Karl Schuke

deutscher Orgelbauer From Wikipedia, the free encyclopedia

Karl Ludwig Alexander Schuke (* 6. November 1906 in Potsdam; † 7. Mai 1987 in West-Berlin) war ein deutscher Orgelbauer, Hochschullehrer und Honorarprofessor. Er lehrte an der Hochschule für Musik in Berlin und war Vorstandsmitglied des Bundes deutscher Orgelbaumeister.[1][2] 1972 wurde ihm das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland verliehen.[3]

Er war Sohn des Orgelbauers Alexander Schuke und führte nach dessen Tod gemeinsam mit seinem Bruder Hans-Joachim Schuke die väterliche Werkstatt weiter bis zu deren Verstaatlichung durch die Teilung Deutschlands.[4] 1953 übernahm er die Leitung des Berliner Standortes der Werkstatt, aus dem sich später die Karl Schuke Berliner Orgelbauwerkstatt entwickelte.[4][5]

Die Orgel von Karl Schuke in der Domkirche Reykjavík

Leben

Karl Schuke besuchte von 1912 bis 1922 die Schule und schloss sie mit der Obersekundarreife am humanistischen Viktoria-Gymnasium in Potsdam ab. Anschließend begann er eine Ausbildung in der väterlichen Orgelbauwerkstatt. Ab 1924 absolvierte er eine Spezialisierung im Metallpfeifenbau und war am Aufbau einer eigenen Pfeifenwerkstatt beteiligt. Bereits ab 1927 beschäftigte er sich mit der Konstruktion pneumatischer und elektrischer Traktur- und Windladensysteme.[1]

In einem späteren Interview beschrieb Schuke seine frühe Prägung durch die Werkstatt seines Vaters sowie durch die Kirchenräume Brandenburgs als entscheidend für seinen weiteren Lebensweg. Bereits als Kind begleitete er seinen Vater zu Orgelstimmungen und Reparaturen und entwickelte früh eine enge Verbindung zur praktischen und klanglichen Arbeit am Instrument.[2]

Nach dem Tod seines Vaters Alexander Schuke im Jahr 1933 führten Karl Schuke und sein Bruder Hans-Joachim Schuke das Unternehmen gemeinsam weiter. Während Hans-Joachim vor allem die kaufmännische Leitung übernahm, war Karl Schuke überwiegend für technische, konstruktive und klangliche Fragen des Orgelbaus verantwortlich.[1]

Im Zusammenhang mit der Orgelbewegung setzte sich Schuke intensiv mit historischen Orgelbauprinzipien auseinander. Besonders die Beschäftigung mit den Instrumenten Gottfried Silbermanns und Joachim Wagners beeinflusste seine spätere Arbeit nachhaltig. Gemeinsam mit seinem Bruder entwickelte er neue Konzepte mechanischer Schleifladenorgeln und gehörte zu den frühen Vertretern einer an historischen Klangidealen orientierten Orgelgestaltung im deutschen Nachkriegsorgelbau.[2]

Trotz der Einschränkungen während des Zweiten Weltkriegs bestand der Betrieb durch Orgelneubauten und Reparaturarbeiten weiter. Während dieser Zeit restaurierte Schuke unter anderem die Hydraulis in Eisenstadt.

Vor dem Hintergrund der politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der Nachkriegszeit entschieden sich die Brüder Schuke im Jahr 1950, den bestehenden Potsdamer Betrieb um einen weiteren Standort im Westteil Berlins zu erweitern. Die Berliner Werkstatt entstand zunächst als Erweiterung des Potsdamer Standortes und wurde anfangs gemeinsam aus dem bestehenden Unternehmen heraus aufgebaut.

Nach seiner Übersiedlung nach Berlin übernahm Karl Schuke 1953 die Leitung des Berliner Standortes, aus dem sich in den folgenden Jahren die Karl Schuke Berliner Orgelbauwerkstatt entwickelte, die ab den 1970er Jahren auch ins Ausland exportierte.[6]

Bis 1966 arbeitete das Unternehmen in einer ehemaligen Tischlerei in Berlin-Lichterfelde. Im selben Jahr wurde ein neues Werkstattgebäude in Berlin-Zehlendorf errichtet, das bis heute Unternehmensstandort ist.

Unter Schukes Leitung entwickelte sich die Werkstatt zu einem international tätigen Unternehmen des Orgelbaus. Es entstanden zahlreiche Neubauten, Restaurierungen und internationale Projekte für Kirchen, Konzertsäle, Hochschulen und Rundfunkanstalten.[7]

1955 erhielt Karl Schuke einen Lehrauftrag für Orgelkunde an der Hochschule für Musik in Berlin. 1956 wurde er in den staatlichen Prüfungsausschuss für Kirchenmusiker berufen. 1962 erhielt er die Professorenwürde an der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst Berlin, 1966 wurde er dort Honorarprofessor. 1967 erfolgte seine Wahl in den Vorstand des Bundes deutscher Orgelbaumeister.[1]

1972 wurde ihm das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland verliehen.[8]

Die Begegnung mit zeitgenössischen Komponisten und Kirchenmusikern spielte für Schuke eine wichtige Rolle. In seinem Interview von 1971 verwies er unter anderem auf Gespräche mit Hugo Distler, Joseph Ahrens, Siegfried Reda, Wolfgang Hufschmidt und Gerd Zacher. Dabei betonte er die Bedeutung der mechanischen Traktur und historischer Intonationsprinzipien für die Entwicklung neuer Kompositionstechniken im Orgelbau des 20. Jahrhunderts.[9][10]

Karl Schuke starb 1987 im Alter von 80 Jahren in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof Zehlendorf.[11]

Ehrungen

Literatur

  • Martin Balz: Zum 100. Geburtstag von Karl Schuke. In: Ars Organi 4/2006, S. 256 f.
Commons: Karl Schuke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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