Kirche St. Johannis des Täufers (Haifa)
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Die Kirche Johannis des Täufers in Haifa, Israel, ist ein Gotteshaus der griechisch-orthodoxen Parochie namens Nationale Orthodoxe Millet in Haifa, das eine Landmarke im Stadtbild darstellt. Die Architektin Maha Ballan schuf bis 2010 ein ungewöhnliches Kirchengebäude der Moderne, inspiriert von byzantinischer Architektur und eklektizistischen Einflüssen.[2] Die Parochie gehört zur Metropolie Caesarea, einer kirchlichen Jurisdiktion des Griechischen Patriarchats Jerusalem.
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| Basisdaten | |
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| Konfession | griechisch-orthodox |
| Ort | Rechov haParsim 3a רְחוֹב הַפַּרְסִים,[1] |
| Diözese | Metropolie Caesareia |
| Patrozinium | Johannes der Täufer |
| Baugeschichte | |
| Bauherr | Nationale Orthodoxe Millet in Haifa |
| Architekt | Maha Farah Ballan |
| Bauzeit | 9. September 1999 (symbolischer erster Spatenstich) 2001–2010 |
| Baubeschreibung | |
| Einweihung | 2010 |
| Baustil | Byzantinische Architektur mit Eklektizismus |
| Bautyp | Zentralbau |
| Funktion und Titel | |
| 32° 49′ 5,1″ N, 34° 59′ 33,6″ O | |
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Namen
Der arabische Name der Kirche lautet كَنِيسَة مَارِ يُوحَنَّا الْمُعَمِّدَان / Kanīsat Mār Yūḥannā al-Muʿammidān / ‚Kirche des Verehrten Johannis des Täufers‘, vielfach auch ohne den Titel ‹Mar› gebraucht,[3] der in aramäischer Tradition steht. Da es in Haifa 450 Meter weiter östlich auch eine anglikanische Johannes-Evangelist-Kirche (arabisch كَنِيْسَة مَارِ يُوحَنَّا, DMG Kanīsat Mār Yūḥannā[4]) gibt, wird der Name mitunter präzisiert durch den nachgestellten Zusatz der Konfession (الْرُّوم الْأُرْثُوذُكْس, DMG al-Rūm al-ʾUrṯūḏuks ‚der Rum-Orthodoxen‘). Der hebräische Name ist Knessijjat Jochanan haMatbil (כְּנֵסִיַּת יוֹחָנָן הַמַּטְבִּיל Knessijjat Jōchanan haMaṭbīl, deutsch ‚Kirche Johannis des Täufers‘, mit Johannis als im Deutschen gebräuchlicher Genitiv des biblischen Namen Johannes, beeinflusst durch altsprachliche Traditionen in der Theologie).
Lage
Die Kirche Johannis des Täufers befindet sich im Rechov haParsim 3a (hebräisch רְחוֹב הַפַּרְסִים Rəchōv haParsīm, deutsch ‚Straße der Perser‘, arabisch شَارِعُ الْفُرْسُ 3أ, DMG Šāriʿ al-Furs), einem Hammergrundstück im Eigentum der Parochie, nicht des Patriarchats.[1] Das Kirchengebäude steht bedingt durch die Grundstücksform etwa 50 Meter ab von der Straße an der östlichen Grundstücksgrenze.[1]
Das Grundstück zählt zum Viertel HaMoschavah haGermanit (הַמּוֹשָׁבָה הַגֶּרְמָנִית HaMōschavah haGermanīt, deutsch ‚Deutsche Niederlassung‘, im 19. Jahrhundert ‚Templerkolonie Haifa‘ genannt),[1] grenzt aber im Osten an Grundstücke, die zum Viertel Wadi Nisnas gehören,[2] das als vor allem arabische Christen als ihr bevorzugtes Wohngebiet entwickelt hatten. In den Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegsjahren 1948 bis 1953, als über arabische Israelis in Haifa Kriegsrecht verhängt war, war Wadi Nisnas das ihnen verpflichtend angewiesene Wohnviertel.
Die Kirche mit ihren angebauten Funktionsräumen bildet einen wichtigen und zentralen Punkt im Stadtteil ʿIr Tachtit (hebräisch עִיר תַּחְתִּית ʿĪr Tachtīt, deutsch ‚Untere Stadt‘), der urbanes und historisches Flair vereint.[2] Buchstäblich benachbart sind das Grundstück Derech Allenby 45 (50 Meter nordwestlich gelegen), ebenfalls Milleteigentum und bis 2010 Sitz des Parochialbüros sowie das südöstlich angrenzende Gelände der anglikanischen Pfarrgemeinde St. Johannes-St. Lukas des Bistums Jerusalem, deren Gemeindezentrum mit der kleinen Kirche des Heiligen Lukas (كنيسة القديس لوقا, DMG Kanīsa al-Qaddīs Lūqā) nur 60 Meter von der orthodoxen Kirche entfernt liegt.[1] Anglikanisches Kirchlein und Gemeindezentrum sind allerdings erschlossen von der östlichen Parallelstraße Sderot haZijjonut 14. Kürzer ist der Fußweg zum Báhá'i-Zentrum, 120 Meter südwestlich der Kirche in der Nr. 10 des Rechov haParsim,[2] auch bekannt als Western Pilgrim House, 1922 bis 1926 erbaut. In der Nr. 25 der Sderot haZijjonut befindet sich ein Königreichssaal der Zeugen Jehovas.
Geschichte
Vorgeschichte
Nachdem Ẓahir al-ʿUmar al-Zaidani 1761/1762 das alte Haifa niederreißen und zwei bis drei Kilometer südöstlich an einem neuen Ankerplatz im Golf von Haifa neu anlegen ließ,[5.1] ließ er im Gebiet der heutigen ʿIr Tachtit (hebräisch עִיר תַּחְתִּית ʿĪr Tachtīt, deutsch ‚Untere Stadt‘) eine rechteckige Fläche von einer Stadtmauer umschließen, binnen deren 250 Bewohner Alt-Haifas eine Siedlung gründeten, die Hälfte oder gar mehr davon Christen, wie schon in Alt-Haifa.[5.2] Die meisten Christen waren katholische Melkiten, die als Geschäftsleute der Levante überall Fuß fassten, wo sich Erwerbsgelegenheiten boten. Al-ʿUmar al-Zaidani warb um Einwanderer zur Entwicklung der Stadt, wobei er Nichtmuslime nicht diskriminierte, und förderte die Wirtschaft. Neben der seinerzeitigen regionalen Hauptstadt Akkon, das an Untiefen seines natürlichen Hafens in seinem Teil der Bucht litt, etablierte das neue Haifa sich als Wettbewerber[5.3] Anfangs wurde ab Haifa als einzige Exportware Getreide aus der Jesreelebene verschifft.[5.2]
19. Jahrhundert
Augustin Scholz berichtet für 1821 als erster von orthodoxen Christen, 30 Seelen, neben 350 katholischen Melkiten und 50 Juden unter den insgesamt 2.500 sonst muslimischen Einwohnern am Ort.[6] Der jeweilige Griechische Patriarch von Jerusalem war Oberhaupt der christlichen Orthodoxen im Heiligen Land.
Die Kirche Mar Ilyas (كَنِيسَةُ مَارِ إِلْيَاسَ لِلرُّومِ الْأَرْثُوذُكْسِ, DMG Kanīsa Mār Ilyās al-rūm al-ʾurṯūḏuks ‚Kirche des Verehrten Elija der Rum-Orthodoxen‘) entstand 1869 im südöstlichen Viertel der Altstadt Haifas.[7]
Die Zweite osmanische Verfassungsperiode ab 1908 ermöglichte, in allen Teilen des Reiches die Bildung von Vertretungsorganen der im Millet-System anerkannten religiösen Bekenntnisgemeinschaften. Christliche Orthodoxe gründeten die reichsweite Laienorganisation Nationale Orthodoxe Vereinigung (arabisch الْجَمْعِيَّةُ الْأُرْثُوذُكْسِيَّةُ الْوَطَنِيَّةُ, DMG Al-Ǧamʿiyya al-ʾUrṯūḏuksiyya al-Waṭaniyya).[8] Im Zuge dieses Emanzipationsprozesses bildeten in ihren Kirchengemeinden vorort die Gläubigen Vertretungsorgane und so entstand die Nationale Orthodoxe Millet in Haifa und ihr Kirchenvorstand nahm am 9. März 1908 seine Tätigkeit auf.[9]
Doch die Hierarchie reagierte auf die Reformen abwehrend, worauf es andernorts zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen arabischer Christen und osmanischen Sicherheitskräften kam.[8]
Anders verlief dagegen die Reform auf lokaler Ebene, nach einem einleitenden Gebet in der Kirche Mar Ilyas in Haifa übernahmen die gewählten Vertreter die Vermögenswerte der Gemeinde in ihre Verantwortung. Anfangs war der Bestand klein, doch war es das Ziel, für den Milletwaqf Immobilien anzuschaffen, aus deren Pacht oder Mieten der Orthodoxen Millet in Haifa regelmäßige Einnahmen erwachsen würden, um Milletaufgaben zu bestreiten. Zunächst wurden ein kleiner Laden auf dem alten Markt und zwei Gebäude mit Steingewölbe, die am Gelände des alten orthodoxen Friedhofs standen, erworben. Im Jahre 1910 ließ Haifas Orthodoxe Millet aus Ersparnissen und ersten Einkünften auf dem Friedhofsgelände eine Gruft aus Stein errichten. Weitere 200 osmanische Goldlira legte der Kirchenvorstand in einer Immobilie im östlichen Bereich der Stadt an.[9]
Bis September 1918 waren die Kampfhandlungen des Ersten Weltkriegs fern Haifas, doch waren die Folgen des Krieges zu spüren. Zwischen 1914 und 1918 sanken die Einnahmen der Orthodoxen Millet in Haifa, während die Ausgaben für die Unterstützung Bedürftiger stiegen.[10] Britisch-indische Streitkräfte, die Sherwood Forester Yeomanry und die Brigaden Jodhpur Lancers und Mysore Lancers, eroberten Haifa am 23. September 1918.[5.4] Das Vereinigte Königreich und Frankreich gliederten gemäß ihren gemeinsamen Plänen (Sykes-Picot-Abkommen von 1916) die Levante neu, Haifa kam vom osmanischen Libanon an die britische südliche Besatzungszone osmanischen Gebiets unter der britischen Militärregierung Occupied Enemy Territory Administration South (OETA South).
Mandatszeit
Die 1908 etablierte Kirchengemeinde meldeten Vertreter der rum-orthodoxen Haifaner 1920 als Nationale Orthodoxe Millet in Haifa (arabisch الْمَلِّي الْأُرْثُوذُكْسِيُّ الْوَطَنِيُّ بِحَيْفَا, DMG Al-Mallī al-ʾUrṯūḏuksī al-Waṭanī bi-Ḥaifa, hebräisch הַקְּהִלָּה הָאוֹרְתּוֹדוֹכְּסִית הַלְּאֻמִּית בְּחֵיפָה HaQəhillah haʾŌrtōdōksīt haLəʾummīt bəChejfa, deutsch ‚Nationale Orthodoxe Parochie in Haifa‘[11]) bei der OETA South an und hielten im gleichen Jahr noch demokratische Wahlen zum Kirchenvorstand ab.[10] Die neue Stadtverwaltung als Genehmigungsbehörde billigte 1921 die neuen Statuten, die die Millet sich gegeben hatte.[10] Das Government of Palestine, die Regierung des Mandatsgebiets, fasste das Gesetz das Griechische Patriarchat Jerusalem betreffs 1921 neu, wobei der Oberste Rat als Beteiligungsgremium für Laien am Kirchenregiment wieder fortfiel.[8] Der Völkerbund legalisierte die von den Entente-Mächten geschaffenen Fakten und erteilte 1922 dem Vereinigten Königreich das Völkerbundsmandat für Palästina.
Haifa erlebte einen bemerkenswerten Aufschwung in der Mandatszeit. Laut Zensus von 1922 zählte es 25.000 Einwohner, davon mehr als 9.000 Muslime, etwas weniger arabische Christen und über 6.000 Juden.[12] Christen hatten vor allem als Überlebende der Christenverfolgungen im Libanongebirge (1860 und 1915–1918) Zuflucht in der Stadt gefunden, kamen aber auch als Wirtschaftsflüchtlinge.[5.5][13]
Im Zuge des Eisenbahnbaus ab 1900 und der Industrialisierung ab 1925, die einwandernde jüdische Unternehmen einleiteten, zogen Sunniten vor allem aus den Bergen des Libanons und Galiläas zu. Haifas wirtschaftlicher Aufschwung spiegelt sich in Stiftungen zu Geld gekommener Gemeindeglieder an den Waqf der Orthodoxen Millet. Neu in die Stadt kamen Arbeitsmigranten, vielfach Nachfahren von Kleinbauern auf Pachtland in Galiläa, deren viele, auf zu kleinen Höfen schon die nachwachsenden jungen Erwachsenen nicht ernährten, teils dann nach Pachtkündigung selbst erwerbslos gewordene Landpächter waren.[14] In den 22 Jahren bis 1944 hatte sich die Stadtbevölkerung auf 128.000 Einwohner mehr als verzehnfacht, davon 66.000 Juden, 35.940 Muslime, 26.570 Christen und 3.000 Bahá'ís,[12] unter letzteren drei Gruppen Haifas rund 62.500 nichtjüdische Araber.[15]
Weite Teile des Landes litten im Bürgerkrieg im Mandatsgebiet von Dezember 1947 bis Mai 1948. Die starke britische Garnison in Haifa ließ in der Stadt offene Bürgerkriegsszenen nicht aufkommen, doch zunächst aus eigener Sorge vor Gewalterfahrungen verließen bis Mitte März 1948 unter dem Eindruck der Kämpfe anderswo im Lande 25.000 bis 30.000 Araber Haifa.[16][17] Gerade auch viele christliche Orthodoxe Haifas gingen, denn sie fürchteten Nachteile, da in ihren Kreisen viele dem arabischen Nationalismus zugetan waren, der blutige Attacken gegen britische Militärs und Zivilisten wie gegen Paramilitärs und Zivilisten der jüdischen Volksgruppe guthieß zudem auch arabische Guerillas finanzierte.
Als die Briten sich aus dem Stadtgebiet in den Hafen zurückzogen, entbrannten am 21. April 1948 offene Gefechte zwischen arabischen und jüdischen irregulären Streitkräften. Die jüdische Seite gewann die Oberhand und beide Seiten handelten am 22. April einen Waffenstillstand aus, worin die jüdische Partei den Schutz und Verbleib der nichtjüdischen Zivilisten zusicherte, wohingegen die arabischen Kämpfer ihre Waffen niederlegen und den Briten übergeben, ausländische Kämpfer in Reihen der Araber sich der Haganna stellen sollten, die sie eskortiert des Landes verweisen würde.[18.1] Das Arabische Höhere Komitee (AHC) wies die lokalen Vertreter der arabischen Seite unter Verweis auf spätere Repressalien an, nicht zu unterzeichnen. Jamal al-Hussayni, Präsident des AHC, sagte in der Sitzung zum Auszug nichtjüdischer Araber aus Haifa in der UNO am 23. April 1948: „Die Araber wollten sich nicht einem Waffenstillstand unterwerfen, der Schande gebracht hätte, und zogen es vor, ihre Wohnungen aufzugeben, ihre Habseligkeiten und alles, was sie auf dieser Welt besaßen, und die Stadt zu verlassen. Das haben sie tatsächlich getan.“[19]
Denn Haifas NC hatte sich dem AHC gebeugt und bestimmt, die nichtjüdischen arabischen Haifaner unter sehr beschränkter Möglichkeit Habe mitzunehmen per Schiff zu evakuieren,[18.2] jedoch konnte es – ohne Machtmittel seit die arabischen Kämpfer sich am 22. April 1948 ergeben hatten – die zu Evakuierenden nur mit Warnungen beeinflussen, dass nach einer siegreichen arabischen Einnahme Haifas dagebliebene Araber als Kollaborateure einer jüdischen Heimstatt bzw. Verräter der arabischen Sache, eine solche im Heiligen Land zu verhindern, angesehen und entsprechende Behandlung zu gewärtigen haben würden.[20] Dieser Exodus hinterließ die Nationale Orthodoxe Millet in Haifa personell erschöpft.[9]
Seit Gründung Israels

Als Haifa bei Gründung Israels am 14. Mai 1948 Teil des neuen Staates wurde, fehlten die meisten Parochianen, das kirchliche Leben wie die Gremienarbeit (Mitgliederparlament und Kirchenvorstand) kollabierten. Nur etwa 3.000 arabische Nichtjuden waren in der Stadt geblieben,[21] nach anderen Angaben waren ca. 15.000 Araber in Haifa,[22] davon viele Christen. Mit den Mitgliedern der Gremien im Ausland galt das Vermögen der Orthodoxen Millet in Haifa als herrenlos und der Treuhänder über das zurückgelassene Vermögen (האַפּוֹטְרוֹפּוֹס עַל הַרְכוּשׁ הַנָּטוּשׁ haʾApōtrōpōs ʿal haRəchūsch haNaṭūsch) nahm es in Beschlag.[9] Um den Gewahrsam auf dem Milletvermögen aufheben zu lassen, versammelten sich 46 christliche Orthodoxe am 12. September 1948, um die Milletgeschäfte wiederaufzunehmen und zu reorganisieren.[9] Die Kirche Mar Ilyas war für die verbliebenen Kirchgänger und zum Unterhalt zu groß und blieb einstweilen verwaist.[7]

Im Juli 1948 quartierten die israelischen Behörden arabisch-nichtjüdische Haifaner aus anderen Vierteln in den Stadtteil Wadi Nisnas um, wo schon vordem viele arabische Christen wohnten, die 1948 ein Gros der in der Stadt verbliebenen Araber ausmachten. Damit wohnten die Parochianen jedoch 600 Meter entfernt von ihrer Kirche Mar Ilyas, heute mit Sderot haPalJam 4 adressiert, innerhalb der ehemals ummauerten Altstadt Haifas.[23]

Mit dem neuerlichen erwerblichen Fußfassen der christlichen Orthodoxen im Haifa der Aufbaujahre nach dem Kriege und ihrem Anteil am allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung Israels verbesserten sie ihre Einkommenssituation derart, dass auch die Finanzlage der Orthodoxen Millet sich langsam besserte.[24]
Mit der Bildungsrevolution unter christlichen Israelis begann der Aufstieg der Christen und ihr Zuzug in die Metropole Haifa. Der Kirchsaal reichte längst nicht mehr, selbst die alte Kirche Mar Ilyas war zu klein. Der Kirchenvorstand ergriff die Initiative, schilderte den Bedarf und Haifas Bürgermeister Amram Mitzna vermittelte bei der Behörde der Immobilien Israels (רָשׁוּת מְקֻרְקְּעֵי יִשְׂרָאֵל Raschūt Məqurqəʿei Jisraʾel),[1] die ein Grundstück aus dem Bestand der Gemarkung des ehemaligen Templerviertels (הַמּוֹשָׁבָה הַגֶּרְמָנִית HaMōschavah haGermanīt, deutsch ‚Deutsche Niederlassung‘) bereitstellte, die die Briten als Liegenschaften palästinadeutscher seinerzeit feindlicher Ausländer 1939 beschlagnahmten, die dann Israels Regierung 1950 zunächst entschädigungslos im Vorgriff auf eine Regelung israelischer Forderungen an Deutschland enteignete und ab den 1960er Jahren die ehemaligen Eigentümer doch noch entschädigte.[25]
Bau und Einweihung
Den ersten, symbolischen Spatenstich vollzog am 9. September 1999 das Haupt des Kirchenvorstands Jean Maǧdalani (جان مجدلاني), für den sich ein Lebenstraum erfüllte und der bald darauf starb,[1] in Gegenwart eines seiner Nachfolger Jussif Churi (يُوسِف خُورِيّ, DMG Yūsif Ḫūrī), vieler Parochianen wie Maha Ballans sowie Amram Mitznas und weiterer Gäste.[2] Im folgenden Jahr lobte der Kirchenvorstand einen anonymen Architekturwettbewerb aus, ein neues, alle modernen parochialen Bedürfnisse gerecht werdendes Kirchengebäude mit Gemeinschaftsräumlichkeiten zu entwerfen.[2] Maha Ballan gewann ihn, arbeitete ab Anfang 2000 die Baupläne aus und besorgte dann die Baugenehmigung.[2]
Die eigentlichen Bauarbeiten begannen 2001 als Projekt der Nationalen Orthodoxen Millet in Haifa und stolz sagen die Mitglieder: „Das ist eine Kirche der Gemeinde und nicht des Patriarchen.“[1] Im September 2009 waren die über 40 Jahre für den Bau angesparten Rücklagen von 20 Millionen Neuen Israelischen Schekeln (NIS; = 3.634.513,33 €, 2009) aufgebraucht,[2] der Kirchenvorstand stand kurz davor, den Baustopp zu erklären, beschloss jedoch mit einem Spendenaufruf an die Öffentlichkeit zu gehen. Der Kirchenvorstand bat um 1.000 NIS pro Haushalt und weitere 500 NIS pro berufstätigem Mitglied, um die Mittel für Ausstattungen wie Sitzgelegenheiten, Mobiliar, Beleuchtungskörper, Glocken, Kuppel, Klimatisierung und das hölzerner Hauptportal aufzubringen.[26]
Die Parochianen spendeten noch einmal drei Millionen NIS.[2] Die Johanniskirche sollte bis zum julianisch datierten Weihnachtsfest am 7. Januar 2010 eingeweiht werden. Haifas orthodoxe Millet ist altkalendarisch. Der Konflikt zwischen Kirchenvolk und Patriarchat hatte sich in diesen Jahren noch verschärft, so dass der Jerusalemer Heilige Synod Patriarch Irenaios (1939–2023) nach Vergabe von Immobiliennutzungen an jüdische Israelis 2005 absetzte. Sein Nachfolger Theophilos III. von Jerusalem betonte gegenüber Laien des Patriarchats, die Veräußerungen an Juden skandalisierten, dass schwerwiegende Unregelmäßigkeiten der Amts- und Buchführung der Absetzungsgrund seien und nicht die Jüdischkeit von Erwerbern patriarchaler Landnutzungen, denn die Orthodoxie sei Universalkirche und diskriminiere gegen keine Gruppe, auch nicht gegen die größte Volksgruppe im israelischen Diözesangebiet des Patriarchats, die damals etwa 5,3 Millionen vorwiegend jüdischen Hebräer, weshalb das Patriarchat auch an sie Land- bzw. Immobiliennutzungen vergebe.[8]
Nutzung und Kontroversen
Obwohl 2010 eingeweiht,[2] besprachen Abuna Demetrios Samra und Kirchenvorstand der Orthodoxen Millet Haifas am 17. Juli 2015 mit Patriarch Theophilos III. wie angesichts der Konflikte mit dem Patriarchen[10] beide Parteien zusammenkommen könnten, damit das Kirchenoberhaupt die Johanniskirche dereinst weihen könnte.[27]
Die Nationale Orthodoxe Millet in Haifa lehnt das überkommene Kirchenregiment im Patriarchat Jerusalem ab und setzt sich Zeit ihres Bestehens für Transparenz und Mitbestimmung der Laien an der Kirchenleitung ein, weshalb sie mit den Patriarchen und dem Establishment des höheren Klerus im Konflikt steht. Mit angehaltenem Atem betrachten Haifas orthodoxe Laien, wie der Patriarch die kirchlichen Immobilien zu unmäßig niedrigen Preisen verkauft.[10] Vertreter des Patriarchats taten den Protest ab, indem sie insinuierten, den Demonstranten gehe es selber darum, unter dem Schlagwort der Arabisierung des Patriarchats das Regiment an sich zu ziehen, um den universalistischen Charakter der Kirche zu nationalisieren und letztlich mit dem Zugriff auf die Kirchenleitung auch aufs Kirchenvermögen zu zielen.[10]
Kirchengebäude und Anbau
Gut bezahlte Arbeitsstellen zogen entsprechend qualifizierte Berufsanfänger aus den dörflichen orthodoxen Parochien Galiläas nach Haifa, weshalb die Nationale Orthodoxe Millet in Haifa aus ihren bisherigen Verhältnissen wuchs. Die alte Kirche Mar Ilyas an den Sderot haPalJam im historischen Stadtzentrum mit ihren 100 Plätzen erwies sich definitiv als zu klein, weshalb die Parochie 1999 nahe dem milleteigenen Wohn- und Geschäftshaus an der Derech Allenby 45 ein etwa 5.000 Quadratmeter großes Hammergrundstück erwarb,[2] auf dem eine größere, Johannes dem Täufer geweihte Kirche errichtet werden sollte.[1] Im folgenden Jahr lobte der Kirchenvorstand einen anonymen Architekturwettbewerb aus, ein neues, alle modernen Bedürfnisse der Parochie gerecht werdendes Kirchengebäude mit Gemeinderäumlichkeiten zu entwerfen.[2]
Die Architektin Maha Farah Ballan (arabisch مَهَا فَرَح بَلَان, DMG Mahā Faraḥ Ballān, hebräisch מהא פרח בלאן Mahā Farach Ballān[3]) schuf einen ungewöhnlichen und eigenwilligen Bau ihrem Entwurf folgend, der die vierköpfige Wettbewerbsjury überzeugte.[1] Ballan zog für die Innengestaltung Asʿad Daoud (hebräisch אסעד דאוד Asʿad Dāwud, arabisch أَسْعَد دَاوُد) hinzu.[1] Ballan oblag die Erstellung aller Baupläne und ab Anfang 2000 die Baugenehmigung für die Johanniskirche zu erwirken, was etwa ein Jahr dauerte.[2] Die eigentlichen Bauarbeiten begannen dann 2001 und dauerten rund ein Jahrzehnt.[2]
Die Johanniskirche erstreckt sich um etwa 30 ° von Nordwesten nach Südosten aus der Ost-West-Achse gerückt parallel zur nördlichen Grundstücksgrenze, ihr Allerheiligstes ist in gleicherweise verschobener Achse orientiert.[1] Das Grundstück bildet ein konvexes Fünfeck, dessen nördlichen etwa rechteckigen Raum das Kirchengebäude einnimmt und im Süden ein Dreieck ausspart, das die Architektin mit einem genauso geformten Anbau mit Parochialbüro und Pfarrwohnungen bebaute.
Unter dem Gebäude findet sich eine zweistöckige Tiefgarage, deren beide Decks 1.300 Quadratmeter messen[28] und auch als Schutzraum nutzbar sind, wenn Parochianen und Gäste als Kirchgänger oder Teilnehmer anderer Milletaktivitäten Schutz vor feindlichen Luftangriffen gegen Israel finden müssen. Johanniskirche und Tiefgarage sind durch einen Zuweg entlang der nördlichen Grundstücksgrenze erschlossen. Über der Tiefgarage befindet sich ebenerdig das Sockelgeschoss von 900 Quadratmetern mit geräumiger Mehrzweckhalle sowie einer Bibliothek.[28]
Da das Kirchgrundstück nach Süden hin mit der einsetzenden Steigung am Fuße des Karmelberges im Niveau ansteigt, erscheint die Sockeletage nur an ihrer Nordseite als Vollgeschoss, dagegen ist sie an ihrer Südseite bereits im Gebirgsfuß als Keller ausgebildet. Ein weiter, massiver, halbrund zur Ebene des Kirchraums hinaufführender Aufgang verbindet den Zuweg mit der Esplanade westlich vor Kirchraum und Anbau. Der Anbau nimmt die dreieckige Fläche zwischen rechteckiger Johanniskirche und sich diagonal annähernder südöstlicher Grundstücksgrenze ein.
Auf den ersten Blick erkennt man, dass es sich bei der Johanniskirche um ein Bauwerk mit klaren geometrischen Formen handelt. Sie ist keine Kopie einer bestehenden Kirche in Griechenland oder Rom,[2] doch Gemeinschaftsräume im Sockelgeschoss teilt sie mit der Kirche Geburt der Theotokos in Sachnin und das sich nach oben verjüngende rustizierte Mauerwerk des Sockels mit der Himmelfahrtskirche (Jerusalem). Maha Farah Ballan behauptet: „Dies ist ein einzigartiges Gebäude, es gibt kein zweites vergleichbares auf der Welt.“[1] Reine und klar dimensionierte Blöcke zeichnen es aus, der große pfeilerfreie Kirchraum strahlt Weite und Stärke aus.[1]
Der byzantinisch inspirierten Baustruktur liegt ein nur leicht gestrecktes Rechteck zu Grunde, das sich hoch bis ins flache Dachgeviert fortsetzt, aus dem mittig eine flache Kuppel heraussticht, die vom Straßenniveau kaum sichtbar die Brüstung des Flachdachs überragt. Die vier Ecken betonen kleine offene Ecktürmchen, die Brüstungen zwischen ihnen weisen flache Erhöhungen auf, die den Eindruck von Zinnen erwecken, als drücke der Baus aus: Ein feste Burg ist unser Gott. Der Bau verjüngt sich sichtbar vom rustizierten Sockelgeschoss bis hinauf zur Dachkante. Besagte Eigenheiten der Gestaltung erzeugen einen festungsartigen Eindruck, den aber die hohen Fenster in den abgeschrägten Ecken auflockern wie auch Formen einer Ellipse, welche das Rechteck der Grundstruktur auf Höhe der Kirchraums äußerlich erweitert, als würde sie es überlagern.[2]
Die Spitzen der Ellipse bilden im Osten einerseits die herauskragende Hülle um das innen apsidal gehaltene Allerheiligste und im Westen eine Art modernes Gewände um das eingezogene hölzerne Hauptportal. Vor dem Hauptportal erstreckt sich eine halbrunde Esplanade von 140 Quadratmetern,[28] die auch den südlichen Anbau erschließt. Das Sockelgeschoss darunter ist entsprechend größer als An- und Kirchbau zusammen. In seiner Mitte stülpt sich die Nordfassade dem Verlauf der Ellipse folgend flach gerundet heraus. Diese Ausbuchtung zieren lange Fenster bunter modern figuraler Glasmalerei. Die flach runde Ausbuchtung der Nordseite des Kirchraums hat kein Pendant im Süden, wo das Baptisterium als Verbindungsraum zum Anbau anschließt. Die Fassaden sind mit Haifa-Stein verkleidet, dabei sind Fassadenteile, die der Ellipse folgen, leicht bossiert und jene im Verlauf des zu Grunde liegenden Rechtecks glatt gearbeitet.

Das tragende Gerüst des Rechtecks bilden innen vier frei stehende Pfeiler, auf die modern geformte Bogenelemente die Last der Baumasse darüber (obere, im Viereck verlaufende Fassaden, Dachzone) ableiten. Den Obergaden des Kirchraums erhellen Vierpass-Fenster, je drei auf der Nord- und der Südseite. Zwischen den Trägern ist der Raum nach oben offen zu Tambour und Kuppel, die er trägt. Der Tambour hat ein Putnam-Achteck zum Grundriss, mit zwei verschiedenen Seitenlängen, die je im Wechsel aufeinander folgen, wobei die längeren Seiten parallel zu den geraden Außenmauern des dem Bau zu Grunde liegenden Rechtecks liegen. Die kürzeren Seiten wirken fast wie Abschrägungen der Ecken eines Rechtecks und lassen Dreiecke aus, wie im Schaubild weiß gefärbt. Ballan verhängte diese Dreiecke mit modernen Elementen die traditionelle Pendentifs andeuten. Der Kirchraum wird seiner hervorragenden Akustik wegen gern für Konzerte klassischer Musik und Gesangskunst genutzt.
Mit dem unregelmäßigen Achteck des Tambours greift Ballan das vor allem in der byzantinischen Tradition beliebte Oktogon als Motiv auf. Seit der Antike symbolisiert das Oktogon das Urbild der Vollkommenheit.[29] Das Oktagon wird als Sakralbau auch wegen der Bedeutung der Zahl Acht gewählt. Sie steht meist ebenfalls für Vollkommenheit und göttliche Perfektion. Im Christentum steht sie auch für die Auferstehung Jesu Christi und die Teilhabe an Christus in der Taufe.[30] Vermutlich übertrug die Byzantinische Kunst als erste die oktogonale Form auf Kirchengebäude.[31]

Ausschreibungsgemäß bildet das Innere ohne tragende Elemente einen unverstellten Kirchenraum, in orthodoxer Tradition der Naos, wie er typisch für einen byzantinischen Bau unter zentraler Kuppel ist.[2] Der Naos ist mit Bänken versehen und misst 630 Quadratmeter.[28] Über dem Eingangsbereich am Hauptportal befindet sich eine Empore, die sich als flacher Bogen in den Kirchraum vorschiebt. Zwei Treppen, die sich um jeweils um die westlichen tragenden Pfeiler des Raums winden, führen zur Empore hinauf.
Der Boden ist aufwändig in natürlichem Werkstein verschiedener Formen und Farben ausgelegt.[2] Die Ikonostasis, die Allerheiligstes von Naos trennt, kontrastiert mit dem überwiegend modernen Innendekor, denn sie ist in sehr traditioneller Gestaltung als aufwändige Steinmetzarbeit ausgeführt.[2] Die Lunette über der Königlichen Tür der Ikonostasis ziert ein Gemälde des Letzten Abendmahls Jesu und seiner Jünger beim Seder.[1] Die geöffnete Königliche Tür gibt den Blick frei ins Allerheiligste, das drei moderne Buntglasfenster in einen warmen Farbton tauchen. An der Nordwand finden sich zwischen den Fenstern Wandmalereien Barbaras von Nikomedien, Katharinas von Alexandrien, Demetrios’ von Thessaloniki und Georgs des Siegreichen von Lydda, den Drachen tötend, die ein griechischer Künstlers bis 2015 geschaffen hat.[27] Die Fenster zeigen Jesus von Nazareth, die Theotokos und den in Haifa omnipräsenten Propheten Elija.
Dieser Anbau auf dreieckigem Grundriss ist mit der Johanniskirche verbunden durch das Baptisterium, ein quadratischer Raum, der mit einer Ecke die Südseite des Naos touchiert. Nach oben verjüngt der Taufraum sich, bis er aus dem Anbau heraus zu einer Kirchturmspitze aufragt. Das Element Licht spielt im Baptisterium eine bedeutende Rolle, die gläserne honigfarbene Kirchturmspitze lässt warmes Licht in den Raum fließen, Buntglasfenster zum Korridor im Anbau werfen ihre Farben in den Raum.[1] Zur Esplanade schließt eine hohe Glasfront die Lücke zwischen Kirche und Anbau, die das Leben Jesu darstellt. Im Innern des Baptisteriums steht eine wuchtige Tauffünte aus massivem Naturstein in einem warmen, abricotfarbenen Ton.[1] Im Anbau finden sich Parochialbüros und 147 Quadratmeter nehmen zwei Pfarrwohnungen ein.[28]
Geistliche
Nationale Orthodoxe Millet in Haifa

Die Nationale Orthodoxe Millet in Haifa ist die griechisch-orthodoxe christliche Parochie (griechisch für Kirchengemeinde) der Stadt Haifa mit derzeit zwei Kirchengebäuden (Mar Ilyas und Johanniskirche) sowie altem und neuem Friedhof.[10] Die Bezeichnung orthodoxe Millet rührt vom osmanischen Millet-System her, in dem das Osmanische Reich anerkannte nichtislamische Bekenntnisgemeinschaften organisiert hatte.[8]
Im Jahre 2015 zählte die Nationale Orthodoxe Millet in Haifa etwa 7.000 Menschen.[28] Einige Familien leben seit Generationen in der Stadt, die meisten kamen aber seit der Bildungsrevolution.[10] Haifas Orthodoxe Millet finanziert sich selbst ohne Zuschüsse von Patriarchat oder öffentlicher Hand aus Spenden und Einkünften des Milletvermögens, zumeist Immobilien im Stadtgebiet.[9]
Weblinks
- Racheli Orbach (hebräisch רָחֵלִי אוֹרְבַּך), 220108 כנסיית יוחנן המטביל≈הפרסים 3 חיפה, online gestellt am 12. Januar 2022, Folge von Bildern der Johanniskirche (innen und außen), unterlegt mit hebräischen Untertiteln und Musik der Carmina Burana