Kertanagara

javanischer Herrscher From Wikipedia, the free encyclopedia

Kertanagara (vollständiger Name Sri Maharajadiraja Sri Kertanagara Wikrama Dharmatunggadewa;[1] auch Kritanagara oder Sivabuddha genannt; † Mai/Juni 1292) war der letzte und bedeutendste König des Singhasari-Königreichs auf Java. Seine Regierungszeit erstreckte sich von 1268 bis 1292. Er dehnte seine Herrschaft auf Sumatra und andere indonesische Inseln aus und geriet aufgrund seiner Expansionspolitik in Konflikt mit dem mongolischen Großkhan Kublai Khan. Ehe die von diesem gesandte Strafexpedition Java erreichte, wurde Kertanagara bei der Bekämpfung der Rebellion eines Usurpators getötet.

Leben

Kertanagara war der fünfte Herrscher von Singhasari und Sohn des vorangegangenen Königs Vishnuvardana (regierte 1248–1268). Faktisch übte er die Macht ab 1254 aus und übernahm die Regierung offiziell nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1268.[2] Er zentralisierte die Macht, indem er u. a. die Abgaben aus der Landwirtschaft an seinen Hof umlenkte, sodass er direkt über sie verfügen konnte. Ferner baute er den Seehandel aus und dehnte seine Macht nach Sumatra, der Malaiischen Halbinsel und Bali aus. Er steigerte auch den javanischen Anteil am lukrativen Handel mit den Molukken und unterdrückte auf Java die Aufstände von Cayaraja (1270) and Mahisha Rangkah (1280).[3][4] 1275 ordnete er die erfolgreiche Pamalayu-Expedition gegen das auf Sumatra gelegene Königreich Malayu an,[3] das sich laut Zhao Rukuo um 1200 vom einst großen buddhistischen Reich Srivijaya unabhängig gemacht hatte.[5] Durch diese Militäraktion gelang es Kertanagara, neben Malayu auch an der Ostküste Sumatras gelegene Häfen wie Palembang tributpflichtig zu machen.[3] Darüber hinaus boten die Insel Madura und Teile Borneos ihre Unterwerfung an.[1] Mit seiner Machtpolitik schuf Kertanagara die Basis für das spätere Großreich Majapahit.[3]

Die von Kertanagara dem Herrscher von Malayu, Ost-Sumatra, übergebene Statue des Amoghapasa

Kertanagara war sowohl Anhänger des tantrischen Buddhismus als auch der hinduistischen Bhairava-Sekte. Dieser hinduistisch-buddhistische Synkretismus wurde später ein spezifisches Merkmal des Reichs Majapahit. Außerdem betrieb Kertanagara einen Ahnenkult inklusive der Vergöttlichung der verstorbenen Könige von Singhasari. 1286 schickte er dem Herrscher von Malayu, Tribhuwanaraja, eine Kolossalstatue von Amoghapasa, einer mehrarmigen Erscheinungsform des Bodhisattva Avalokiteshvara. Damit drückte er seinen Anspruch auf die Suprematie über Ost-Sumatra aus. Der Herrscher von Malayu entsandte im Gegenzug zwei seiner Töchter, Dara Petak und Dara Jingga, nach Java.[6] Dara Petak sollte Kertanagara heiraten, wurde aber nach dessen Ermordung (1292) mit Raden Wijaya, dem ersten Herrscher des Reichs Majapahit, vermählt.[7]

Die von Kertanagara betriebene Expansionspolitik brachte ihn in Konflikt mit dem mongolischen Großkhan Kublai Khan, der mit der Eroberung des Song-Reichs (1279) ganz China beherrschte, dort die Yuan-Dynastie gründete und seine Macht auch in Südostasien ausdehnen wollte. Kertanagara lehnte die bis dahin zumindest formell bestehende Tributpflichtigkeit Javas gegenüber den chinesischen Kaisern ab, da er sich selbst als Weltherrscher betrachtete. Mehrere diplomatischen Missionen Kublai Khans in Singhasari scheiterten, Den von ihm 1289 nach Java geschickten Gesandten, die im Namen des Großkhans Unterwerfung und Tributzahlungen forderten, ließ Kertanagara die Gesichter brandmarken, ihre Ohren abschneiden und sie in diesem verstümmelten Zustand nach China zurücksenden. Wegen dieser Brüskierung befahl Kublai Khan 1292 die Durchführung einer Strafexpedition gegen Java.[8] Inzwischen hatte sich aber Jayakatwang, ein mächtiger Vasall Kertanagaras und Prinz von Kediri, gegen seinen Oberherrn erhoben. Zu diesem Zeitpunkt war der Großteil des javanischen Heers bei auswärtigen Feldzügen im Einsatz und somit die Verteidigung Singhasaris geschwächt. Durch einen Scheinangriff in Nordostjava lockte Jayakatwang die verbliebenen Truppen Kertanagaras von dessen Hauptstadt Kutajara weg und griff diese von der gebirgigen Südregion her unbemerkt an.[9] Kertanagara wurde mit vielen seiner Höflinge im Mai oder Juni 1292 in seinem Palast ermordet. Jayakatwang erklärte sich daraufhin zum javanischen Herrscher des wiederhergestellten Königreichs Kediri.[10] Kertanagaras Schwiegersohn Raden Wijaya verbündete sich mit den 1293 in Java gelandeten Truppen Kublai Khans gegen Jayakatwang, der kapitulieren musste. Wijaya ging dann aber militärisch gegen die Mongolen vor, zwang sie zur Abfahrt von Java und wurde Herrscher des von ihm gegründeten Reichs Majapahit.[11]

Literatur

  • George Cœdès: The Indianized States of South-East Asia. University of Hawaii Press, 1968, ISBN 978-0-8248-0368-1.
  • Angelina Chavez Irapta: Introduction to Asia: History, Culture, and Civilization. Rex Bookstore, Inc., 2005, ISBN 978-971-23-3987-5.
  • Ann R. Kinney, Marijke J. Klokke, Lydia Kieven: Worshiping Siva and Buddha: The Temple Art of East Java. University of Hawaii Press, 2003, ISBN 978-0-8248-2779-3.
  • Fritz Schulze: Kleine Geschichte Indonesiens, C. H. Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-68152-3, S. 35 ff.

Anmerkungen

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