Kirche Magdeborn

evangelisch-lutherische Kirche der aus sieben Ortsteilen bestehenden Gemeinde Magdeborn im Kreis Leipzig-Land From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Kirche Magdeborn war die evangelisch-lutherische Kirche der aus sieben Ortsteilen bestehenden Gemeinde Magdeborn im Kreis Leipzig-Land, die in den 1960er und 1970er Jahren dem Braunkohlebergbau durch den Tagebau Espenhain weichen musste.

Kirche Magdeborn (um 1950)

Lage und Beschreibung

Die Kirche stand weithin sichtbar auf einer Anhöhe etwa 15 Meter über der Aue des Dorfbachs Gösel am südwestlichen Ende des Friedhofs. Dieser Ort war etwa der Mittelpunkt der sieben Ortsteile der Gemeinde. Das Pfarrhaus befand sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Das geostete Kirchengebäude war eine kreuzförmige Saalkirche mit einem Chor mit Fünfachtelschluss. Der Turm erhob sich aus dem Langhausdach zunächst quadratisch, um etwa in Firsthöhe in ein Achteck mit Schalllöchern und Uhrenzifferblättern überzugehen. Den Abschluss bildeten Haube und Laterne sowie Turmkugel und Wetterfahne. Die Sakristei war an der Südseite des Chores angesetzt.

Die Ausmalung der Kirche war hell, bis auf das mit blauer Ornamentik verzierte sechsteilige Rippengewölbe über dem Chor. Im Triumphbogen stand „Ehre sei Gott in der Höhe“. Das Bild im weiß gefassten Altar zeigte Jesus bei seiner Himmelfahrt. Die Bänke, die Kanzel der Orgelprospekt und die drei Emporen waren einheitlich in mittelbraunem Holz gehalten.

Geschichte

Kirche Magdeborn um (1840)

Obwohl in Sachsens Kirchengalerie von 1840 ausführlich über die Parochie Magdeborn berichtet wird, ist vom Kirchengebäude erst ab 1756 anlässlich eines Blitzschlags in den Turm des baufälligen Gebäudes die Rede,[1] der einen Neubau erforderlich machte. Nach bis ins Jahr 1784 andauernden Verhandlungen wurde dann in 28 Wochen eine neue Kirche gebaut. Der einfache Saalbau mit einem Turm, der auch später noch die gleiche Form hatte, besaß einen Kanzelaltar und bekam 1800 eine Orgel mit 22 Registern.

Nach 100 Jahren wurde gemäß Cornelius Gurlitt 1884 „der nüchterne Bau von 1784 kunstlos erneuert“.[2] Der Kanzelaltar war nun durch ein Altarkreuz ersetzt, ein Geschenk von Ferdinand Jost (1832–1906). Jost war Leipziger Ratstischler und vermögender Kunstsammler und später auch -händler. Er war in Rödgen geboren, das zur Kirchgemeinde Magdeborn gehörte. Die Kirche in Magdeborn wurde Alleinerbin Josts und finanzierte aus diesen Mitteln 1912 eine große Kirchenrestaurierung.[3] Der Architekt dieses Vorhabens, das bis auf den Turm einem Neubau gleichkam und zu dem oben beschriebenen Gebäude führte, war Paul Lange (1853–1932).

Das Ende der Kirche begann 1978. Am 3. September 1978, 14 Uhr fand der Entwidmungsgottesdienst statt. In der Folgezeit wurden Einrichtungsgegenstände der Kirche in andere sächsische Kirchen überführt. So kamen unter anderem der Altar in die Lutherkirche in Chemnitz-Harthau, der Kanzelkorb in die Auferstehungskirche in Leipzig-Möckern, die Glocken in dem Turm der Pauluskirche in Leipzig-Grünau sowie Teile der Orgel in die Lutherkirche in Markkleeberg. Am 19. August 1981 um 15.07 Uhr erfolgte die Sprengung der Kirche.[4] Der ehemalige Standort der Kirche wird heute vom Störmthaler See eingenommen.

Vineta

Vineta (2024)

Seit dem Jahr 2010 wird mit einer Kunstinstallation in besonderer Weise der Magdeborner Kirche gedacht. Auf dem Störmthaler See wurde auf einer verankerten, Vineta genannten Plattform, etwa 300 Meter vom ehemaligen Standort der Kirche entfernt ein kleines Gebäude errichtet, das im Sommer mit einer Fähre zu erreichen ist und in dem auch Veranstaltungen und Trauungen stattfinden. Das Gebäude trägt ein turmartiges Gebilde mit schematisch dargestellter Haube und Laterne. Damit wird an die Form erinnert, wie sie fast 200 Jahre über Magdeborn zu sehen war.

Pfarrer

Das Pfarrerbuch Sachsen weist ab der Reformation für die Kirche Magdeborn folgende Pfarrer aus.[5]

  • 1539: Erhard Donner
  • 1559: Lorenz Lange
  • 1599: Martin Barth
  • 1620: Egidius Weißenhof
  • 1638: Martin Wolff
  • 1673: Johann Caspar Loth
  • 1712: Johann David Römer
  • 1753: Johann Gottlob Kleinig
  • 1759: Johann Gottlob Kleinig
  • 1781: Carl Gotthelf Opitz
  • 1823: Christian Adolf Schedlich
  • 1835: Carl Gottlob KlotzscH
  • 1847: Franz Julius Bernhard
  • 1874: Karl Louis Schiefer
  • 1894: Gustav Hugo Kirsten
  • 1894: Oskar Bruno Kirsten
  • 1913: Max Heinrich Löwe
  • 1927: Albert Krause
  • 1938: Alfred Colditz
  • 1959: Heinz Richter

Literatur

  • Magdeborn. In: Sachsens Kirchen-Galerie, Band IX, Verlag Hermann Schmidt, Dresden 1844, S. 144–148 (Digitalisat)
  • Autorengruppe Magdeborner Heimatfreunde: Magdeborn – Verlorene Heimat. 1. Auflage. Südraum-Verlag, Borna 2012, ISBN 978-3-937287-39-3
Commons: Kirche Magdeborn – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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