Katapult (Magazin)
deutschsprachiges Magazin für Kartografik und Sozialwissenschaft
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Katapult (Eigenschreibweise: KATAPULT) ist ein populärwissenschaftliches Magazin, das zur Veranschaulichung nahezu ausschließlich Infografiken und Karten verwendet.[1] Es wird in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) produziert.
| KATAPULT: Magazin für | |
|---|---|
| Beschreibung | Populärwissenschaftliches Magazin |
| Fachgebiet | Sozialwissenschaften |
| Verlag | Katapult-Magazin gGmbH (Deutschland) |
| Hauptsitz | Greifswald |
| Erstausgabe | 30. März 2016 |
| Erscheinungsweise | vierteljährlich |
| Verkaufte Auflage | 94.636 Exemplare |
| (IVW Q2/2022) | |
| Geschäftsführer | Benjamin Fredrich, Sebastian Wolter |
| Weblink | katapult-magazin.de |
| ISSN (Print) | 2509-3053 |
Konzept
Das Magazin behandelt Themen verschiedener wissenschaftlicher Bereiche wie Sozial-, Politik-, Wirtschafts-, Rechts-, Sprach- und Geschichtswissenschaft sowie Humangeographie.[2] Das konkrete Ziel besteht darin, sozialwissenschaftliche Erkenntnisse auf kreative Weise einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Somit sollen auch komplexere Inhalte sozialwissenschaftlicher Forschung populärwissenschaftlich publiziert werden.[3]
Katapult finanziert sich durch den Verkauf einer vierteljährlich erscheinenden gedruckten Ausgabe, Lizenzverkäufen von Grafiken, Werbeeinnahmen und Spenden. Daneben vertreibt der Verlag Bücher, Poster und Kartenspiele.
Seit der 17. Ausgabe wird das Magazin nach eigenen Angaben auf Recyclingpapier gedruckt.[4]
Die Katapult-Magazin gGmbH hat zwei Töchterunternehmen: die Katapult Verlag GmbH und die Katapult Regional GmbH.[5] Geschäftsführer sind Benjamin Fredrich und Sebastian Wolter. Wolter war Mitgründer des Verlags Voland & Quist.[6]
Buchverlag
Seit September 2020 veröffentlicht Katapult Bücher selbstständig im Katapult-Verlag.[7]
Am 5. Februar 2019 erschien das erste Buch 100 Karten, die deine Sicht auf die Welt verändern noch in Kooperation mit dem Verlag Hoffmann und Campe. Das Buch hat 208 Seiten.[8] Die Erstauflage betrug 6.000 Exemplare. Im Mai 2020 wurde die 12. Auflage gedruckt. Die Gesamtauflage beträgt über 75.000 Exemplare.[9] Die Kritiken reichten von „klamaukig“[10] (Handelsblatt) bis „originell“[11] (Deutschlandfunk Kultur). Anschließend veröffentlichte Katapult Bücher im Eigenverlag. Inzwischen sind 60 Bücher entstanden.[12]
Regionalzeitungen
Katapult MV
| KATAPULT MV | |
|---|---|
| Beschreibung | Regionalzeitung |
| Sprache | Deutsch |
| Verlag | Katapult-Magazin gGmbH (Deutschland) |
| Hauptsitz | Greifswald |
| Erstausgabe | September 2021 |
| Erscheinungsweise | monatlich |
| Chefredakteur | Patrick Hinz |
| Herausgeberin | Katapult MV GmbH Nasrin Morgan |
| Weblink | katapult-mv.de |
Seit dem 1. Juni 2021 erscheint unter dem Namen Katapult MV eine regionale Zeitung für Mecklenburg-Vorpommern.[13] Die Artikel werden täglich online und einmal im Monat als gedruckte Ausgabe für Abonnenten veröffentlicht.[14] Die erste gedruckte Ausgabe wurde im September 2021 publiziert.
Katapult erklärte die Gründung von Katapult MV mit dem Wunsch, die regionale Zeitungslandschaft zu pluralisieren und ein Gegengewicht zur Regionalzeitung Nordkurier zu schaffen, die nach Aussage des damaligen Katapult-Chefredakteurs Benjamin Fredrich „systematisch mit Rassismus“ arbeite.[15] Nach knapp drei Tagen hatte die neue Regionalzeitung bereits über 2.450 Abonnenten, zum Jahresanfang 2023 waren es knapp über 5.200.[16][17] Ziel ist es, mit steigender Abonnentenzahl weitere Redakteure einzustellen, um so neben der Landesberichterstattung später auch eine flächendeckende Lokalberichterstattung in Groß- und Kleinstädten bieten zu können.[18][19] Derzeit (Stand: 8. November 2025) arbeiten fünf Personen für Katapult MV.[20]
Katapult Sachsen
Im Juli 2024 kündigte Katapult die Gründung einer regionalen Zeitung für das Bundesland Sachsen an. Ziel war es, noch vor der Landtagswahl 2024 eine umfassende Verbreitung einer demokratischen Zeitung zu erreichen.[21] Die nullte Ausgabe erschien im August 2024. Die erste reguläre Ausgabe erschien im August 2025 mit einer Auflage von 25.000 Exemplaren. Der Redaktionssitz befindet sich in Chemnitz.[22] Der Standort besteht aus der Lokalredaktion und einem Buchhandel in Chemnitz-Sonnenberg.[23]
Geschichte
Das Magazin wurde im März 2015 von Benjamin Fredrich gegründet.[24] Laut eigenen Aussagen riet man ihm ab, es drucken zu lassen; auch sollte er damit nach Berlin gehen, weil dort die Infrastruktur für Startups besser sei. Das Team des Magazins wurde von März 2015 bis Februar 2016 vom Förderprogramm „EXIST“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt. Anfangs veröffentlichte Katapult seine Artikel und Grafiken nur online,[25] im April 2016 erschien die erste gedruckte Ausgabe.[26]
Benjamin Fredrich trat nach einer kritischen Recherche von Übermedien im Januar 2023 als Chefredakteur und Herausgeber zurück, um sich ausschließlich auf das neu gegründete Katapult-Ukraine zu kümmern.[27][28] Das Katapult-Ukraine wurde anschließend in Pultu umbenannt und auf Geopolitik und Detailkarten spezialisiert.
Katapult betreibt seit 2022 ein Geflüchtetenheim in Greifswald. Es entstand, weil die Stadt Greifswald zu wenig Wohnraum für die Geflüchteten aus der Ukraine hatte.[29]
Am 5. September 2023 gab Katapult bekannt, kurz vor einer Insolvenz zu stehen. Nach Eigenangaben hatte der Verlag ein Defizit von insgesamt 450.000 Euro. Der Verlag gab an, unrentable Projekte, wie eine geplante Journalismusschule und die Romansparte des Buchverlags aufzugeben und sich auf das rentable Kerngeschäft zu konzentrieren.[30] Zwei Wochen später konnte die drohende Insolvenz nach eigenen Angaben durch Spenden, Einkäufe im Online-Shop und neue Abonnements[31] abgewendet werden.[32] 2024 verkündete das Börsenblatt, dass sich der Umsatz des Medienhauses durch "Restrukturierung, Einsparungen, Preiserhöhungen und einem Appell zur Unterstützung" wieder gesteigert hat.[33]
Auszeichnungen
Die Idee für das Magazin wurde 2014 mit dem zweiten Platz des UNIQUE-Ideenwettbewerbs und dem Sonderpreis des UNIQUE+-Businessplanwettbewerbs der Universität Greifswald ausgezeichnet.[34][35]
Der Katapult‑Verlag wurde auf der 29. Ausgabe der Messe Buchlust am 18. und 19. November 2023 mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.[36]
Printausgaben
Katapult-Magazin
Die erste gedruckte Ausgabe erschien am 30. März 2016 mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren und wurde in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertrieben. Auf 100 Seiten wurden darin in 20 Artikeln die Themen Migration, Diktaturen und Korruption behandelt. Bis September 2020 erschienen 19 Ausgaben. Im September 2021 hatte das Magazin nach eigenen Angaben eine Auflage von 150.000 Exemplaren,[37] die in Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz vertrieben werden. Seit der 27. Ausgabe, die im Oktober 2022 erschien, ist die Auflagenanzahl erstmals nicht gestiegen, sondern stark auf 115.000 Exemplare gesunken.[38]
Knicker
| Katapult. Knicker | |
|---|---|
| Beschreibung | Populärwissenschaftliches Magazin |
| Fachgebiet | Sozialwissenschaften |
| Verlag | Katapult-Magazin gGmbH (Deutschland) |
| Hauptsitz | Greifswald |
| Erstausgabe | Oktober 2018 |
| Erscheinungsweise | vierteljährlich |
| Chefredakteur | Benjamin Fredrich |
| Herausgeber | Benjamin Fredrich |
| Weblink | katapult-magazin.de |
| ZDB | 2945635-6 |
Seit Oktober 2018 gibt es außer dem Katapult-Magazin auch das Sonderheft Knicker, das ein einziges Thema auf einer Karte im Format DIN A1 behandelt.[39] Während das Sonderheft Knicker bis zur 17. Ausgabe nach eigenen Angaben eine Auflage von 130.000 Exemplaren hatte, beträgt die Auflage seit Ausgabe 18 nur noch 70.000 Exemplare (Stand 18. Januar 2023).[40]
Pultu-Magazin
Pultu (vormals Katapult Ukraine) ist ein Magazin, das infolge des russischen Einmarschs in die Ukraine gegründet wurde.[41][42] Während Katapult für seine Karten, Grafiken und Studien bekannt ist und auf Illustrationen setzt, konzentriert sich Pultu auf Geopolitik, fotobasierte Reportagen und längere Hintergrundartikel.[43] Bei der Erstausgabe im Dezember 2022 bestand die Redaktion aus elf Mitarbeitern.[44]
Im Jahr 2024 wurde die ukrainische Partnerdruckerei FaktorDruk aus Charkiw von drei Raketen getroffen. Katapult hatte hier das Magazin Pultu gedruckt. Bei dem Angriff kam es zu schweren Zerstörungen in der Buchbinderei, sieben Menschen verloren ihr Leben, 14 wurden schwer verletzt.[45]
Statistik
| 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 |
|---|---|---|---|---|---|
| 28.000 | 50.000 | 177.000 | 388.000 | 950.000 | 2.500.000 |
| 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2023 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 0 | 1.201 | 7.044 | 13.600 | 23.500 | 71.000 | 73.500 |
| weiblich | männlich |
|---|---|
| 14 | 18 |

Audioproduktionen
Katapult produzierte zusammen mit dem Radiosender detektor.fm eine wöchentliche Besprechung einer wissenschaftlichen Karte (Feature: „Karte der Woche“) oder Statistik zu einem aktuellen Thema (Feature: „Zahlen bitte“).[57] Die Rubrik wurde 2019 eingestellt.
2023 gab es eine achtteilige Podcast-Serie zum Thema "Krieg und ..." von Redakteurin Juli Katz. Seit 18. April 2025 veröffentlicht die Redakteurin Ella Daum den Podcast "Katapult der Woche", der einige der Artikel aus der letzten Zeit vorstellt.[58]
Der Rapper Veedel Kaztro produzierte einen Soundtrack Die Bild ist tot als Magazinmusik für die 13. Ausgabe des Katapult-Magazins.[59] Er behandelt die sinkende Auflagenzahl der Bild-Zeitung. Im Januar 2020 folgte als Soundtrack zur 16. Ausgabe Veedel Kaztros Song Papier Planet.[60]
Plagiatsvorwürfe
Der damalige Katapult-Chefredakteur Benjamin Fredrich warf der Süddeutschen Zeitung am 16. Februar 2020 vor, Grafiken von Katapult zu kopieren und mit kurzer Zeitverzögerung in der Statistikrubrik Unterm Strich zu veröffentlichen.[61] Der zuständige Redakteur der Süddeutschen Zeitung gab die Übernahme der Werke nach Angaben von Fredrich zu. Nach der Veröffentlichung der Vorwürfe stellte die Süddeutsche Zeitung die gesamte Rubrik ein.[62][63]
Der Hamburger Verlag Hoffmann und Campe veröffentlichte im März 2020 das Buch Gute Karten: Deutschland, wie Sie es noch nie gesehen haben.[64] Benjamin Fredrich warf dem Verlag und deren Autoren Tin Fischer und Mario Mensch vor, das gesamte Konzept, das Layout und auch einzelne Karten für dieses Buch von Katapult kopiert zu haben.[65] Tin Fischer empfand die anschließende Wut der Katapult-Leserschaft als Shitstorm und wies die Vorwürfe zurück.[66] Auch Hoffmann und Campe wies alle Vorwürfe zurück.[67] Der Medienrechtler Tilman Winterling schätzte die Plagiatsvorwürfe hinsichtlich der unrechtmäßigen Aneignung des Konzepts in einem Interview mit dem Deutschlandfunk als „wahrscheinlich nicht justiziabel“ ein.[68] Denn ein solches Konzept sei „nicht richtig schutzfähig“. Hier müsse man einzelne Karten miteinander vergleichen, um das urheberrechtlich zu überprüfen. Aus wettbewerbsrechtlicher Sicht könne hingegen eine Nachahmung vorliegen.[68] Die Frankfurter Allgemeine Zeitung deutete bei dem Plagiatsvorwurf auf die Ähnlichkeit der Covers hin.[69] Die Welt stimmte Fredrichs Standpunkt zu, dass bei einigen Karten Übereinstimmungen bestehen.[70] Der Deutschlandfunk nannte es einen „Buch-Klon“,[71] der sich laut dem Neuen Deutschland „auf sehr dreisten Grauzonen-Wegen“[72] bewegt.
Autoren (Auswahl)
- Tamar Amar-Dahl
- Joachim Behnke
- Wolfgang Benz
- Hubertus Buchstein
- Christoph Deutschmann
- Daniel Gerlach
- Reinhold Hedtke
- Marcel Helbig
- Birgit Heller
- Gerald Hüther
- Ferhad Ibrahim Seyder
- Martin Keune
- Rainer Maria Kiesow
- Dieter H. Kollmer
- Sebastian Liebold
- Horst Meier
- Helmut Müller-Enbergs
- Hedwig Richter
- Brigitte Röder
- Joachim Scharloth
- Michael F. Scholz
- Edgar Wagner
Weblinks
- Offizielle Website
- Michalis Pantelouris: Wo „Kartografik“ mehr ist als nur kein Wort., Kolumne über Katapult, in: Übermedien, 8. März 2017.
- Stefanie Groth: „Katapult“: Große Töne, viel dahinter. In: Zapp, 2. Oktober 2019.
Literatur
- Sophia Rockenmaier: Die Print-Happy-Hippos. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 6. Februar 2022, S. 39.