Kathi Littich
deutsche Metzgermeisterin
From Wikipedia, the free encyclopedia
Katharina Kathi Littich (* 1870 in Oberlindhart; † 1945 in Bad Tölz) war eine deutsche Metzgermeisterin. Sie war die erste Frau, die die Prüfung zur Metzgermeisterin erfolgreich ablegte.

Leben
Kathi Littich wurde 1870 in Oberlindhart geboren. Sie heiratete einen Metzgermeister und lebte mit ihm in Ergoldsbach. Im Jahr 1912 legte sie als erste Frau die Prüfung zur Metzgermeisterin im Fleischergewerbe vor der Kommission im Schlachthof von Straubing in Bayern ab. Frauen waren in handwerklichen Berufen eine große Ausnahme und gerade der Beruf des Metzgers, der viel Kraft erforderte, war kein Beruf für eine Frau. In ihrer Prüfung tötete und zerlegte sie mit großem Geschick einen Ochsen, ein Schwein und ein Kalb. Auch in ihrer theoretischen Prüfung bekam sie gute Noten.[1]
Internationales Aufsehen

Diese erfolgreiche Prüfung zur Metzgermeisterin löste eine internationale Berichterstattung aus. Die Allgemeinen Fleischer-Zeitung lobte das als „nicht aufzuhaltender Fortschritt“. Jedoch hagelte es entrüstete Leserbriefe. Das Pariser Jugendmagazin „La Jeunesse illustrée“ berichtete am 16. Februar 1913 über die Metzgermeisterin, Madame Kathi Littich aus Ergoldsbach in Niederbayern, in der Sparte „Wahre Begebenheiten“. Es berichtete über ein Handwerk, welches ganz und gar unweiblich wäre und dennoch habe dennoch hätte Madame Kathi, Ehefrau eines Metzgers im niederbayerischen Ergoldsbach, die Fleischerprüfung mit Bravour bestanden und den Titel der Metzgermeisterin errungen. Der Artikel war mit einer Grafik bebildert, die eine zierliche Frau mit ondulierter Hochsteckfrisur zeigt, welche in voller Grazie vor einem ausblutenden Kalb posiert, ein schwertähnliches Schlachtermesser in der einen, die Kalbshaxe, triumphierend, einer Göttin gleich, in der anderen Hand hochhaltend.[2]
„Kriegsausbruch wegen Beefsteaks“
Ein großer Hotelbesitzer aus New York machte ihr ein Jobangebot: für ein Jahresgehalt in Höhe von 50.000 Dollar sollte sie in seinem Hotel in New York arbeiten. Er schickte einen Repräsentanten, der Kathi Littich in Ergoldsbach aufsuchte und dieser unterbreitete ihr das Angebot. Ein Betrag von 50.000 Dollar war bereits vor Antritt ihrer Reise bei einem bayerischen Bankhaus hinterlegt worden. Eine derartige Summe war bis zu dem Zeitpunkt nur Primadonnen und Varietésternen gezahlt worden, aber nicht Frauen für eine praktische Arbeit.[1] Sie sollte für zwei Jahre in New York arbeiten, dort vor einem öffentlichen Publikum schlachten, Schnitzel, Filets und Würste zubereiten. Um dieses Angebot auch rechtskräftig anzunehmen, benötigte Kathi Littich jedoch die Zustimmung ihres Ehemannes. Dieser lehnte ihre Auswanderungspläne jedoch ab und da er gemäß dem im Deutschen Kaiserreich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch von 1896 das Recht dazu hatte, musste Kathi Littich ihre Pläne aufgeben. Darüber berichtete der Reporter des „Excelsior“, Paul Naulais, mit der Schlagzeile: „Kriegsausbruch wegen Beefsteaks“ am 1. September 1912. In dem Artikel ging es jedoch nicht nur um die Streitigkeiten des Ehepaares über das Jobangebot, sondern aufgrund des Vertragsbruchs, Kathi Littich hatte das Angebot bereits angenommen, drohte der Hotelbesitzer damit, amerikanische Truppen nach Kiel senden zu lassen und die Hafenstadt bombardieren zu lassen. Den Konflikt schlichtete schließlich der amerikanische Konsul. Er fand einen für beide Parteien tragfähigen Kompromiss. Der Hotelbesitzer zahlte dem Ehepaar Littich einmalig 10.000 Dollar für das Monopol auf den Verkauf von Ansichtskarten, auf denen Kathi Littich mit Säge neben ihren geschlachteten Ochsenhälften abgebildet war. Damit war auch ihr Gatte einverstanden.[2]