Kebede Michael
äthiopischer Schriftsteller
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Kebede Michael (amharisch: ከበደ ሚካኤል; * 2. November 1916 in Menz; † 12. November 1998) war ein äthiopischer Schriftsteller, Dichter, Dramatiker, Essayist, Übersetzer und Intellektueller, welcher die moderne äthiopische Literatur und die Debatten über Zivilisation und Modernisierung maßgeblich prägte.[1] Besondere Bekanntheit erlangte er mit dem Band Japan endet Seletenech? (amharisch: ጃፓን እንደምን ሰለጠነች?), in dem er die Meiji-Modernisierung als Vorbild für Äthiopien diskutierte.[2] Seine Dramen, Gedichte und populären Wissensbücher werden von äthiopischen Medien bis heute regelmäßig rezipiert und zitiert.[3]

Leben
Kebede Michael wuchs in der Region Šäwa auf; nach einer kirchlichen Grundausbildung besuchte er in Addis Abeba die Catholic Cathedral School, die Lazaristen-Missionsschule und die Alliance Éthio-Française.[4] Er bezeichnete sich als im Wesentlichen autodidaktisch gebildet; sein formaler Bildungsweg reichte nicht über die Sekundarstufe hinaus.[1] Seit den 1940er-Jahren veröffentlichte er Schul- und Sachbücher und trat zugleich in den Staatsdienst.[4] Er bekleidete Positionen als Generaldirektor im Bildungsministerium und im Außenministerium, als Leiter der Postverwaltung sowie als Leiter der Nationalbibliothek und -archive.[4] In den späten 1950er-Jahren wurde er erster Leiter des staatlichen Archaeology Office in Äthiopien.[5] Für seine literarischen Verdienste erhielt er den Haile-Selassie-Preis (Amharic Literature) sowie eine Ehrendoktorwürde der Addis-Abeba-Universität.[4]
Wirken
Kebede Michaels Œuvre reicht von Dramen wie Belaineh und Yetinbit Qetero über Lyrikbände wie Tarikina Misale und Yekine Azmra bis zu Essay- und Wissensbüchern wie Yesilitane Ayer und Anibal.[4][6] Er übertrug zudem Werke wie Shakespeares Romeo und Julia ins Amharische und prägte damit den Literaturbetrieb der Nachkriegszeit.[4] Mit Japan endet Seletenech? popularisierte er Vergleiche zwischen Japans Modernisierung und Äthiopiens Entwicklungsweg und verstand Modernisierung als Synthese ohne kulturelle Selbstaufgabe.[2] Die anhaltende Präsenz dieses Buches in politischen Kommentaren zeigt die lang wirkende Bedeutung seines Denkens.[2] Zeitgenössische Feuilletons und Kulturbeiträge verweisen immer wieder auf seine Gedichte, etwa aus Yekine Azmra, die im kulturellen Gedächtnis präsent geblieben sind.[7] Er zählt zu den produktivsten Autoren des Landes.[4][1]
Auch in jüngeren Debatten über Kultur und Bildung wird Kebede Michael als zentraler Bezugspunkt genannt, wenn es um die Rolle von Literatur und Zivilisation in Äthiopien geht.[8] Ebenso taucht sein Name in kulturjournalistischen Rückblicken als Vertreter einer „goldenen“ Generation äthiopischer Autorinnen und Autoren auf.[3]