Kho-Kho
Traditionelles indisches Fangspiel und Mannschaftssport
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Kho-Kho ist ein traditionelles indisches Fangen-Spiel und eine vor allem in Südasien etablierte Mannschaftssportart. Jedes Team besteht aus neun Spielern. In einem einzelnen Spiel übernimmt ein Team die Rolle der Verfolger oder Angreifer, von denen im wiederholten Rollentausch immer nur einer am Spielfeld aktiv ist und die anderen acht stillsitzen. Sie müssen die nacheinander in Dreiergruppen auf das Spielfeld kommenden Verteidiger berühren und damit zum Ausscheiden bringen.

Kho-Kho ist neben Kabaddi die bekannteste traditionelle Sportart in Indien. Die Anfänge beider Spiele gehen weit in die indische Geschichte zurück; sie wurden bereits im Mahabharata erwähnt. 1936 wurde Kho-Kho bei den Olympischen Spielen in Berlin als Demonstrationssportart vorgestellt. Seit 1959 wird der Sport auf nationaler Ebene durch die Kho Kho Federation of India (KKFI) organisiert und es wurde 1987 bei den South Asian Federation (SAF) Games in die internationalen Wettbewerbe aufgenommen, 2025 fand der erste offizielle Kho Kho World Cup statt.
Geschichte

Ursprünge
Die Wurzeln des Kho-Kho reichen zurück bis in das historische Indien. Der Ursprung ist schwer nachzuweisen, aber viele Historiker glauben, dass es sich um eine in dem indischen Bundesstaat Maharashtra[1] entwickelte und abgewandelte Form eines klassischen Fangspiels handelt, bei der es in seiner einfachsten Form darum geht, eine Person zu verfolgen und zu berühren. Ebenso wie Kabaddi wurde das Spiel bereits im Mahabharata erwähnt, dessen Ursprung möglicherweise bis in die vedische Zeit zurückreicht und das wahrscheinlich ab etwa 400 v. Chr. erstmalig niedergeschrieben wurde. Die Erwähnung bezieht sich auf die Schlacht zu Kurukshetra und den Durchbruch von Abhimanyu in die feindliche Kampfformation, die Chakravyuha. Sein Vorstoß kostete Abhimanyu das Leben, verschaffte seinen Truppen, den Pandavas, jedoch die nötige Gelegenheit, um schließlich die Schlacht zu gewinnen. Der Stil, den Abhimanyu anwandte, um die Chakravyuha zu durchbrechen, soll dem Konzept des Ringspiels sehr ähnlich gewesen sein, einer Verteidigungstaktik, die im Spiel Kho-Kho angewendet wird.[2]
Historischen Aufzeichnungen zufolge wurde Kho-Kho bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. während der Zeit des Maurya-Reiches im alten Indien gespielt.[3] Ursprünglich wurde es auf „Raths“ oder Streitwagen gespielt und war unter dem Namen „Rathera“ bekannt.[4][1]
Entwicklung als Mannschaftssport

Vor allem im 20. Jahrhundert erlangte das Spiel als Mannschaftssport große Popularität. Die ersten Kho-Kho-Turniere wurden 1914 organisiert und es wurde ein offizielles Komitee gegründet, um die Regeln festzulegen. Die ersten offiziellen Regeln für Kho-Kho wurden 1924 vom Gymkhana Baroda veröffentlicht.[4] 1936 wurde Kho-Kho bei den Olympischen Spielen in Berlin gemeinsam mit anderen Sportarten wie Kabaddi und der Turnsportart Mallakhamba vorgestellt.[2][5]
Die erste nationale Meisterschaft fand 1959 in Vijayawada unter der Schirmherrschaft der 1955 gegründeten Kho Kho Federation of India (KKFI) statt. Dabei wird es professionell sowohl von Männern wie von Frauen gespielt[3] und es gibt offizielle Meistertitel für Männer, für Frauen, für Jungen unter 18 Jahren und für Mädchen unter 16 Jahren.[4] Seitdem hat die KKFI große Anstrengungen unternommen, um das Spiel populärer zu machen, das heute in ganz Indien auf verschiedenen Ebenen von Schulen bis zur Nationalmannschaft gespielt wird.[5]
1987 wurde Kho-Kho bei den South Asian Federation (SAF) Games aufgenommen. Während der SAF Games wurde die Asian Kho-Kho Federation gegründet, die später dazu beitrug, Kho-Kho auch in Pakistan, Bangladesch, Nepal und Sri Lanka populär zu machen.[5] Im Januar 2025 fand in Neu-Delhi der erste Kho Kho World Cup statt, bei dem neben Mannschaften aus südasiatischen Ländern auch mehrere aus Europa (England, Deutschland, Niederlande, Polen), Amerika (USA, Brasilien, Argentinien, Peru), Afrika (Kenia, Südafrika, Uganda) sowie Australien und Neuseeland teilnahmen.[6][7] Gewinner sowohl bei den Männern wie auch bei den Frauen waren die Mannschaften aus Indien.[8]
Spielweise
Kho-Kho wird in zwei Mannschaften mit je zwölf Spielern auf einem rechteckigen Spielfeld gespielt, von denen je neun aktiv auf dem Feld stehen. Das Spielfeld hat eine Länge von etwa 29 Metern und eine Breite von 16 Metern, an dessen beiden Enden jeweils ein Holzpfosten von 1,20 bis 1,25 Metern Höhe und einem Durchmesser von 9 bis 10 Zentimetern steht. In der Mitte des Spielfelds befindet sich ein 30 Zentimeter zentraler Bereich, der die beiden Pfosten verbindet.[5] Das Feld enthält acht Wege (lanes) mit jeweils 35 Zentimeter Breite, die parallel zu den Grenzlinien verlaufen; der Bereich, an dem sie den zentralen Bereich kreuzen, bildet die Startfelder für die Verfolger. Außerdem gibt es freie Zonen an beiden Enden des Spielfelds, in denen sich die Spieler uneingeschränkt bewegen können.[9]

Ein Spiel besteht aus zwei Runden (Innings) und in jeder Runde hat jedes Team sieben Minuten Zeit zum Jagen und sieben Minuten zum Verteidigen. Acht Spieler des einen Teams sitzen in einer Reihe in der mittleren Bahn des Feldes als Verfolger bzw. Jäger und blicken jeweils abwechselnd in entgegengesetzte Richtungen. Der neunte Spieler der Mannschaft ist der aktive Verfolger oder Angreifer, er beginnt an einem der Pfosten und muss die Verteidiger bzw. Läufer durch Berührung „abklatschen“, indem er sie mit der Handfläche berührt. Die Läufer der verteidigenden Mannschaft betreten den Verfolgungsbereich in Dreiergruppen und versuchen, die sieben Minuten zu überstehen, ohne vom Angreifer berührt zu werden und ohne die Grenzen des Feldes zu verlassen. Wenn der dritte Läufer das Feld verlässt, muss die nächste Dreiergruppe ins Feld eintreten. Dabei gelten Läufer als ausgeschieden, wenn sie entweder vom aktiven Verfolger berührt werden, das Rechteck verlassen oder zu spät in das Rechteck eintreten.[5]
Der Angreifer kann jeden der sitzenden Mitspieler dazu bringen, die Verfolgung als Angreifer zu übernehmen und fortzusetzen, indem er ihm mit der Handfläche auf den Rücken klopft und laut „kho“ ruft. Damit werden schnelle Richtungswechsel ermöglicht und die Verfolgung wird durch eine Reihe von „khos“ aufgebaut in Form eines Staffellaufs fortgesetzt.[5] Bei beiden Mannschaften kommt es entsprechend auf Schnelligkeit, Beweglichkeit und Strategie an.[3]