Kelten-Römer-Museum

Teil der archäologischen Staatssammlung München From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Kelten-Römer-Museum im oberbayerischen Manching, rund zehn Kilometer südöstlich von Ingolstadt, ist ein Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung München und wurde am 2. Juni 2006 eröffnet.

Schnelle Fakten Daten ...
Kelten-Römer-Museum

Kelten-Römer-Museum (2013)
Daten
Ort Manching
Art
Archäologisches Museum
Architekt Fischer Architekten[1]
Eröffnung 2006
Leitung
Tobias Esch[2]
Website
ISIL DE-MUS-386012
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Trägerschaft und Gebäude

Kelten-Römer-Museum, Nordseite (Foto: 2006)

Träger des Museums ist der Zweckverband Kelten-Römer-Museum Manching[3] mit dem Bezirk Oberbayern, dem Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm, dem Markt Manching und dem Keltisch-Römischen Freundeskreis als Mitglieder;[4] gefördert wurde es durch das Land Bayern.[5]

Der Bau wurde von Fischer Architekten (seit 2014 Fischer Z[6]) aus München entworfen[1] und mehrfach nominiert und ausgezeichnet.[7] Er gliedert sich in den mit 670 m² größten Raum für die „Abteilung Kelten“ und die „Ausstellung Römer“ mit 510 m².[5] Die Gesamtbaukosten betrugen 7,03 Mio. Euro.[5]

Dauerausstellung

Kelten

Hier werden die Funde und Exponate des in unmittelbarer Nähe befindlichen Oppidum von Manching ausgestellt. Von herausragender Bedeutung ist dabei vor allem der 1999 entdeckte Schatzfund, bestehend aus 483 Goldmünzen (Muschelstatere), der der größte im 20. Jahrhundert entdeckte keltische Goldfund ist. Der Goldschatz wurde am 22. November 2022 bei einem Einbruch gestohlen.[8] Am 19. Juli 2023 wurden bei Durchsuchungen Teile davon von der Polizei sichergestellt.[9]

Weltweit einzigartig ist das 1984 gefundene sogenannte Kultbäumchen von Manching, die vergoldete Abbildung eines von Blättern, Knospen und Früchten umrankten Zweigs aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.

Römer

Mittelpunkt der Abteilung bilden zwei 15 Meter lange römische Militärschiffe aus der Zeit um 100 n. Chr. Die Wracks wurden 1986 in einem verlandeten Seitenarm der Donau im Manchinger Ortsteil Oberstimm, der Brautlach, neben dem ehemaligen Gelände von Kastell Oberstimm, entdeckt. 1994 wurden sie planmäßig geborgen und anschließend im Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz restauriert und konserviert. Ein Nachbau der 15 Meter langen und nach mediterraner Art in Nut-und-Feder-Technik hergestellten Schiffe wurde von der Werft „Jugend in Arbeit“ in Hamburg-Harburg rekonstruiert und umfangreich getestet. Dabei zeigte sich eine gute Manövrierfähigkeit und eine erreichbare Geschwindigkeit von ca. 14 km/h.[10] Außerdem sind ein Modell der großen Donaubrücke bei Stepperg zu sehen sowie weitere Funde aus der Römerzeit, vor allem aus der Umgebung von Manching.

Einbruch im November 2022

Kelten-Goldschatz von Manching

Am 22. November 2022 wurde im Kelten-Römer-Museum eingebrochen. Es wurden eine Fluchttür aufgehebelt und zwei Panzerglas-Vitrinen aufgebrochen. Zusätzlich hatten die Täter vor Ort verlaufende Glasfaserkabel durchtrennt und somit eine Alarmierung der Polizei verhindert.

Insgesamt wurden 483 Goldmünzen mit je 7,3 Gramm gestohlen, dazu aus der zweiten Vitrine drei weitere, deutlich größere Münzen. Alle stammen aus der Zeit um 100 vor Christus und wiegen zusammen rund vier Kilogramm. Der reine Materialwert der Goldmünzen lag zum Zeitpunkt des Diebstahls bei etwa 250.000 Euro, der Handelswert bei 1,6 Millionen Euro.[11] Bayerns Kunstminister Markus Blume bezeichnete den Goldschatz-Diebstahl als „Anschlag auch auf unser kulturelles Gedächtnis“.[12]

Im Juli 2023 wurden bei einer Durchsuchungsaktion im Großraum Schwerin vier Tatverdächtige festgenommen. Bei den mutmaßlichen Tätern handelt es sich um 42, 43, 46 und 50 Jahre alte Deutsche. Drei von ihnen stammen aus dem Raum Schwerin, einer aus Berlin. Die Vierergruppe besteht aus einem Fernmeldetechniker, einem Buchhalter, einem Filialleiter im Einzelhandel und einem Mitarbeiter einer Abbruchfirma.[13] Insgesamt wurden 18 Goldklumpen gefunden.[14] Die Zusammensetzung deute mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf hin, dass es sich um die gesuchten Münzen handele. Demnach wurden vermutlich jeweils vier Goldmünzen aus dem Schatz zu einem Klumpen zusammengeschmolzen.[15]

Die gefundene DNA-Spur hat auch zu weiteren Straftaten geführt, die Teilen des Quartetts anzulasten seien. Mindestens acht bisher ungeklärte Einbruchsdiebstähle stünden zu Buche, in Supermärkte, ein Spielcasino und eine Kfz-Zulassungsstelle. Nach Angaben des Bayerischen Landeskriminalamtes seien weitere Einbrüche in Museen geplant gewesen und wären auch ausgeführt worden, hätte die Polizei nicht zugegriffen.[16]

Übersicht der Sonderausstellungen

Weitere Informationen Zeitraum, Ausstellung ...
ZeitraumAusstellungQuelle
24.11.2007-20.03.2008Alltag und Pracht. Die Entdeckung der keltischen FrauenInfo
28.06.2008-10.08.2008Architektur und Geschichte der Friedenskirche Manching. Gulbranssons Meisterwerk evangelischen KirchenbausInfo
01.11.2008-19.04.2009Rätsel Schnippenburg. Sagenhafte Funde aus der KeltenzeitInfo
25.07.2009-15.11.2009Situlen – Bilderwelten zwischen Etruskern und Kelten auf antikem WeingeschirrInfo
06.02.2010-07.11.2010Ursprung der keltischen Archäologie: Die Brücke von La Tène – ein Schauplatz grausamer Menschenopfer?Info
27.05.2011-13.11.2011Aenigma – Der rätselhafte Code der BronzezeitInfo
24.11.2007-20.03.2008Roms unbekannte Grenze – Kelten, Daker, Sarmaten und Vandalen im Norden des Karpatenbeckens. Archäologische Kostbarkeiten aus Museen in Rumänien und UngarnInfo
21.03.2013-05.05.2013Schülerschätze. Kostbarkeiten der Klasse 3c aus OberstimmInfo
17.05.2013-07.11.2013Steppenkrieger – Reiternomaden des 7.–14. Jahrhunderts aus der MongoleiInfo
24.07.2014-16.11.2014Das goldene Antlitz des unbekannten Makedonenkönigs. Makedonen und Kelten am Ohrid-See, ein Zusammenprall der Kulturen?Info
02.07.2016-18.06.2017Licht! Lampen und Leuchter der AntikeInfo
26.11.2017-08.04.2018Schnappschuss. Zoom Dich in die RömerzeitInfo
05.07.2018-24.02.2019Die Bilderwelt der KeltenInfo
07.03.2019-21.07.2019Die Kunst des Zeichnens – David Macaulay & Schyren Gymnasium PfaffenhofenInfo
24.07.2021-06.02.2022Kunst in Miniatur – Antike Gemmen aus BayernInfo
01.04.2022-01.05.2023Im Dienste Roms. Legionen und HilfstruppenInfo
02.06.2023-10.09.2023Antike in BayernInfo
11.04.2025-22.03.2026Roms Armee im Feld. Marsch · Lager ·VersorgungInfo
28.05.2026-29.11.2026vierSCHICHTIG Kunst und ArchäologieInfo
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Leitung

Literatur

  • Nils Ballhausen: Kelten, Römer, Manching. Archäologisches Museum in Manching. In: Bauwelt. Band 30. Bauverlag, Gütersloh 2006, ISSN 0005-6855, S. 10–15 (PDF).
  • Nicolette Baumeister: Kelten-Römer-Museum Manching. (= Baukulturführer. Band 29). Büro Wilhelm Verlag, Amberg 2006, ISBN 978-3-936721-79-9.
  • Herbert Mayr u. a.: Kelten-Römer-Museum Manching. Zweckverband Kelten-Römer-Museum, Manching 2006, DNB 101073010X.
  • Eberhard J. Wormer: Oppidum Manching 200 BC. In: Orthopädie & Rheuma. 23 (4), 2020, S. 64–65, doi:10.1007/s15002-020-2873-z.

Einzelnachweise

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