Karl Zimmet
deutscher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
From Wikipedia, the free encyclopedia
Karl Zimmet (* 14. April 1895 in Regensburg; † 20. März 1969 in Ebersberg) war ein Münchner Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.
Leben
Karl Zimmet war gelernte Schlosser und nahm am Ersten Weltkrieg teil.[1] Er kam als Anhänger der russischen Revolution zurück[2] und trat kurz nach deren Gründung der KPD bei und war während der Zeit der Münchner Räterepublik 1919 Mitglied des Soldatenrates. Als Mitglied der KPD sowie des Kasernenrats fungierte er als Leiter eines Werbebüros der Roten Armee, was zur Verurteilung durch das Münchner Volksgericht am 25. August 1919 zu einer Haftstrafe von 18 Monaten in einer Festung führte.[2]
Am Ende der 1920er Jahre trat er der linkskatholischen Christlich-Sozialen (Reichs-)Partei bei, die 1931 in die Arbeiter- und Bauernpartei Deutschlands umbenannt wurde. Diese Partei war während der letzten Phase der Weimarer Republik eng mit der KPD verbunden. In diesem Umfeld begegnete er Rupert Huber sowie dem Ehepaar Hans und Emma Hutzelmann. Bereits in den späten 1930er Jahren arbeitete Zimmet gemeinsam mit Huber an der Erstellung von Flugschriften, die sich gegen das NS-Regime richteten.[2]
Nach 1933 engagierte er sich aktiv im illegalen Widerstand und verfasste zahlreiche Aufrufe, blieb jedoch von Verhaftungen verschont. Im Jahr 1942 bildete sich in München um ihn, Georg Jahres und Hans Hutzelmann eine Widerstandsgruppe.[1] Zu dieser Zeit arbeitete er als Hausmeister.[3] Diese Gruppe war eng mit der KPD verbunden und hatte das Ziel, insbesondere Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene durch ihre Flugblätter zu erreichen. Die Niederlage der deutschen Wehrmacht in Stalingrad wurde von vielen Gegnern des NS-Regimes als entscheidender Wendepunkt im Krieg wahrgenommen. Allerdings galt es als Defaitismus und Wehrkraftzersetzung, Zweifel am sogenannten „Endsieg“ zu äußern. Ein solcher Vorwurf konnte mit der Todesstrafe geahndet werden.[1]
Die Widerstandsgruppe von Karl Zimmet hob in einem Flugblatt hervor, dass selbst hochrangige Nationalsozialisten Zweifel am Ausgang des Krieges hegten und erinnerte an die Vergehen, für die die NS-Führung später zur Verantwortung gezogen werden müsste. Die Münchener Gruppe kooperierte zudem mit anderen regionalen Organisationen, insbesondere mit einer Widerstandsgruppe von sowjetischen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen, bekannt als Brüderliche Zusammenarbeit der Kriegsgefangenen (BSW). Ein Mitglied von BSW hatte Verbindungen zu Emma Hutzelmann und somit über ihren Ehemann zur Widerstandsgruppe Antinazistische Deutsche Volksfront (ADV).[1]
Emma Hutzelmann wurde bereits im Jahr 1942 nach der Enttarnung der Widerstandsgruppe unter der Leitung von Josef Römer verhaftet. Nach ihrer Freilassung engagiert sie sich aber weiter. Im Spätherbst 1943 werden durch Informanten der Gestapo in verschiedenen Zwangsarbeiterlagern insgesamt 13 Gruppen mit nahezu 300 Mitgliedern aufgedeckt.[1]
Die größten Aktivitäten entfaltete Zimmet ab 1943 als einer der maßgeblichen Aktivisten der ADV, die mit der BSW kooperierte. Im Januar 1944 von der Münchner Gestapo verhaftet und misshandelt, überlebte Zimmet als einziger der Führung der Organisation das Kriegsende und sagte u. a. im Verfahren gegen den ehemaligen Münchner Gestapochef Oswald Schaefer aus.[2]
Hans Hutzelmann, Rupert Huber und der tschechische Chemiker Karel Mervaert wurden am 8. Dezember 1944 zum Tode verurteilt und am 15. Januar 1945 in Brandenburg-Görden ermordet. Emma Hutzelmann, die sich verbergen konnte, starb bei einem Luftangriff. Karl Zimmet täuscht eine Geisteskrankheit vor und kann dadurch die NS-Zeit in einer Anstalt überleben.[1] Er wurde von der Roten Armee befreit.[4] Seite 275
Zimmet war der einzige aus der Führung der Organisation, der das Ende des Krieges überlebte, und er trat unter anderem als Zeuge im Verfahren gegen den ehemaligen Münchner Gestapochef Schaefer auf. Nach 1945 engagierte er sich in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). In den 1960er-Jahren erhielt er in der Sowjetunion eine Auszeichnung für sein Engagement im Widerstand.[2]
Zusätzliche Dokumente aus der unmittelbaren Nachkriegszeit belegen die Konfiszierung von Schriften des Karl Zimmet durch die amerikanische Militärverwaltung, sein Engagement in Hilfsorganisationen sowie später für die Deutsche Friedens-Union.[5]
Literatur
- Wolfgang Benz, Walter H. Pehle (Hrsg.): Lexikon des deutschen Widerstandes. 2., durchges. Aufl. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-596-15083-3, S. 163–164 und S. 408.
- Michael Rudloff: Christliche Antifaschisten der „ersten Stunde“ im Widerstand. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Karl-Marx-Universität Leipzig. Gesellschaftswissenschaftliche Reihe, 38. Jg., 1989, S. 297–307.
- Allergisch gegen Dachau. In: Die Zeit, Nr. 48/1966