Karl von Schrader
deutscher Rittergutsbesitzer und Hofbeamter
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Leben
Karl von Schrader wurde geboren als Sohn des Landrats und lauenburgischen Landtagsabgeordneten August Louis Detlev von Schrader und der Adolfine Friederike, geb. von Beulwitz. Er studierte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Er wurde Mitglied des Corps Saxo-Borussia Heidelberg, schied dort jedoch als Brandfuchs aus und schloss sich 1869 dem Corps Borussia Bonn an.[1] Er wurde Rittergutsbesitzer auf Bliestorf, Glienau und Kastorf.
1881 stand von Schrader im Mittelpunkt eines erfolglosen Versuches Otto von Bismarcks, die Reichstagswahl 1881 im Wahlkreis Schleswig-Holstein 10 (Herzogtum Lauenburg), seinem Heimatwahlkreis, im Sinne der Konservativen zu beeinflussen; dieser Versuch endete in einem Skandal. Geplant war, „mittels einer von ihm ungenügend inszenierten Intrige“[2] den aussichtsreichen Kandidaten der Linksliberalen, Kammerrat Heinrich Berling, zu diskreditieren und von Schrader, Freund der Familie Bismarck und Corpsbruder von Herbert von Bismarck, zu einem Reichstagsmandat zu verhelfen. Tatsächlich gewählt wurde mit großer Mehrheit der nationalliberale Kandidat August Westphal.
1884 wurde er Königlich preußischer Kammerherr und Zeremonienmeister am Berliner Hof. Am 27. Dezember 1889 wurde er in den preußischen Freiherrnstand erhoben.[3] Er war verheiratet mit Alide Jonkvrouw de Villiers de Pité. Er starb im Pistolenduell mit Leberecht von Kotze, der von Schrader zum Duell gefordert hatte.
Dem Tod vorausgegangen war die sogenannte Kotze-Affäre. Mit den verschickten Briefen mit pornographischem Inhalt und Fotos wurden auch von Schrader und seine Frau Alide entsprechend beschrieben.
Der Verdacht als Urheber der verschickten Briefe fiel 1894 auf den Hofzeremonienmeister von Kotze, der daraufhin festgenommen wurde. Ihm konnte jedoch nichts nachgewiesen werden. Darauf führte der „Hohenau-Schradersche Kreis“, zu dessen Protagonisten Friedrich von Hohenau und von Schrader gehörten, die Ermittlungen auf eigene Faust weiter. Von Kotze aber forderte nun Genugtuung von seinen Anklägern. Im Jahr 1895 gab es ein erstes Duell zwischen von Schrader und von Kotze, das glimpflich verlief. Im April 1896 führte von Kotze ein zweites Duell mit von Schrader, bei dem dieser ums Leben kam. Ein Militärgericht verurteilte Kotze daraufhin im Juni 1896 wegen „Tötung im Zweikampf“ zu zwei Jahren und drei Monaten Festungshaft. Bereits nach wenigen Monaten wurde der auf der Festung Glatz inhaftierte Kotze vom Kaiser begnadigt. Die Duelle führten auch bei der einfachen Bevölkerung zu großem Aufsehen, sodass es zu Menschenaufläufen an den Berliner Duellplätzen kam. Die Presse kritisierte das Verhalten der höfischen Gesellschaft scharf, sie würde dem Royalismus und dem Ansehen des Königshauses schaden. Auch das Duellwesen selbst wurde kritisiert. Wilhelm II. verbot öffentliche Trauerfeiern für von Schrader, um weiteres Aufsehen zu verhindern.
Schrader wurde im Familiengrab an der Kirche St. Georg auf dem Berge in Ratzeburg beigesetzt.
Auszeichnungen
Roter Adlerorden, 4. Klasse[4]
Königlicher Kronen-Orden (Preußen), 3. Klasse
Eisernes Kreuz, 2. Klasse- Dienstauszeichnungskreuz
Johanniterorden, Ehrenritter
Orden von Oranien-Nassau, Großoffizier
Oldenburgischer Haus- und Verdienstorden des Herzogs Peter Friedrich Ludwig, Ehren-Groß-Komtur
Franz-Joseph-Orden, Komtur mit dem Stern- Reußisches Ehrenkreuz, 1. Klasse
Annenorden, 2. Klasse
Albrechts-Orden, Komtur 2. Klasse
Herzoglich Sachsen-Ernestinischer Hausorden, Komtur 2. Klasse- Ehrenkreuz von Schwarzburg, 1. Klasse
Literatur
- Friedrich Karl Devens: Biographisches Corpsalbum der Borussia zu Bonn 1827–1902. Selbstverlag des Verbandes Alter Corpsstudenten, Düsseldorf 1902, S. 175.
- G. G. Winkel: Biographisches Corpsalbum der Borussia zu Bonn 1821–1928. Wailandt AG-Selbstverlag, Aschaffenburg 1928, S. 169.
- Tobias C. Bringmann: Reichstag und Zweikampf. Die Duellfrage als innenpolitischer Konflikt des Kaiserreichs 1871–1918. Freiburg 1996, ISBN 3-8107-2249-9.
- Fritz Friedmann: Der deutsche Kaiser und die Hofkamarilla. Schmidt, Zürich 1896. Digitalisat
- John Röhl: Die Kotze-Affäre, in: Wilhelm II. Der Aufbau der persönlichen Monarchie C. H. Beck, München 2001, S. 741 ff.
- Wolfgang Wippermann: Skandal im Jagdschloss Grunewald. Männlichkeit und Ehre im deutschen Kaiserreich. Primus Verlag, Darmstadt 2010. ISBN 3-89678-810-8.
- Gothaisches genealogisches taschenbuch der freiherrlichen Häuser, 1891, S.820
Weblinks
- Familie Schrader bei www.bliestorf.de mit Darstellung des Duells und Bildern