Kehrichtverwertungsanlage Winterthur
Anlage zur energetischen Verwertung von Abfällen in Winterthur
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Die Kehrichtverwertungsanlage Winterthur (KVA Winterthur) ist eine Anlage zur energetischen Verwertung von Abfällen in Winterthur. Die im Jahr 2025 verarbeitete Abfallmenge betrug rund 215 000 Tonnen.[1] Durch Wärme-Kraft-Kopplung werden je rund 20 Prozent des Winterthurer Strom- und Wärmebedarfs durch die KVA gedeckt.[2]
| Kehrichtverwertungsanlage Winterthur | |||
|---|---|---|---|
| Lage | |||
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| Koordinaten | 699081 / 261623 | ||
| Daten | |||
| Primärenergie | Müllverbrennung | ||
| Leistung | 22 MW (elektrisch) oder 50 MW (für Fernwärme) | ||
| Eigentümer | Stadt Winterthur | ||
| Betreiber | Stadtwerk Winterthur | ||
| Projektbeginn | 1963 | ||
| Betriebsaufnahme | 1965 | ||
| Eingespeiste Energie pro Jahr | Wärme: 200 GWh | ||
| Website | https://stadtwerk.winterthur.ch/Angebot/Entsorgung/Kehrichtverwertung | ||
| Stand | 2025 | ||
Geschichte

Vor der Inbetriebnahme der Kehrichtverwertungsanlage wurde der Abfall der Region in verschiedenen Deponien gelagert. Die KVA nahm 1965 mit zwei Verbrennungslinien ihren Betrieb auf und entsorgte neben dem Kehricht von Winterthur auch den von elf weiteren Gemeinden (Kapazität: 54 000 Tonnen pro Jahr). Seit 1971 produziert die KVA mit Dampfturbinen Strom. Wegen steigender Abfallmengen wurde 1978 eine weitere Verbrennungslinie realisiert (die heutige Verbrennungslinie 1). Die beiden ersten Ofenlinien wurden 1983 stillgelegt. In einer Volksabstimmung wurde am 28. September 1986 der Bau der neuen Verbrennungslinie 2 mit Rauchgasreinigung beschlossen; 1994 wurde sie in Betrieb genommen. Damit standen wieder zwei Verbrennungslinien zur Verfügung, sodass die Kehrichtverwertung auch bei Revisionen und Betriebsstörungen aufrechterhalten werden konnte. Die Erneuerung der Verbrennungslinie 1 wurde 2007 beschlossen und in den Jahren 2009 bis 2012 durchgeführt. Gleichzeitig wurde die Rauchgasreinigung um eine vierte Stufe zur Dioxin- und Furanabscheidung erweitert.[2] Im Zuge der Umbauarbeiten wurde im Juli 2012 auch der 80 Meter hohe Kamin der KVA abgebrochen und durch neue Schornsteine von 60 Meter Höhe ersetzt. Mit der höheren Temperatur und der geringeren Feuchtigkeit der Abgase nach dem Umbau reduzierte sich die Dampffahne, und das Phänomen von Industrieschnee verschwand. 2025 entsorgte die KVA Winterthur den Abfall von 52 Gemeinden und verwertete 215 000 Tonnen Abfall.[1]
Seit den 2010er-Jahren gab es aussergewöhnlich häufig Brände in der KVA Winterthur, die zu Schäden von 15 Millionen Franken führten. Ein Grossteil der Brände in Kehrichtverwertungsanlagen im Kanton Zürich entfiel auf die KVA Winterthur. Hauptgrund dafür ist eine ungünstige Bunkergeometrie, welche Bunkerbrände begünstigt.
Eine Erneuerung der Verbrennungslinie 2 mit verbesserter Rauchgasreinigung und Wärmeauskopplung ist geplant. Künftig sollen so ein Drittel des Wärmebedarfs von Winterthur gedeckt und 12,6 Kubikmeter Frischwasser pro Stunde eingespart werden.[3] Dem für den Bau notwendigen Kredit in Höhe von 293 Millionen Franken stimmte die Bevölkerung am 22. September 2024 zu.[4] Ebenfalls angedacht ist der Bau einer Anlage zur CO2-Abscheidung und -Speicherung.[3]
Technik
Die Abfälle werden an fünf Abladestellen angenommen und in einem Bunker mit einer Kapazität von 8000 Kubikmetern gelagert. In Zeiten, wo viel Abfall anfällt und wenig Fernwärme gebraucht wird, werden Abfallballen in der Deponie Riet zwischengelagert, um diese in Zeiten mit wenig Abfall und viel Wärmebedarf (z. B. zwischen Weihnachten und Neujahr) zu verbrennen. 2025 stammten ungefähr 30 Prozent der verbrannten Abfälle aus Siedlungskehricht, der Rest war Marktkehricht (vor allem Bauabfälle). Von dem Bunker werden die Abfälle auf die zwei Verbrennungslinien mit den folgenden technischen Daten aufgeteilt:
| Verbrennungslinie 1 | Verbrennungslinie 2 | |
|---|---|---|
| Abfalldurchsatz in t/h | 10,5 | 12,5 |
| Inbetriebnahme | 2012 | 1993 |
| Rostlieferant | Martin | |
| Kessellieferant | Wulff | Sulzer |
| Dampferzeugung in t/h | 45 | 56 |
| Dampfdruck in bar | 43 | |
| Dampftemperatur in °C | 400 | |
Die Rauchgase werden in vier Stufen, bestehend aus Elektrofiltern, Rauchgaswäsche und Oberflächenfiltern, gereinigt. Der Anteil des fossilen CO2 relativ zu den gesamten CO2-Emissionen im Abgas hängt von der Zusammensetzung des verbrannten Abfalls ab; 2011 betrug dieser Anteil 45 Prozent.[5] Das Abwasser der Rauchgaswäsche wird vorbehandelt und anschliessend zur Abwasserreinigungsanlage Winterthur-Hard weitergeleitet.[2] Der produzierte Dampf wird für Fernwärme genutzt oder durch die MAN-Dampfturbine und den Generator mit einer maximalen Leistung von 22 MW in elektrische Energie umgewandelt.[6]
Kunst am Bau

Nach der Erneuerung der Verbrennungslinie 1 wurde im Jahr 2013 das Werk Kerberos der Schweizer Künstlerin Katja Schenker an der KVA installiert. Kerberos ist ein 225 Meter langer und 4 Meter hoher Zaun aus verformten Gittermatten, der die KVA an der St. Gallerstrasse und am Scheideggweg einfasst. Der Titel des Werks bezieht sich auf den Höllenhund Kerberos aus der griechischen Mythologie.[7] Das Kunstwerk löste Diskussionen aus, unter anderem wegen der Kosten in Höhe von 380 000 Franken, die durch die Abfallgebühren finanziert wurden.[8]

