Kaveh Madani
iranischer Wissenschaftler und Umweltaktivist
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Kaveh Madani (persisch کاوه مدنی; geb. 30. Juli 1981 in Teheran) ist ein iranischer Hydrologe und Umweltaktivist.[1] Seit 2022 leitet er das Institute for Water, Environment and Health (UNU-INWEH) der Universität der Vereinten Nationen in Richmond Hill (Ontario, Kanada).[2]

Leben
Kaveh Madani studierte Bauingenieurwesen an der Universität Täbris (B.Sc.), danach Wassermanagement an der Universität Lund (M.Sc.).[3] 2009 wurde er im Fach Civil and Environmental Engineering (CEE) von der University of California in Davis (UC Davis) promoviert.[3] Danach forschte er als Postdoc an der University of California in Riverside. Von 2011 bis 2013 war er Assistant Professor an der University of Central Florida. Danach entwickelte er als Visiting Professor am Zentrum für Umweltpolitik (CEP) des Imperial College London Methoden des Managements von Wasserressourcen. Dazu wandte er mathematische Modelle der Spieltheorie an.[3]
2017 lud Hassan Rohani, der Staatspräsident der Islamischen Republik Iran, Madani ein, als stellvertretender Umweltminister in sein Heimatland zurückzukehren.[4] Madani sagte zu, weil er hoffte, durch Umwelt- und Wasserschutz etwas für seine Landsleute bewirken zu können, und auch, um durch sein Beispiel andere iranische Wissenschaftler zu ermutigen, ihr Wissen in ihr Heimatland einzubringen.[5] Doch schon bei der Einreise wurde er am Flughafen Teheran als vermeintlicher Spion verhaftet.[3] Nach seiner Freilassung initiierte er unter dem Leitwort „Fang bei dir selbst an“ die „Kein Müll“-Kampagne gegen die verbreitete Praxis, den Abfall in der Umwelt zu „entsorgen“.[1] Es gelang ihm, das Thema Umwelt in die Lehrpläne der Schulen einzubringen.[1] Als Delegationsleiter vertrat er sein Land bei der UN-Klimakonferenz in Bonn 2017. Dort wies er darauf hin, dass das Pariser Klimaabkommen kaum auf die Wasserknappheit einging.[3] Im Iran versuchte er vergeblich, Transparenz bei der Verteilung des knappen Wassers zu schaffen. Zudem prangerte er an, dass die Machthaber im Iran die Wasserknappheit allein dem Klimawandel zuschrieben, um so von ihrem Versagen in der Wasserwirtschaft abzulenken.[5] Damit machte er sich Feinde: „Ich galt als Nestbeschmutzer, als vom Westen beeinflusst, wenn ich über die Umweltprobleme redete. Sie nannten mich einen Wasserterroristen.“[6] Im Januar 2018 wurde er zusammen mit anderen Umweltaktivisten auf Betreiben der Islamischen Revolutionsgarde verhaftet, ebenso sein Weggefährte Kavous Seyed-Emami,[3] der am 9. Februar 2018 im Evin-Gefängnis zu Tode kam.[7] Madani wurde freigelassen. Er verließ den Iran.[8]
Danach nahm Madani seine wissenschaftliche Arbeit wieder auf. Er war Vizepräsident des United Nations Environment Assembly Bureau, das dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen zugeordnet ist. Er forschte und lehrte an der Yale University, deren MacMillan Center for International and Area Studies er als Senior Fellow weiterhin verbunden ist.[9] 2021 wurde er Professor am City College of New York (CCNY).[10]
Madani ist Mitglied der American Society of Civil Engineers, der American Geophysical Union, der American Water Resources Association und des Environmental and Water Resources Institute (EWRI).[11]
Schriften
- Water management in Iran: what is causing the looming crisis? In: Journal of environmental studies and sciences, Jg. 4/2014, S. 315–328
- als Herausgeber mit Shafiqul Islam: Water diplomacy in action. Contingent approaches to managing complex water problems. Anthem Press, London und New York 2017, ISBN 978-1-78308-490-6.
- als Mitherausgeber: Water resources in arid lands: management and sustainability. Springer, Cham 2021, ISBN 978-3-030-67027-6.
- Iran’s decision-makers must shoulder the blame for its water crisis. In: The Guardian, 5. August 2021, abgerufen am 4. Mai 2026.
Auszeichnungen
- 2012: New Face of Civil Engineering, Auszeichnung der American Society of Civil Engineers[12]
- 2016: Arne Richter Award der European Geosciences Union für Fundamental contributions to integrating game theory and decision analysis into water management models[13]
- 2017: Walter L. Huber Civil Engineering Research Prize der American Society of Civil Engineers für „seine bahnbrechende Forschung in der Entwicklung von Methoden zur Zuteilung knapper Wasserressourcen, die Konfliktlösungs- und spieltheoretische Konzepte für die Anwendung in komplexen Wasserressourcensystemen zusammenführen“.[14]
- 2026: Stockholm Water Prize[15]
Literatur
- Richard Stone: Iranian researcher went home to serve his country. Now, ‘I realize that I’m lucky I’m not in prison’. Water specialist Kaveh Madani describes harrowing experience. In: Science, American Association for the Advancement of Science (AAAS), 24. Mai 2018, abgerufen am 4. Mai 2026.
- Frauke Zbikowski: „Sie nannten mich einen Wasserterroristen“. Kaveh Madani will die wichtigste Ressource der Menschheit schützen. Das brachte ihn in Gefahr. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. April 2026, S. N1.