der Musikhochschule Köln bei Walter Braunfels, Satztechnik und Dirigieren wieder in München bei Hermann Wolfgang von Waltershausen, daneben Cembalo, Cello, Orgel, Horn, Waldhorn (er musizierte als Hornist im Orchester unter Arturo Toscanini), und Oboe. Privatunterricht zusammen mit Rudolf Moralt bei Richard Strauss in Garmisch. Korrepetitor von Chor und Gesangssolisten, zeitweise als Kapellmeister an der Bayerischen Staatsoper in München. Bekanntschaft mit Karl Elmendorff, Karl Böhm, Bruno Walter, Freundschaft mit dem Dirigenten Hans Knappertsbusch. 1941–45 Kriegsdienst in Russland und Italien. Seine erste Frau verstarb 1943 bei dem Luftangriff auf Darmstadt. Er lebte nach dem II. Weltkrieg in Wasserburg am Bodensee und ab 1972 in Eberfingen mit seiner Tochter Isabel. In den 1950er Jahren Mitaufbau der neugegründeten Musikschule Lindau und dort Klavier- und Theorielehrer (Klavierlehrer von Martin Walser und dessen Frau Katharina Neuner-Jehle), Gründung eines Klaviertrios mit der Literaturwissenschaftlerin und Cellistin Erika Wentzlaff-Eggebert, sowie Arbeit als Organist, Chorleiter (Kirchenchor Lindau-Aeschach). Seine zweite Frau verstarb 1964.[1]
Werke
Karl Presteles Frühwerk verbrannte durch Kriegseinwirkung. Sein erhaltenes Œuvre umfasst Werke für Klavier, Orgel (z. B. Toccata, Choralfantasie über „Wachet auf ruft uns die Stimme“) Orchester (z. B. "Sancho Pansa", 1931, Suite für Orchester in 5 Sätzen), Chor, Oper ("Der Komödiant", 1933–48; "Alte Landsknechte",1940, eine Münchausen-Legende, aufgeführt mit dem Dresdener Kreuzchor unter Rudolf Mauersberger, „Schattenspiele“, nach der Moritat Schneiders Höllenfahrt und Puppenspielen von Franz von Pocci (1807–1876) und Heinrich Hoffmann (1809–1894) für Sopran, Tenor, Chor, Holzbläser, Klavier, Schlagzeug); Variationen über ein Thema von J. S. Bach für Holzbläser und Klavier (1922), Sakralmusik: Psalm 129/130 "De profundis clamavi" für Bläser, vier Vokalsolisten und vierstimmigen Chor (uraufgeführt in München durch Ludwig Berberich); a-capella Messe in f-moll, 1937; Kantanten (z. B. Wasserburger Festkantate 1984), Messgesänge, Motetten ("Traum ist unser Leben", 1930); lateinische Messe für Chor („Missa cum 5 vocibis in honorem Beatae Virginis“, 1936); deutsche Messe für Chor in g-moll; „Veni Creator Spiritus“ für gemischten Chor, Trompete, Horn, zwei Posaunen und Orgel, 1946; Requiem für Orgel, Orchester und Bass-Solo, 1933; Requiem für 4-stimmigen gemischten Chor und Orgel, 1946; diverse Choräle für Frauenchor, Männerchor, gemischten Chor, Turmmusik, 1940; Suite für Streichquartett, 1940; Trio für Klarinette, Viola und Klavier, Sextett für Violine, Viola, Kontrabass, Harfe, Klarinette und Bassetthorn; Septett, 1930, Stücke für Orgel, Cello, sowie Lieder für Mezzosopran, Bariton, Alt auf Gedichte von Annette von Droste-Hülshoff, Johann Gottfried Herder, Hans Ludwig Held, Ellie Braunfels, Siegfried von Vegesak und seiner Mutter Crescentia Prestele.[2] Die Überarbeitung der ersten Fassung der Oper Der Komödiant (1934–40), erfolgte bis 1948. Die große Kasperle-Oper, deren Aufführung er noch erhoffte, erfolgte bislang nicht.[3]
Literatur
- Unveröffentlichtes Werkverzeichnis bis 1941 der Mutter Karl Presteles, Crescentia Prestele. Wiedergabe laut Konzertprogramm 17. November 2001, Kath. Kirche Eberfingen, 18. November 2001 Dom St. Blasien
- Reiner Bölhoff: Komponist und Komödiant: der "urbayrische" Musiker Karl Prestele im Schwarzwald. In: Konzertprogramm 17. November 2001, Kath. Kirche Eberfingen, 18. November 2001 Dom St. Blasien (Klaus Kunzmann, Hrsg.)
- Ulrich C. Eipper: Menschenbild-Meinungsbild. 1996