Kastell Lauchheim

römisches Militärlager auf dem Gebiet der baden-württembergischen Stadt Lauchheim im Ostalbkreis From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Kastell Lauchheim ist ein ehemaliges römisches Militärlager auf dem Gebiet der baden-württembergischen Stadt Lauchheim im Ostalbkreis.

Schnelle Fakten
Kastell Lauchheim
Limes ORL NN (RLK)
Strecke (RLK) Alblimes
Datierung (Belegung) 2. Jahrhundert (?)
Typ Numeruskastell
Größe Innenfläche:
71 m × 86 m ≈ 0,61 ha
Bauweise Holz-Erde-Lager
Erhaltungszustand nicht sichtbar
Ort Lauchheim
Geographische Lage 48° 52′ 38,5″ N, 10° 15′ 12,5″ O
Höhe 500 m ü. NHN
Vorhergehend Kastell Essingen-Weiherwiesen
(westsüdwestlich)
Anschließend Kastell Oberdorf
ORL 67b (östlich)
Rückwärtig Kastell Heidenheim
ORL 66b (südsüdwestlich)
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Lage, Entdeckung und Notbergung

Die Fundstelle befindet sich rund 750 m nordöstlich des Stadtzentrums von Lauchheim auf einer „Galgenberg“ genannten Anhöhe südwestlich des „Grombergs“ mit der gleichnamigen Burgruine und nordwestlich des „Stettbergs“, die beide den sich nur wenige Meter über den Talgrund erhebenden „Galgenberg“ deutlich überragen. Dieser wird im Westen von der Jagst und im Norden vom „Röttinger Bach“ eingegrenzt und bildet den Fuß eines alten Passweges in östliche Richtung zum Egertal und weiter ins Nördlinger Ries.

Die Entdeckung gelang, als ein interessierter Stuttgarter Bürger bei der Neutrassierung der Bundesstraße 29, die durch das Gelände führte, römische Funde bemerkte. Dies führte zu einer kleineren Notgrabung durch die Archäologische Denkmalpflege des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg unter der Leitung von Dieter Planck und seinem Grabungstechniker Harald von der Osten-Woldenburg.[1][2]

Archäologische Befunde und Interpretation

Die Untersuchungen wurden im Verbund der Methoden konventionelle Ausgrabung, Geomagnetik und Luftbildarchäologie durchgeführt. Sie zeigten den für ein römisches Lager typischen Grundriss in Spielkartenform mit abgerundeten Ecken. Seine Innenabmessungen betrugen 71 m mal 86 m, was rund 0,61 ha entspricht. Der das Kastell umgebende Spitzgraben hatte noch eine erhalte Breite von durchschnittlich 2,6 m und eine Resttiefe von 1,2 m unter dem Pflughorizont. Er war in anstehende Schichten aus Ton, Stein und Sand eingetieft. Das Füllmaterial des Grabens enthielt (wenige) Funde, die aus der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts stammen. Hinter dem Graben zeigte sich im Magnetbild eine zweischalige Holz-Erde-Mauer. In den südwestlichen und südöstlichen Mauerecken konnten die Pfostensetzungen von Ecktürmen mit trapezförmigem Grundriss identifiziert werden, Türme an allen Ecken können daher angenommen werden. Mittig in der Südseite fanden sich die Pfostenspuren eines Zwischenturms. An der westlichen und östlichen Kastellflanke waren jeweils Spuren von Toren, wobei das Osttor Strukturen zweier Tortürme zeigte. Ob es an der Nordseite ein drittes Tor gab, muss derzeit noch offen bleiben. Größe und Struktur des Lagers entsprechen dem Kastell Essingen-Weiherwiesen. Wie dieses könnte es einen Numerus beherbergt haben, eine Auxiliareinheit im Umfang von zwei Centurien mit einer Sollstärke von 160 Mann. Die Verfüllung des Kastellgrabens erfolgte offenbar bewusst und besteht aus mehreren Schichten, was für eine planmäßige Auflassung des Kastells spricht.

Östlich der Südostecke des Lagers fanden sich die Konturen von steinernen Fundamenten. Dabei könnte es sich um die Reste einer Villa rustica oder Bestandteile des Vicus handeln, des zivilen Lagerdorfes, dass sich bei jedem dauerhaften Kastell befand und in dem die Angehörigen der Soldaten sowie Händler, Handwerker und Dienstleister lebten und wirtschafteten. Unmittelbar nördlich dieser Befunde lagen auch einige Siedlungsgruben, deren Füllmaterial römische Funde des späten zweiten Jahrhunderts beinhaltete.

Zusammen mit dem Kastell Deggingen und dem Kastell Essingen-Weiherwiesen spricht das Kastell Lauchheim dafür, dass diese Militärlager zum Alblimes gehören, der offenbar keine rein lineare, sondern eine in der Tiefe gestaffelte Grenze war, bei der einzelne vorgeschobene Posten bestimmte neuralgische Punkte sicherten. Konkret in Lauchheim hatte die namentlich nicht bekannte Besatzung der Anlage die Möglichkeit, den Übergang vom Jagsttal zum Egertal und die Straßenverbindungen zum östlich gelegenen Kastell Oberdorf und zum südwestlich liegenden Kastell Heidenheim zu überwachen.[1][2]

Literatur

  • Dieter Planck, Harald von der Osten-Woldenburg: Ein neues römisches Lager bei Lauchheim, Ostalbkreis. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden Württemberg 1992. Theiss, Stuttgart 1993, ISBN 3-8062-1070-5, S. 120–124.
  • Dieter Planck: Lauchheim (AA). Römisches Lager. In: Ders. (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart, 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 172 f.

Einzelnachweise

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