Karlspfund

historische Masseneinheit und Rechnungsmünze From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Karlspfund (lat. pondus Caroli) ist ein frühmittelalterliches Münzgrundgewicht, das diejenige Menge Silber angibt, aus der nach der Karolingischen Münzordnung 240 Pfennige zu prägen waren. Das genaue Gewicht des Karlspfundes kann nur indirekt ermittelt werden; es lag bei etwa 408 g. Das Karlspfund war keine allgemeine Gewichtseinheit und wurde auch nicht als Münze ausgeprägt.

Das Karlspfund als Münzgrundgewicht

Im Rahmen der neuen Münzordnung setzte Karl der Große um 793/794 wahrscheinlich das Gewicht des Pfundes neu fest. Das Karlspfund, das als Grundgewicht aller Münzprägungen im Karolinger-Reich dienen sollte, war mit etwa 408 g deutlich schwerer als die antike libra, aber etwas leichter als das karolingische Pfund, das in anderen Kontexten als Münzprägungen als Gewichtseinheit diente (etwa 425,5 g).[1] Aus einem Karlspfund sollten 240 denarii (Pfennige) geprägt werden, was etwa 1,7 g Silber pro Pfennig entspricht; hingegen waren das Pfund selbst und ursprünglich auch der Schilling reine Rechnungsmünzen, die nicht ausgeprägt wurden.

Die Vermittlung des Wissens, welches Gewicht das Karlspfund hatte (z. B. an die einzelnen Münzstätten) fand wohl durch Verweise auf Bruchteile und Vielfache anderer Gewichte statt, nicht durch geeichte Stücke vergleichbar dem Pariser Urkilogramm.[2] Theoretisch galt das von Karl dem Großen festgesetzte Gewicht auf Dauer und im gesamten Herrschaftsgebiet der Karolinger, in der Praxis war seine Wirkung begrenzt; seit dem Hochmittelalter herrschten Pfennigprägungen mit von Ort zu Ort unterschiedlichem Münzfuß vor (Regionaler Pfennig).

Umrechnung in metrische Einheiten

Die genaue Ermittlung des Gewicht des Karlspfundes war in der numismatischen Metrologie seit ihren Anfängen im 17. Jahrhundert ein intensiv und kontrovers behandeltes Thema; Elisabeth Nau sprach davon, dass die Forschung das Gewicht „wie den heiligen Gral“ gesucht habe.[3] Überwiegend ist die Forschung dabei bis heute auf die erhaltenen ausgeprägten Pfennige angewiesen. Deren Gewicht schwankte allerdings schon produktionsbedingt (Hammerprägung), und durch Abrieb und Korrosion haben sich Gewicht und chemische Zusammensetzung der erhaltenen Exemplare ebenfalls verändert. Aufgrund des Greshamschen Gesetzes haben schwerere Exemplare eine schlechtere Überlieferungs-Chance, was die Auswertung von Fundmünzen ebenfalls verzerren kann. Dazu kommt, dass im Laufe des Mittelalters Fein- und Raugewicht der Pfennige schwankten; langfristig nahm das Münzgewicht und vor allem die Menge des enthaltenen Silbers deutlich ab, so dass die Fundmünzen aus jüngerer Zeit nur bedingt zur Ermittlung des ursprünglichen Gewichts des Karlspfundes herangezogen werden können. Nur sehr wenige größere Schatzfunde karolingischer Münzen sind aber vor 814 verborgen worden.[4] Auch andere historische Gewichtseinheiten, die letztlich auf das Karlspfund zurückgehen (z. B. das Troy-Pfund) bieten keinen direkten Aufschluss für das Gewicht des Karlspfundes.

Die Ermittlung der Silbermenge, aus der laut Karolingischer Münzordnung 240 Pfennige hätten geschlagen werden sollen, ist daher ausgesprochen schwierig. In der älteren Literatur finden sich für das Gewicht des Karlspfundes Angaben zwischen 367 und 491 g, oft auf spekulativer Grundlage;[5][6] die Forschung seit den 1980er Jahren geht von etwa 408 g aus.[7][8][9][10] Zugleich betonen neuere Darstellungen auch, dass eine exakte Bestimmung schwierig bis unmöglich sei und dass zeitlich und räumlich unterschiedliche Werte als Karlspfund gegolten haben dürften.[3][8][10][11]

Das Karlspfund als Zählpfund

Je größer die Gewichtsdifferenz zwischen 240 ausgeprägten Pfennigen und dem Karlspfund wurden, desto mehr wurde das Pfund eine Zähleinheit für 240 Kleinmünzen („Zählpfund“).[12][11] Ein „Pfund Heller“ waren zum Beispiel 240 Heller, unabhängig von deren Gewicht und davon, in welcher Münze dieses „Pfund“ bezahlt wurde. Auch das „Pfund Sterling“ war ursprünglich eine solche Zähleinheit.

Literatur

  • Bernd Kluge: Numismatik des Mittelalters. Band 1: Handbuch und Thesaurus Nummorum Medii Aevi. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Berlin/Wien 2007, S. 36–43, 58–68 und 86–88.
  • Friedrich von Schrötter (Hrsg.): Wörterbuch der Münzkunde. de Gruyter, Berlin u. a. 1930, S. 296–297 (Karolingische Münzordnung), 297–298 (Karlspfund) und 507–508 (Pfund). doi:10.1515/9783112340646.
  • Harald Witthöft: Münzfuß, Kleingewichte, Pondus caroli und die Grundlegung des nordeuropäischen Maß- und Gewichtswesens in fränkischer Zeit. Scripta-Mercaturae-Verlag, Ostfildern 1984.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI