Klausjürgen Wussow

deutscher Schauspieler (1929–2007) From Wikipedia, the free encyclopedia

Klausjürgen Wussow (* 30. April 1929 in Cammin/Pommern; † 19. Juni 2007 in Rüdersdorf bei Berlin) war ein deutscher Schauspieler und Synchronsprecher. Seine bekannteste Rolle war die des Professor Klaus Brinkmann in der Fernsehserie Die Schwarzwaldklinik.

Klausjürgen Wussow und Kurt Eichhorn
Klausjürgen Wussow (links) und Kurt Eichhorn bei Schallplattenaufnahmen zu Peter und der Wolf mit den Bamberger Symphonikern (1986)

Leben und Werk

Herkunft und Jugend

Klausjürgen Wussow wurde als zweiter von vier Söhnen des Kantors und Lehrers Max Wussow (1896–1939) und seiner Frau Edith, geb. Weidtke, in Cammin in Hinterpommern (Preuß. Provinz Pommern; heute Kamień Pomorski, Polen) geboren.[1][2] Er hatte eine Iris-Heterochromie, also zwei unterschiedliche Augenfarben.[3] Der Vater fiel kurz nach Beginn des Zweiten Weltkrieges im September 1939.[2] In den letzten Kriegswochen flohen seine Mutter und seine Brüder Horst, Rüdiger und Wolf-Dieter nach Westen. Wussow selbst blieb zunächst als Melder zurück.[4] Nach einem Aufenthalt bei den Großeltern im mecklenburgischen Waren wurde er noch im April 1945 zur Wehrmacht eingezogen und verwundet.[2][4] Nach dem Kriegsdienst besuchte Wussow ab 1946 die Oberrealschule (heute Richard-Wossidlo-Gymnasium) in Waren. Einer seiner Mitschüler war der spätere Autor Heiner Müller. Wussow trat schon als Schüler am Warener Städtebundtheater auf.[2][5][6] Da er sich weigerte, der Freien Deutschen Jugend (FDJ) beizutreten, musste er die Schule drei Monate vor dem Abitur verlassen und daher auf das angestrebte Medizinstudium und eine Laufbahn als Chirurg verzichten. So widmete er sich der Schauspielerei und bekam beim Kulturbund in Waren seine erste Rolle.[7]

Theater

Nach dem Debüt als Rolf in Friedrich Wolfs Professor Mamlock an der Volksbühne Schwerin nahm Wussow Schauspielunterricht bei Marliese Ludwig in Berlin und erhielt ein Teilstipendium an der Schauspielschule des Hebbel-Theaters.[6] Hier lernte er bei Roma Bahn und Karl Meixner.[2] 1949 hatte er seine erste Rolle als stummer Diener in Eine Dummheit macht auch der Gescheiteste am Ostberliner Theater am Schiffbauerdamm. 1951 wechselte Wussow an die Städtischen Bühnen in Frankfurt am Main. Dort spielte er 1953 den Horatio in Shakespeares Hamlet an der Seite seines großen Vorbildes Oskar Werner, der die Titelrolle übernahm.[8] Mitte der 1950er Jahre wurde er von Gustaf Gründgens in Hamburg abgelehnt und anschließend von Karl-Heinz Stroux nach Düsseldorf geholt, wo er als Jupiter in Heinrich von Kleists Amphitryon debütierte. 1959 wurde er entlassen. Es folgten Stationen in Köln, München und Zürich. Von 1964 bis 1986 war er Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters.[6][4] Unter seinen vielen Theaterrollen sind hervorzuheben: Don Karlos in Friedrich Schillers gleichnamigem Stück, Ferdinand in Schillers Kabale und Liebe, Karl Moor in Schillers Die Räuber, Max Piccolomini in Schillers Wallenstein, Macbeth in William Shakespeares gleichnamigem Stück, Arturo Ui in Bertolt Brechts Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui, die Titelrolle bzw. Mephistopheles in Johann Wolfgang von Goethes Faust. Seine letzte Rolle am Burgtheater war 1986 der Horatio in Shakespeares Hamlet.[9]

Film und Fernsehen

Ende der 1950er Jahre wurde die Filmindustrie auf Wussow aufmerksam. Sein Filmdebüt gab er als Oberleutnant in Werner Klinglers Kriegsfilm Blitzmädels an die Front von 1958. In den 1960er Jahren spielte er in der ZDF-Produktion Die fünfte Kolonne, ehe er in den 1970er Jahren vor allem Seriendarsteller wurde, beispielsweise in der 26-teiligen TV-Serie Der Kurier der Kaiserin (1970). Er spielte auch in der Serie Sergeant Berry mit, verließ sie jedoch nach dreizehn Episoden und wurde später durch Harald Juhnke ersetzt. Außerdem spielte er 1983 in einer Folge der Serie Ringstraßenpalais mit.[10]

Einem noch breiteren Publikum wurde Wussow durch seine Darstellung des Professors Brinkmann in 70 Folgen der ZDF-Fernsehserie Die Schwarzwaldklinik (1985–1988) bekannt. Wussow wurde eigens für die Dreharbeiten von Claus Peymann, dem damaligen Intendanten des Wiener Burgtheaters, beurlaubt. Aufgrund des enormen Erfolges der in Glottertal spielenden Krankenhausserie schied er 1986, nach letzten Theaterauftritten in Wien, aus dem Ensemble des Burgtheaters aus. Rund 28 Millionen Zuschauer pro Sendung verfolgten damals die Serie. Da es sein ursprünglicher Berufswunsch gewesen war, Arzt zu werden,[11] widmete er sich der Rolle mit besonderer Freude. Von 1996 bis 2003 spielte Wussow erneut eine Chefarzt-Rolle in 23 Folgen der ARD-Reihe Klinik unter Palmen.

Sprechrollen und sonstige Tätigkeiten

Neben der Schauspielerei machte sich Wussow auch einen Namen als Autor, Maler und Synchronsprecher (unter anderem als Frollo im Walt-Disney-Film Der Glöckner von Notre Dame, Sprache und Gesang, 1996). Wussow war auch an einer Reihe von Hörspielproduktionen beteiligt; beispielsweise 1957 als Peter Koslowski in dem Fünfteiler Am grünen Strand der Spree, der vom SWF unter der Regie von Gert Westphal produziert wurde.

Privates und Tod

Klausjürgen Wussow war insgesamt viermal verheiratet. Eine Tochter, Konstanze Wussow, stammt aus seiner ersten Ehe (1951 bis 1960) mit der Schauspielerin Jolande Franz (1927–2015).[12] Aus der Ehe mit der Schauspielerin Ida Krottendorf (1960 bis 1991) stammen zwei Kinder: Barbara und Alexander Wussow, beide ebenfalls Schauspieler. Sein Schwiegersohn ist der Schauspieler Albert Fortell. Der dritten Ehe (1992 bis 2003) mit der 26 Jahre jüngeren Journalistin Yvonne Viehöfer entstammt der 1993 geborene Benjamin Wussow, der später als christlicher Missionar in Spanien lebte.[13] 2004 heiratete Wussow Sabine Scholz, die Witwe des Boxers Bubi Scholz. Sie wohnten in einem Eckhaus am Murellenweg in Berlin-Westend.[5][14]

Grab von Klausjürgen Wussow auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend

Der an Demenz leidende Klausjürgen Wussow lebte ab Juli 2006 in einem Pflegeheim in Strausberg in Brandenburg. In den letzten Monaten seines Lebens musste er nach einem Kreislaufkollaps auf der Intensivstation des Evangelischen Krankenhauses Rüdersdorf bei Berlin behandelt werden. Dort starb er am 19. Juni 2007 im Alter von 78 Jahren.

Trotz einer testamentarischen Verfügung Wussows aus dem Jahr 2000, neben seiner zweiten Frau, Ida Krottendorf, in Wien-Grinzing beigesetzt zu werden, wurde er am 30. Juni 2007 nach einer Trauerfeier in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend bestattet (Grablage: Erb. 2-D-2). Die Predigt hielt, einem Wunsch Wussows entsprechend, der Fernsehpfarrer Jürgen Fliege, der auch die Aussegnung am Grab vornahm.[15]

Staatsbürgerschaft

Während seiner Zeit als Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater wurde Wussow die österreichische Staatsbürgerschaft im Interesse der Republik Österreich verliehen. Medial wurde eine Ehrenstaatsbürgerschaft Wussows verbreitet, eine solche gibt es jedoch in Österreich nicht.[16] Im Zusammenhang mit seiner Scheidung von Ida Krottendorf Ende der 1980er Jahre gab er die österreichische Staatsbürgerschaft wieder auf und verlor damit auch seinen Pensionsanspruch am Burgtheater.[17] Im Juli 2000 zitierte die Zeitschrift News, dass Wussow den Bundespräsidenten Thomas Klestil gebeten habe, „mir meine Staatsbürgerschaft wieder zu geben“.[18] Ob es dazu bis zu seinem Tod noch gekommen ist, ist nicht überliefert.

Filmografie

Kino

Fernsehen (Auswahl)

Hörspiele (Auswahl)

Hörbücher (Auswahl)

Auszeichnungen

Literatur von und über Klausjürgen Wussow (Auswahl)

  • Christine Dössel: „Schreiben Sie: Ich find's zum Kotzen“, in: Süddeutsche Zeitung, 2. Februar 1996 (Interview).
  • Christine Dössel: Der Chefarzt der Nation, in: Süddeutsche Zeitung, 20. Juni 2007.
  • Michael Hanfeld: Der Mann im weißen Kittel, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Juni 2007.
  • Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen/Georg Müller Verlag, München/Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 1130 f.
  • Matthias Kalle: Der Mann, der Professor Brinkmann war, in: Die Zeit, Nr. 26, 21. Juni 2007.
  • Anna von Münchhausen: Wussow und wie er die Welt sieht, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 20. Januar 2002 (Interview).
  • Fritz Rumler: Wir müssen jetzt sehr tapfer sein, in: Der Spiegel, Nr. 51, 16. Dezember 1985.
  • Hans-Dieter Seidel: Pflaster für die Seele, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. April 1999.
  • Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 8: T  Z. David Tomlinson – Theo Zwierski. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 473 f.
  • Klausjürgen Wussow: Dieser Zeit. Lyrik. Weilburg-Verlag, Wien 1984.
  • Klausjürgen Wussow: Mein Leben als Chefarzt Dr. Brinkmann von der Schwarzwaldklinik. Bastei Lübbe, Köln 1985, ISBN 3-404-10725-X.
  • Klausjürgen Wussow: Professor Brinkmann und ich. Bastei Lübbe, Köln 1987, ISBN 3-404-10934-1.
  • Klausjürgen Wussow: Bitterer Kaffee. Bastei Lübbe, Köln 1994, ISBN 3-404-12260-7.
  • Barbara Wussow, Alexander Wussow: Klausjürgen Wussow. Sein Leben mit Ida Krottendorff. Erinnerungen. Mit einem Vorwort von Maximilian Schell und Wolfgang Rademann. Edel Vita, Hamburg 2009, ISBN 978-3-941378-16-2.

Einzelnachweise

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