Kirche Linthal
Kirchengebäude in Linthal im Kanton Glarus, Schweiz
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Die reformierte Kirche Linthal wurde 1782 erbaut. Ihre Vorgängerin aus dem Jahre 1600 stand im Ennetlinth (in einem anderen Quartier des heutigen Dorfs Linthal) und wurde 1781 durch Hochwasser teilweise zerstört. Der Neubau war ein Gemeinschaftswerk der Dorfbevölkerung. Alle männlichen Kirchgenossen von 16 bis 60 Jahren, insgesamt 301 Mann, mussten 54 Frondiensttage leisten. 1882 wurde die Kirche umgebaut und im Chor eine neue Orgel gebaut. Die Kirchenrenovation ab 1982 wurde mit dem Neubau einer Hauptorgel auf der Empore 1986 abgeschlossen.

Die erste reformierte Kirche
Reformierte Gottesdienste wurden in der katholischen Kirche Maria Himmelfahrt in Linthal von Fridolin Brunner, dem reformierten Pfarrer in Betschwanden, von 1543 bis 1556 gehalten. Da die katholischen Linthaler keinen Priester mehr für ihre Gemeinde finden konnten, beschlossen sie, Pfarrer Brunner zu bitten, auch ihre Gemeinde zu betreuen. Brunners Nachfolger in Betschwanden, Matthias Bodmer, war weniger geschickt in seiner Äusserungen als sein Vorgänger und griff den katholischen Glauben an. Seine Bemerkungen lösten einen Protest aus, der zum Ende der friedlichen Benutzung der Kirche von beiden Konfessionen führte. Ab 1556 mussten die Reformierten wieder nach Betschwanden in die Predigt. Darum fragte die grössere reformierte Dorfgemeinschaft in Linthal 1595 bei der Tagsatzung an, ob man nicht auf dem Gebiet ihres Dorfes eine eigene Kirche bauen durfte. Da aber der Landesvertrag vom 21. November 1532 Linthal „ausschliesslich für den kath. Kultus beanspruchte“, wurde der Antrag abgewiesen. Um die eigene Kirche in der Nähe des Dorfes doch noch bauen zu können, wurde im Jahr 1600 am anderen Linthufer, im Ennetlinth, auf dem Gebiet des Nachbardorfes Rüti, eine reformierte Kirche gebaut.
1781 wurde vor allem der Kirchturm vom Hochwasser der damals noch nicht kanalisierten Linth unterspült, so dass er, wie ein Zeitgenosse berichtet, „in der Nacht fast um die Hälfte einstürzte, wodurch ein Glöckgen heruntergesunken und verloren gegangen.“[1]
Der heutige Bau

Auf höher gelegenem Boden, und nun im Dorfkern von Linthal, wurde die neue Kirche als Gemeinschaftswerk errichtet. Die „Obrigkeit von Glarus“, die Stadt und das Land Zürich, Mühlhausen, Schaffhausen und Neuenburg Stadt und Land trugen finanziell Wesentliches zum Bau bei. Ende April 1782 wurde der Eckstein gelegt, und bereits am 4. Dezember desselben Jahres konnte die Kirche eingeweiht werden.[1]
Ein Ausschnitt aus dem einzigen, bekannten Foto der Kirche vor dem Umbau 1882 ist rechts zu sehen. Das Dach ist steiler und die Aussenmauern weniger hoch. Der Anbau an der Ostseite (links im Bild) ist noch nicht vorhanden.
Der ursprüngliche Bau wurde 1882 unter Beibehaltung des originalen Grundrisses wesentlich verändert. Im Protokoll der Baukommission jener Zeit ist zu lesen: „In erster Linie müsse der Dachstuhl des Langhauses abgebrochen und umgeändert werden, ... wenn man mit Sicherheit vorgehen wolle. ... Dann seien die etwas herausgedrückten Seitenmauern des Langhauses wieder in möglichst richtige Flucht zu bringen und das ganze Langhaus mit einem circa 1 Meter hohen Mauerwerk zu erhöhen, um die neue Decke, resp. Gewölbe, in eine gefällige Form zu bringen.“[2]
Um Platz für eine Orgel zu schaffen, wurde die Chornische an der Vorderwand der Kirche ausgebrochen und ein eigens für die Orgel erstellter Anbau errichtet. Möglicherweise befand sich die Kanzel an der Vorderwand und musste bei diesem Umbau an die Nordwand (links in der Kirche) versetzt werden.
1982 wurde die Kirche restauriert. Die Veränderungen im Kirchenraum, die während 100 Jahren seit der letzten Renovation gemacht wurden, wurden rückgängig gemacht, und der Innenraum entspricht heute weitgehend dem Bild nach der Renovation von 1882.
Orgeln
Kuhn-Orgel (1882)

Die Orgel vorne in der Kirche wurde 1882 von Johann Nepomuk Kuhn, Männedorf, gebaut (20 Register auf zwei Manualen und Pedal, mechanische Kegelladen). Um Platz für die Orgel zu schaffen, wurde die Chornische an der Vorderwand der Kirche ausgebrochen und ein eigens für die Orgel erstellter Anbau errichtet. 1984 wurde das inzwischen denkmalgeschützte Instrument durch die Erbauerfirma restauriert und zwischenzeitlich erfolgte Dispositionsänderungen rückgängig gemacht. 2024 erfolgte eine Revision und Ausreinigung der Kuhn-Orgel durch Mathis Orgelbau, Luchsingen. Die Disposition:[3][4][5]
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- Koppeln: II/I, I/P, II/P.
- Spielhilfen: Vier Kollektiv-Tritte: Piano, Mezzoforte, Forte, Fortissimo. Schwelltritt für II. Manual.
Interims-Orgel von Mathis (1975–1982)
1975 wurde vorne rechts in der Kirche eine Orgel von Mathis Orgelbau, Näfels aufgestellt (acht Register/eine Verlängerung auf zwei Manualen und Pedal; mechanische Spiel- und Registertraktur; Schleifladen). 1982 wurde das Instrument durch Mathis Orgelbau revidiert und nach Zürich-Hottingen in die Église de la Sainte Famille versetzt. Die Disposition:[10]
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- Koppeln (mechanisch, als Tritte): II/I; II/P; I/P.
Mathis-Orgel (1986)

Nach dem Abschluss der Kirchenrenovation wurde 1986 von Mathis Orgelbau, Näfels eine neue Hauptorgel auf der Empore gebaut. Sie hat 19 Register auf zwei Manualen und Pedal (mechanische Spiel- und Registertraktur; Schleifladen). Fachberater war Hans-Beat Hänggi, Niederurnen; die Intonation erfolgte durch Niklaus Stengele. Für das Gehäuse wurde das Holz einer Ulme aus Linthal verwendet, deren Fällung einige Jahre zuvor für Diskussionen in der Bevölkerung gesorgt hatte. Die Disposition der Mathis-Orgel:[15][16]
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- Koppeln (mechanisch, als Tritte): II/I, I/P, II/P.
- Spielhilfen (als Tritte): Choralforte an und ab, Wechseltritte für Mixtur (Hauptwerk) und Trompete (Pedal).
Glocken
Das Geläute der reformierten Kirche in Linthal besteht aus insgesamt fünf Glocken, von denen seit 1969 noch die vier grössten Glocken verwendet werden.
1. Glocke: Die grösste Glocke erklingt heute auf dem Schlagton cis' und wurde 1782 (dem Baujahr der Kirche) von I. H. Bar + Gewis in Aarau gegossen. Sie hatte ursprünglich den Schlagton d', der 1969 auf cis' umgestimmt wurde. Die Glocken-Inschrift trägt die Namen der damaligen Kirchenräte und des Pfarrers: Hr Johann Jakob Steussi, Hr Joachim Dürst, Hr Haubtman Thomas Steussi, Hr Thomas Steussi, Hr Fridolin Legler, Kirchenvogt [Kassier], Hr Landvogt Melchior Steussi, Johann Rudolf Kubli, Pfarrer.
2. Glocke Die 1969 von der Glockengiesserei H. Rüetschi AG, Aarau, gegossene Glocke wiegt 1'050 kg und hat den Schlagton e'. Auf einer Seite steht ein Bild des Apostel Johannes, dem Verfasser der Offenbarung. Auf der anderen Seite steht: „Evangelische Kirchgemeinde Linthal 1969“. Am oberen Rand steht in Grossbuchstaben der letzte Vers aus Offb 22,20: „ICH KOMME BALD. AMEN, JA KOMM, HERR JESU!“
3. und 4. (+ 5.) Glocke: Diese drei Glocken wurden während der Renovation der Kirche 1882 bzw. 1883 von H. Rüetschi in Aarau gegossen.
Die 3. Glocke ist die grösste dieser drei Glocken mit dem Schlagton fis'. Sie trägt die Inschrift „Ehre sei Gott in der Höhe“.
Die 4. Glocke ist die kleinste noch klingende Glocke des Geläutes mit dem Schlagton a'. Die Inschrift lautet „Friede auf Erden“.
Die 5. Glocke, ein Fehlguss mit dem Schlagton e", wurde 1969 stillgelegt, hängt aber noch im Turm. Ihre Inschrift verkündet den dritten Teil der Weihnachtsbotschaft des Engels, „An den Menschen ein Wohlgefallen“.
Mit der Tieferstimmung der grössten Glocke und dem Hinzufügen der 2. Glocke mit dem Schlagton e' im Jahre 1969 wurde das Geläute von der Tonfolge d' – fis' – a' – e' zum heutigen Idealmotiv oder Pfingstmotiv cis' – e' – fis' – a' verändert. Weitere mögliche Optionen der Glockenstimmungen wurden 1968/1969 zwischen dem Glockenexperten Wilhelm Joos, Kilchberg ZH, dem lokalen Kirchenrat sowie der Glockengiesserei Rüetschi, Aarau diskutiert. Der Entscheid zugunsten der Tonfolge des Geläutes der reformierten Kirche in Linthal ab 1969 wurde unter Berücksichtigung und in Abstimmung auf das Geläute der katholischen Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Linthal getroffen.[18]
Literatur
- Theodor Buss (1908). Bericht über den Organistenkurs in Glarus vom Oktober 1907 und den Stand der Orgeln im Kanton Glarus. Glarus: Hefti & Bartel.
- Hans Jürg Gehm (2002). Glockeninventar des Kantons Glarus. Jahrbuch des Historischen Vereins des Kantons Glarus 82, S. 204–248.
- Gottfried Herr (1890). Die Kirchen des Kantons Glarus. Vortrag gehalten im glarnerischen Kunstverein. Den Glarnern daheim und in der Fremde als Neujahrsblatt für das Jahr 1890 dargeboten von Bäschlins Buchhandlung. Glarus: Bäschlin.