Kerner-Kommission
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Die Kerner-Kommission (National Advisory Commission on Civil Disorders, Nationale Beratungskommission für zivile Unruhen) war eine elfköpfige Präsidialkommission unter Vorsitz von Gouverneur Otto Kerner (Illinois). US-Präsident Lyndon B. Johnson berief die Kommission im Juli 1967 per Executive Order 11365, um die Ursachen von über 150 Rassenunruhen in den Vereinigten Staaten im Sommer 1967 (darunter die Unruhen in Detroit) zu untersuchen.

Die Kommission hatte zum Ziel, Empfehlungen zu erarbeiten, die eine Wiederholung solcher Unruhen verhindern sollten.[1]
Der 426-seitige Kerner-Bericht kam zu dem Schluss, dass die unmittelbaren Ursachen der Unruhen in den sozialen Folgen des weißen Rassismus lagen, wie etwa Ungleichheiten in den Bereichen Wohnen, Beschäftigung, Bildung und Polizeiarbeit.[2]
Die Johnson-Regierung ging nicht direkt auf die Empfehlungen des Berichts ein, da diese bei Konservativen als unpopulär galten.[3]
Der Bericht wurde 1968 nach siebenmonatigen Untersuchungen veröffentlicht. Anstatt die Unruhen einer kleinen Gruppe von Außenstehenden oder Unruhestiftern („Gesindel“) zuzuschreiben, wie es viele frühere Untersuchungen zu Unruhen getan hatten[4], oder Radikalen oder einer ausländischen Verschwörung, ein Verschwörungsmythos, an das damals fast drei Viertel der weißen US-Bevölkerung glaubten[5] kam die Kommission zu dem Schluss, dass die Unruhen eine Reaktion auf jahrzehntelange „allgegenwärtige Diskriminierung und Segregation“ waren. Die Kommission schrieb:
- „Weißer Rassismus ist im Wesentlichen verantwortlich für die explosive Mischung, die sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in unseren Städten angesammelt hat. [...]
- Was weiße Amerikaner nie ganz verstanden haben – was die Schwarzen jedoch niemals vergessen können –, ist, dass die weiße Gesellschaft tief in das Ghetto verwickelt ist. Weiße Institutionen haben es geschaffen, weiße Institutionen erhalten es aufrecht, und die weiße Gesellschaft duldet es.“[6]
Der Bericht der Kerner-Kommission galt oder gilt als „Meilenstein für die Rassenbeziehungen“[7] und als „eines der beiden wegweisenden Werke“[8] zum Thema Rasse in den USA. Er war zudem ein Bestseller und verkaufte sich sogar besser als der Bericht der Warren-Kommission, der sich mit der Ermordung von Präsident John F. Kennedy befasste.[9]
Siehe auch
Weblinks
- "Report of the National Advisory Commission on Civil Disorders, Summary of Report, Introduction"
- The Kerner Commission Report, 1967
- National Advisory Commission On Civil Disorders, Report (U.S. Dept of Justice)
- The Kerner Report Revisited; final report and background papers, by Assembly on the Kerner Report Revisited (1970 : Allerton House); ed, Meranto, Philip J.
- 1967 Newark Riots (2013)
- Kerner Report of 1968 (2015)
- Fifty Years Ago the Government Said Black Lives Matter
- What the Kerner Report Got Wrong About Policing