Karosta
Ort in Lettland
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Karosta (von lettisch „kara osta“ für Kriegshafen) ist ein Stadtteil im Norden der kurländischen Stadt Liepāja in Lettland. Er umfasst etwa ein Drittel der Stadtfläche und war Kriegshafen des Russischen Reiches sowie der Sowjetunion.
| Karosta | ||
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| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Verwaltungsbezirk: | Republik-Stadt Liepāja | |
| Koordinaten: | 56° 33′ N, 21° 0′ O | |
| Einwohner: | 7.500 (1. Jul. 2009) | |
| Webseite: | www.liepaja.lv | |
Geschichte
Karosta wurde auf Geheiß von Zar Alexander III als Stützpunkt der Russischen Ostseeflotte angelegt. Für die Ortswahl ausschlaggebend war die Nähe zur deutschen Grenze bei Nimmersatt und die ganzjährige Eisfreiheit des Hafens. Die Arbeiten begannen 1890, die Grundsteinlegung erfolgte 1893.[1] Zar Alexander Sohn Nikolai II gab ihm nach dessen Tod 1894 den Namen „Hafen Alexanders des III.“
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildete Kara-Osta einen eigenen russischen Militärstadtteil. Eine eigene Post, die größte orthodoxe Kirche in Lettland, eigene Energieversorgung und eine umfassende Infrastruktur veranschaulichen die Sonderrolle Karostas. Beispielsweise kostete eine Postkarte von Kara-Osta nach Liepāja mit drei Kopeken ebenso viel wie nach Wladiwostok kurz vor der koreanischen Grenze.
Nach dem Ende des Zarenreiches nutzten die Armee und die Marine der Republik Lettland das nun „Karosta“ genannte Areal. Dort befanden sich das Kommando und der Stab der Division „Kurzeme“, zwei Infanterieregimenter und ein Artillerieregiment.
Im Zuge der ersten Besetzung Lettlands durch die Sowjetunion besetzten rund 4000 Soldaten der Roten Armee und der sowjetischen Kriegsmarine Karosta.[2] Im weiteren Verlauf des Zweiten Weltkrieges eroberte die Wehrmacht am 28. Juni 1941 Karosta und hielt es bis zum Kriegsende besetzt. Mit dem Kriegsende folgte die zweite Besetzung Lettlands durch die Sowjetunion. Die Rote Armee ließ massiv den Kriegshafen ausbauen, unter anderem als U-Boot-Basis der Sowjetischen Marine. Für die Familien des Soldaten und Matrosen wurden Plattenbauten errichtet. Die Einwohnerzahl von Karosta stieg auf rund 25.000. Karosta wurde von Liepāja abgeschottet und erhielt ein separates Elektrizitätswerk, eine separate Wasserversorgung, eigene Schulen usw. Die die Angehörigen der sowjetischen Streitkräfte wurden oftmals besser versorgt als die lettische Bevölkerung Liepājas. Aus Gründen der militärischen Sicherheit war Liepāja in sowjetischen Karten teilweise nicht verzeichnet.
Durch die Auflösung der Sowjetunion wurden Estland, Lettland und Litauen wieder unabhängig, die Sowjets mussten abziehen. Am 1. Juni 1994 verließen entsprechend dem russisch-lettischen Abkommen die letzten russischen Kriegsschiffe den Marinestützpunkt.[1] Nach Verlegung der etwa 20.000 bis 26.000 sowjetischen Soldaten aus der ehemaligen Hauptbasis der Russischen Ostseeflotte mit ihren etwa 30 Atom-U-Booten und 140 Kriegsschiffe wurde Karosta ein verwahrloster und nur zu etwa einem Drittel bewohnter Stadtteil Liepājas. Chemische Kampfmittel und radioaktiver Abfall der Marinebasis sollen vor dem sowjetischen Abzug zwischen 1989 und 1992 noch in der Ostsee vor Gotland versenkt worden sein.[3]

Forts, der Kara-Osta-Kanal und die „drehbare Eisenbrücke“
Die von 1893 bis 1906 errichteten Forts (im Norden) wurden 1914 aufgegeben und werden seitdem von den Wellen abgetragen. Diese Forts und der Kanal waren die ersten Bauten Karostas. Ähnliche Forts entstanden im gesamten Russischem Reich, auch in Port Arthur (heute ein Ortsteil von Dalian und Chinas zweitgrößter Hafen).
Ein Seitenarm des Kanals ist für Schiffe und U-Boote vorgesehen. Daneben existieren Docks und Werften.
Die Kalpaka-Brücke, benannt nach Oskars Kalpaks, führt über den Kanal und verbindet Karosta mit Liepāja. Sie wurde ab 1903 erbaut, 1906 fertiggestellt und gilt als ein Beispiel der Ingenieurskunst des frühen 20. Jahrhunderts.[4] Sie ist die einzige Drehbrücke in Lettland und ist – mit kurzen Unterbrechungen – noch immer in Betrieb. Nach einer Schiffskollision Mitte 2006 war sie vorübergehend nicht nutzbar und wurde bis 2009 erneuert.
Nord-Pier
Das Nord-Pier entstand mit dem Kanal und ist etwa zwei Kilometer lang. Etwa zwei Jahre wurde daran gebaut. Von dort hat man einen guten Ausblick auf den Hafen. Der Ort ist bei den Einwohnern und Gästen Liepājas beliebt.
Dom St. Nikolaus
Der orthodoxe Dom St. Nikolaus ist eines der Wahrzeichen von Karosta. Architekten waren Sergei Gelensowski und Wassili Kossjakow aus Petersburg.
Die Kathedrale ist die größte orthodoxe Kirche in Lettland und der höchste Kuppelbau im Baltikum.[5] Die Einweihung erfolgte 1903 in Anwesenheit von Zar Nikolaus II. (Russland).[6]
Gefängnis
Das Gefängnis von Karosta in der Invalīdu Straße 4 wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet. Anfangs war es als Kriegsspital geplant, wurde jedoch nie derart verwendet. Schon 1905 saßen im Gefängnis die Seeleute der Garnison, die an den revolutionären Ereignissen teilgenommen hatten. Später diente der Bau als Gefängnis der Hauptwache sowohl für die Sowjetarmee als auch für Marinetruppen der lettischen Armee. Die von Sträflingen hinterlassenen letzten Spuren an den Zellenwänden stammen noch von 1997. Heute lässt sich gegen eine geringe Gebühr die Hauptwache besichtigen und es werden Aufführungen „Hinter Gittern“ angeboten. Für Besucher besteht die Möglichkeit, in einer Zelle zu übernachten und in einer Kantine sowjetischer Art zu speisen.
Literatur
- Gunārs Silakaktiņš: Karosta. Liepājas TIC, Liepāja 2008 (lettisch).
- Andžils Remess, Juris Raķis: Noslēpumainā karosta. Latvijas Mediji, Riga 2019, ISBN 978-9934-15-691-5 (lettisch).
- Wiktor Wladimirowitsch Jerofejew: Karosta oder: Die Winde des Wechsels. In: Mare, Nr. 173, 12/2025, S. 12–25.
Weblinks
- Der Knast Liepaja Karosta – Ein „Lost Place“ in Lettland. Reportage von Michael Magercord. Deutschlandfunk, gesendet am 1. Dezember 2024, abgerufen am 5. Dezember 2024.

