Keiko Fujimori
peruanische Politikerin
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Keiko Sofía Fujimori Higuchi (* 25. Mai 1975 in Lima)[1] ist eine peruanische Politikerin. Seit 2026 ist sie Präsidentin von Peru.

Sie ist die zentrale Politikerin von Fuerza Popular und eine führende Vertreterin des Fujimorismus, der eng mit dem Erbe ihres Vaters Alberto Fujimori verbunden ist.[2]
Leben
Herkunft, Ausbildung und Familie
Keiko Fujimori ist die Tochter des ehemaligen peruanischen Präsidenten Alberto Fujimori und der früheren Kongressabgeordneten Susana Higuchi.[3] Im Jahr 1992 beendete sie ihre Schullaufbahn an der Sagrados Corazones Recoleta in Lima. Im folgenden Jahr ging sie für ein betriebswirtschaftliches Studium in die Vereinigten Staaten. Sie begann das Studium an der Stony Brook University und erwarb 1997 einen Bachelor-Abschluss an der Boston University.[4] Nach dem Rücktritt ihres Vaters blieb sie bis 2004 in Peru und nahm anschließend ein Studium zum Master of Business Administration an der Columbia University in New York auf.[5] Sie unterbrach 2005 für die Rückkehr nach Peru ihr Studium, nachdem ein Auslieferungsverfahren gegen ihren Vater angestrengt worden war, und schloss den MBA 2008 ab.[4] Keiko Fujimori ist mit Mark Vito Villanella verheiratet, einem US-Amerikaner, der 2009 die peruanische Staatsbürgerschaft annahm. Sie haben mit der 2007 geborenen Kyara Sofia und der 2009 geborenen Kaori Marcela zwei Töchter.
First Lady und öffentliches Profil
Nach der Scheidung ihrer Eltern ernannte ihr Vater sie im August 1994 zur Primera Dama von Peru. Im Alter von 19 Jahren und noch während ihres Studiums wurde sie damit zur jüngsten First Lady des amerikanischen Kontinents.[6] Während der Präsidentschaft ihres Vaters übte sie von 1994 bis 2000 repräsentative Aufgaben als First Lady aus.[7] Ihr öffentliches Profil blieb auch später eng mit dem stark polarisierenden Familiennamen Fujimori verbunden.[2]
Wirken
Kongressabgeordnete und Parteiaufbau

Nach ihrer Rückkehr nach Peru wurde Fujimori Anführerin der politischen Gruppierung „Fujimorista“. Im April 2006 wurde sie zur Abgeordneten des Kongresses von Peru gewählt und gehörte dem Parlament bis 2011 an.[8][4] Als Kongressabgeordnete und Parteivorsitzende setzte sich Keiko Fujimori, ähnlich wie zuvor ihr Vater, insbesondere für eine Verschärfung der Sicherheitsgesetze ein.[9] In ihrer Rolle als Oppositionsführerin wurde unter anderem ein Gesetz vorgeschlagen, das Zuwendungen für Gefangene beschränkt, die schwerwiegende Straftaten begangen haben. Außerdem wurde von ihr ein weiteres Gesetz vorgeschlagen, das Richter zur Verhängung von Höchststrafen für Wiederholungstäter verpflichtet. Gemeinsam mit anderen Fujimorista-Kongressabgeordneten arbeitete sie an einem Entwurf für ein Gesetz, das die Todesstrafe für schwerwiegende Verbrechen ermöglichen soll.[9] Im Jahr 2009 begann Keiko Fujimori mit der Sammlung von Unterschriften für die Gründung ihrer eigenen politischen Partei, Fuerza Popular. Nachdem im ganzen Land mehr als eine Million Unterschriften gesammelt worden waren, erkannte die Nationale Wahlbehörde (spanisch: Jurado Nacional de Elecciones) die Partei im März 2010 formell an.[10] Danach baute Fujimori ihre Rolle als führende Figur von Fuerza Popular weiter aus.[4]
Präsidentschaftswahlen 2011, 2016 und 2021
Bei den Präsidentschaftswahlen 2011, 2016 und 2021 erreichte Fujimori jeweils die Stichwahl, unterlag aber Ollanta Humala, Pedro Pablo Kuczynski und Pedro Castillo jeweils knapp.[11] Meinungsumfragen hatten ihr gute Chancen für einen Sieg bei der Präsidentschaftswahl 2011 eingeräumt.[12] Im Wahlkampf sprach sie sich für eine liberalisierte Wirtschaftspolitik und eine schärfere Sicherheitspolitik aus. Unter anderem sollten private Investitionen gefördert, die Todesstrafe eingeführt und mehr Gefängnisse gebaut werden. Während des Wahlkampfes wurde ihr ein nachlässiger Umgang mit Menschenrechten vorgeworfen.[9] Immer wieder wurde öffentlich gemutmaßt, ob die Befreiung ihres Vaters aus dem Gefängnis das Hauptziel der Kandidatur Keiko Fujimoris und allgemein der Fuerza Popular sei. In Erwiderung dieser Vermutungen äußerte sich Fujimori Mitte April 2011 gegenüber der Presse mit den Worten: „Yo juro por Dios que no voy a indultar a Alberto Fujimori“[13] (deutsch: „Ich schwöre bei Gott, dass ich Alberto Fujimori nicht begnadigen werde“). Eine entsprechende Beteuerung des Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten ihrer Partei war dieser Aussage vorausgegangen. Die Stichwahl gegen den Politiker Ollanta Humala verlor sie Anfang Juni 2011 knapp.[14]

Zur Präsidentschaftswahl 2016 trat Fujimori erneut an. Im ersten Wahlgang kam sie vor Pedro Pablo Kuczynski und Verónika Mendoza auf den ersten Platz, verfehlte dabei aber mit 39,2 % der Stimmen die absolute Mehrheit, wodurch eine Stichwahl erforderlich wurde.[15] Im zweiten Wahlgang unterlag sie knapp dem ehemaligen Ministerpräsidenten Pedro Pablo Kuczynski, der mit 50,12 % der Stimmen zum neuen Staatspräsidenten gewählt wurde. Nach der Wahl von 2016 verfügte der Fujimorismus mit 73 Abgeordneten über eine breite Kongressmehrheit, die eine anhaltende Konfrontation mit der Exekutive begünstigte.[16] Die Partei Fuerza Popular besaß hingegen im Parlament eine absolute Mehrheit. Bei der Präsidentschaftswahl 2021 holte Fujimori 13,4 % der Stimmen. Dies reichte aus, um als Zweitplatzierte gegen den Linkspopulisten Pedro Castillo in die Stichwahl zu ziehen. Nach erfolglosen Versuchen, Teile der abgegebenen Stimmen für ungültig erklären zu lassen, unterlag sie schließlich knapp mit 49,87 % zu 50,12 %.[17] Moises Vega Romero, einer der leitenden Gewerkschafter Perus, warf Fujimori aufgrund ihrer Verzögerungstaktik vor, einen „langsamen Staatsstreich“ durchführen zu wollen.[18]
Ermittlungen und Strafverfahren
Seit 2016 untersuchte die Staatsanwaltschaft die Finanzierung ihrer Wahlkampagnen, darunter den als „caso Cócteles“ bekannten Komplex im Zusammenhang mit mutmaßlichen illegalen Beiträgen für die Kampagnen 2011 und 2016.[19] Wegen des Verdachts der Bestechlichkeit im Zuge der umfassenden Bestechung lateinamerikanischer Politiker durch den Odebrecht-Konzern wurde Keiko Fujimori im Oktober 2018 in Untersuchungshaft gesetzt, zunächst für acht Tage, dann durch ein zweites Urteil für bis zu 36 Monate bis zum Abschluss der Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche.[20] Im Oktober 2018 ordnete ein Ermittlungsrichter gegen sie Untersuchungshaft an, woraufhin sie im Frauengefängnis von Chorrillos untergebracht wurde.[19] Im November 2019 hob das Verfassungsgericht die Untersuchungshaft auf.[21] Im Juli 2024 begann in Peru ein Verfahren wegen mutmaßlicher Geldwäsche, in dem die Staatsanwaltschaft 30 Jahre Haft beantragte.[22] Im Januar 2025 wurde das Verfahren wegen Verfahrensfehlern annulliert und in die Ermittlungs- beziehungsweise Anklagekontrollphase zurückverwiesen.[23]
Präsidentschaftswahl 2026
Bei der Präsidentschafts- und Parlamentswahl 2026 trat Fujimori erneut an und erreichte in einem stark zersplitterten Feld von 35 Kandidaten im ersten Wahlgang rund 17 % der Stimmen, womit sie zum vierten Mal in Folge in eine Stichwahl um das Präsidentenamt einzog.[24][25] Der erste Wahlgang wurde von erheblichen logistischen Problemen überschattet: In Lima konnten 211 Wahltische in 15 Wahllokalen wegen fehlenden oder verspätet angelieferten Wahlmaterials zunächst nicht eingerichtet werden, sodass mehr als 63.000 Wahlberechtigte erst am Folgetag abstimmen konnten.[26] Fujimori erklärte dazu, organisatorische Mängel dürften das Wahlrecht der Bürger nicht beeinträchtigen, und äußerte sich solidarisch mit den Betroffenen.[27][26]
Bei den Wahlen zum Parlament wurde Fuerza Popular mit 22 der 60 Sitze im Senat und 41 der 130 Sitze im Kongress stärkste Kraft. In der Kampagne 2026 stellte Fuerza Popular unter dem Motto „Perú con Orden“ die Themen Ordnung, Wirtschaft und Soziales in den Mittelpunkt. Der Wahlkampf zur Stichwahl wurde von Sorgen über organisierte Kriminalität und der politischen Instabilität des Landes überschattet.[28] Fujimori stellte dabei ein hartes Vorgehen gegen die organisierte Kriminalität, insbesondere gegen Erpressungen, in Aussicht und knüpfte in ihrer Sicherheitsrhetorik zugleich an das umstrittene politische Erbe ihres Vaters an.[28] Sie versprach, Migranten ohne regulären Aufenthaltsstatus, die in Peru Straftaten begehen, sofort auszuweisen. Zudem versprach sie, private Investitionen zur Förderung des Wirtschaftswachstums anzuziehen.[28]
In der Stichwahl vom 7. Juni 2026 erhielt Fujimori nach den vom peruanischen Wahlgericht bestätigten Zahlen 9.223.396 Stimmen und 50,135 % der gültigen Stimmen, während ihr Herausforderer Roberto Sánchez auf 49,865 % kam; der Vorsprung betrug damit weniger als 50.000 Stimmen.[28][29] Die Wahlkommission verkündete das offizielle Ergebnis erst über drei Wochen später.[30] Damit setzte sich Fujimori nach drei zuvor verlorenen Präsidentschaftswahlen erstmals durch.[28] Sánchez erkannte das Ergebnis zunächst nicht an, machte unter anderem den starken Stimmenanteil Fujimoris unter peruanischen Wählern im Ausland als angebliches Indiz für Unregelmäßigkeiten geltend und legte nach der Proklamation des Ergebnisses Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Wahlgerichts ein.[28] Am 6. Juli erkannte er das von der Wahlkommission verkündete Ergebnis doch an.[31] Sie ist die erste vom Volk ins Amt gewählte Präsidentin Perus.[32]
Präsidentschaft
Fujimori trat das Amt am 28. Juli 2026 an.[33][29] Als erste Amtshandlung verhängte sie den Ausnahmezustand und wies das Militär an, vorübergehend die Kontrolle in Landesteilen mit hoher Kriminalitätsrate zu übernehmen.[34]
Literatur
in der Reihenfolge des Erscheinens
- Mario Vargas Llosa: La hora de la verdad. La sucia campaña contra Ollanta Humala de los partidarios de Keiko Fujimori hace temer lo que podría ocurrir si la dictadura fuji-montesinista recuperara en la segunda vuelta el poder en Perú. In: El País, 8. Mai 2011; französische Übersetzung (ohne Bezahlschranke): La sale campagne de Keiko Fujimori. In: Courrier international, 24. Mai 2011, abgerufen am 29. Juli 2026.
- Valerie Vásquez de Velasco, Ariana Lira, Beatriz Llanos, Mabel Huertas: Señora K. Ni víctima, ni heroína (= Colección Segunda vuelta, Band 3). Página Once / Santiago de Surco / Librerías Crisol, Lima 2020, ISBN 978-612-48188-6-8.
- Annette Schwarzbauer, Andrés Hildebrandt: Präsidentschaftswahlen in Peru: Keiko Fujimori zum vierten Mal in Stichwahl (in der Reihe Länderbericht). Konrad-Adenauer-Stiftung, Berlin 2026 (online, abgerufen am 29. Juli 2026).