Karl Schulze-Hagen
deutscher Arzt und Ornithologe
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Karl Schulze-Hagen (* 29. August 1950 in Düsseldorf) ist ein deutscher Ornithologe und Gynäkologe mit Studienabschlüssen in Biologie und Medizin. Als Biologe hat er auf dem Gebiet der Ornithologie über 100 Publikationen, darunter mehrere Bücher, über Vögel geschrieben, teils mit dem Schwerpunkt Geschichte der Ornithologie. Hauptberuflich arbeitet er in Mönchengladbach als Frauenarzt in einer Gemeinschaftspraxis, der auch seine Frau und eine Tochter als Fachärztinnen angehören.

Leben
Aufgewachsen auf dem Land, begeisterte sich Karl Schulze-Hagen schon in seiner Kindheit für Tiere, insbesondere für Vögel. Als Teilnehmer von Jugend forscht wurde er 1970 Landessieger in Biologie mit dem Thema: Ein Beitrag zur Ernährung der Rauchschwalben. Daraus entstand seine erste Publikation.[1]
Ausbildung
Nach dem Abitur am altsprachlichen Görres-Gymnasium in Düsseldorf nahm er 1970 das Studium der Biologie an der Universität in Bonn auf, das er 1974 als Diplombiologie mit der Arbeit Nistplatzansprüche und Bruterfolg beim Sumpfrohrsänger abschloss. Die Ergebnisse wurden später prominent veröffentlicht.[2] Bereits 1974 begann er das Studium der Medizin an der Universität Bonn und machte dort 1979 sein Staatsexamen. Zwischenzeitlich hatte er eine Dissertation geschrieben und veröffentlicht.[3] Anschließend ging er nach Singapur für sein Praktisches Jahr als Arzt.
Es folgte von 1980 bis 1985 die Facharztausbildung zum Gynäkologen an der Frauenklinik der Freien Universität Berlin.
Familie
Karl Schulze-Hagen ist seit 1983 mit der Gynäkologin Mechthild (geb. Schwerdt) verheiratet. Das Ehepaar hat sich 1987 in Mönchengladbach mit eigener Praxis niedergelassen. Sie haben drei erwachsene Kinder.
Ornithologische Mitgliedschaften und Vernetzung
In der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft (DOG) und der britischen Organisation British Ornithologists’s Union (BOU) ist Karl Schulze-Hagen seit vielen Jahrzehnten aktives Mitglied. Langjährige Kooperationen bestehen mit Bernd Leisler, Tim Birkhead, Michael Wink und dem Naturfotografen Klaus Nigge, was sich in seinen Publikationen niederschlägt.
Wirken
Freilandbiologische Studien an mehreren Rohrsängerarten, insbesondere am Seggenrohrsänger und seinem Fortpflanzungssystem, unternahm Karl Schulze-Hagen beispielsweise im Nordosten von Polen.[4][5] Diese Expertise führte u. a. zur Mitarbeit am Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Turteltaube, Hänfling und der Brutparasitismus des Kuckucks waren ebenso in seinem Fokus wie die Bartgeier in den Pyrenäen.[6][7][8]

Seit 1995 konzentriert sich Karl Schulze-Hagen zunehmend auf die Geschichte der Ornithologie.[9][10] Zu seinen Ornithologie-historischen Arbeiten zählt eine Ausstellung im Natural History Museum in London über den deutsch-britischen Vogelmaler Joseph Wolf.[11] Gemeinsam mit dem britischen Ornithologen Tim Birkhead hat er über das Aussterben des Riesenalks berichtet.[12]
Die Geschichte der Vogelpräparation und von Vogelsammlungen hat er in dem Buch Vogelwelten Karl Schulze-Hagen dargestellt.[13] Er hat über die Verhaltensforscher Nikolaas Tinbergen und Konrad Lorenz geschrieben und grundlegend über die Bedeutung von Erwin Stresemann für die Vogelforschung in Deutschland, für die DOG und die Ornithologie insgesamt berichtet.
Ein Schwerpunkt seiner Recherchen war die Arbeit am Nachlass von Oskar Heinroth, Magdalena Heinroth und Katharina Heinroth in der Staatsbibliothek zu Berlin, aus der das Buch Die Vogel-WG und 2025 eine große Ausstellung hervorgingen. Diese wurde 2025 im Alexander-von-Humboldtsaal der Berliner Staatsbibliothek von Peter Altmaier als Vorsitzender der Freunde der Staatbibliothek[14] eröffnet.
Mehrfach hat er Beiträge zur Geschichte der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft verfasst und zu diesem Thema referiert.[15][16] Gemeinsam mit Eugeniusz Nowak hat er quellenbasiert über die NS-Verstrickung von Günther Niethammer berichtet.[17]
Schriften
- Bernd Leisler, Karl Schulze-Hagen: The reed warblers – diversity in a uniform bird family, KNNV Uitgeverij (in Kooperation mit Max-Planck-Institut für Ornithologie), Zeist 2011, ISBN 978-9-05011-391-5
- Oldřich Mikulica, Tomáš Grim, Karl Schulze-Hagen, Bård G. Stokke: Der Kuckuck – Gauner der Superlative, Kosmos, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-440-15816-6
- Karl Schulze-Hagen, Gabriele Kaiser: Die Vogel-WG. Knesebeck, München 2020, ISBN 978-3-95728-395-5
- Klaus Nigge, Karl Schulze-Hagen, Jürgen Fiebig: Vogelwelten. Expeditionen ins Museum. Knesebeck, München 2022, ISBN 978-3-95728-410-5
Literatur über Schulze-Hagen
- Kai Spanke: Das Teichhuhn Benedikt als Rasierer, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2020
- Elke Brüser: Die Vogel-WG, Flügelschlag und Leisetreter, 4. September 2020
- Tanja Rest: „Ausgerottet: Das muss man erst mal hinkriegen!“ Süddeutsche Zeitung 22./23. April 2023