Kathy Ferguson

US-amerikanische Politikwissenschaftlerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Kathy E. Ferguson (* 1950) ist eine US-amerikanische Politikwissenschaftlerin und feministische Politische Theoretikerin. Sie ist Professorin für Politikwissenschaft und Women, Gender, and Sexuality Studies (WGSS) an der University of Hawaiʻi at Mānoa, wo sie seit Herbst 2025 als Interim Chair des WGSS-Departments amtiert. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der feministischen Theorie, der anarchistischen Politischen Theorie und der Kritik von Bürokratie und Militarismus. Ferguson gehört zu den 25 meistzitierten Politischen Theoretikerinnen und Theoretikern in den Vereinigten Staaten[1] und wurde 2009 mit dem Okin-Young Award der American Political Science Association für den besten Aufsatz in feministischer Politischer Theorie ausgezeichnet.

Leben und Wirken

Kathy E. Ferguson wuchs auf einer Farm in Indiana auf.[2] Sie erwarb 1972 den B.A. in Politikwissenschaft an der Purdue University und wurde 1976 an der University of Minnesota mit der ersten feministischen Dissertation des Fachbereichs promoviert.[3] Von 1976 bis 1985 lehrte sie am Siena College in Albany, New York, wo sie das dortige Women and Minority Studies Program mitbegründete und als dessen erste Direktorin fungierte. In dieser Zeit erschienen ihre ersten beiden Monographien: Self, Society, and Womankind (1980) sowie The Feminist Case Against Bureaucracy (1984), die zu einem Standardwerk der feministischen Organisationstheorie avancierte.

1985 wechselte Ferguson an die University of Hawaiʻi at Mānoa, wo sie seither als Professorin für Politikwissenschaft und Women, Gender, and Sexuality Studies lehrt und zeitweilig als Departmental Chair des Department of Political Science amtierte.[4] Seit Herbst 2025 fungiert sie als Interim Chair des Department of Women, Gender, and Sexuality Studies.[5] Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte führten sie an das Institut für Höhere Studien in Wien, an die Universität Göteborg und 2019 an die University of Roehampton in London.[3] 1999 erhielt sie ein Fulbright-Stipendium für einen Forschungsaufenthalt an der Ben-Gurion-Universität des Negev in Be’er Scheva, Israel.[6]

Forschung

Feministische Bürokratiekritik und Subjektivitätstheorie

Fergusons Werk The Feminist Case Against Bureaucracy (Temple University Press, 1984) analysiert die zunehmende Bürokratisierung von Arbeit und Politik als ein Phänomen, das die Möglichkeiten sinnvoller demokratischer Teilhabe systematisch untergräbt. Die Monographie wurde in der American Political Science Review besprochen[7] und verzeichnet auf Semantic Scholar über 1.100 Zitationen.[8]

In der Folgestudie The Man Question: Visions of Subjectivity in Feminist Theory (University of California Press, 1993) stellte Ferguson die herkömmliche „Frauenfrage“ auf den Kopf, indem sie Maskulinität als erklärungsbedürftiges Problem thematisierte. Wendy Brown (Berkeley) lobte das Werk für seine Verbindung von Klarheit, Witz und Gelehrsamkeit und attestierte ihm, der feministischen Theorie neue Räume zu eröffnen.[9] Die Monographie verzeichnet über 220 Zitationen.

Anarchismus und Emma Goldman

Mit Emma Goldman: Political Thinking in the Streets (Rowman & Littlefield, 2011) legte Ferguson eine Studie vor, die Emma Goldman erstmals systematisch als politische Denkerin – nicht nur als Aktivistin oder Ikone – ernst nimmt. Nathan J. Jun bewertete das Buch in Contemporary Political Theory als „great achievement“, das sowohl für die Anarchismusforschung als auch für die Politische Theorie im engeren Sinne grundlegend sei.[10] Der zugrundeliegende Aufsatz „Discourses of Danger: Locating Emma Goldman“ (Political Theory 36, 2008, S. 735–761) wurde 2009 mit dem Okin-Young Award in Feminist Political Theory der American Political Science Association als bester feministisch-politiktheoretischer Aufsatz des Vorjahres ausgezeichnet.[11]

Fergusons jüngere Forschung wendet sich der Rolle des Buchdrucks in der anarchistischen Bewegung (1870–1940) sowie den zahlreichen Frauen zu, die von der Pariser Kommune bis zum Spanischen Bürgerkrieg im Anarchismus aktiv waren; zu beiden Themen bereitet sie Monographien vor.[2]

Militarismus und Globalisierung

Gemeinsam mit Phyllis Turnbull verfasste Ferguson Oh, Say, Can You See? The Semiotics of the Military in Hawaiʻi (University of Minnesota Press, 1999), eine semiotische Analyse der militärischen Präsenz auf den Hawaiʻi-Inseln. Mit Monique Mironesco edierte sie den Sammelband Gender and Globalization in Asia and the Pacific (University of Hawaiʻi Press, 2008).

Überblicksdarstellung

Fergusons Übersichtsaufsatz „Feminist Theory Today“ im Annual Review of Political Science (20, 2017, S. 269–286) bietet eine breit rezipierte Bestandsaufnahme zeitgenössischer feministischer Theorie und verzeichnet über 60 Zitationen.[12]

Auszeichnungen

  • 1999: Fulbright-Stipendium für die Ben-Gurion-Universität des Negev
  • 2003: Board of Regents Excellence in Teaching Award, University of Hawaiʻi[4]
  • 2009: Okin-Young Award in Feminist Political Theory der American Political Science Association (gemeinsam mit C. Heike Schotten)[13]
  • 2010: Excellence in Application Award, University of Hawaiʻi[4]
  • 2019: Robert W. Clopton Award for Distinguished Community Service, University of Hawaiʻi at Mānoa[4]
  • 2019: Aufnahme in die Top 25 der meistzitierten Politischen Theoretiker in den USA im Ranking The Political Science 400 von Hannah June Kim und Bernard Grofman, basierend auf Google-Scholar-Zitationsindices[14]

Schriften (Auswahl)

Monographien und Herausgeberschaften

  • Self, Society, and Womankind: The Dialectic of Liberation. Greenwood Press, Westport CT 1980.
  • The Feminist Case Against Bureaucracy. Temple University Press, Philadelphia 1984.
  • The Man Question: Visions of Subjectivity in Feminist Theory. University of California Press, Berkeley 1993.
  • Kibbutz Journal: Reflections on Gender, Race and Militarism in Israel. Trinity Press, Pasadena 1995.
  • mit Phyllis Turnbull: Oh, Say, Can You See? The Semiotics of the Military in Hawaiʻi. University of Minnesota Press, Minneapolis 1999.
  • mit Monique Mironesco (Hrsg.): Gender and Globalization in Asia and the Pacific. University of Hawaiʻi Press, Honolulu 2008.
  • Emma Goldman: Political Thinking in the Streets. Rowman & Littlefield, Lanham MD 2011.

Aufsätze

Einzelnachweise

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