Klaus Juncker

deutscher Wirtschaftswissenschaftler From Wikipedia, the free encyclopedia

Klaus Juncker (* 21. September 1943 in Berlin) ist ein deutscher Bankmanager und Wirtschaftswissenschaftler. Er war Vorstand des Bereichs Mittelstand und Absatzfinanzierung der Deutsche Bank AG sowie Autor, Herausgeber bzw. Mitherausgeber von bankbetrieblichen Periodika, Sammelwerken und Fachbüchern.

Leben

Nach dem Abitur 1962 und einer Banklehre bei der Handels- und Gewerbebank Heilbronn AG studierte Klaus Juncker an der Universität Innsbruck und der Ludwig-Maximilians-Universität München (1964–1968) Betriebswirtschaftslehre. Seit 1966 ist er Mitglied des Corps Suevia München.[1] Er wurde 1971 an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main zum Dr. rer. pol. promoviert.

Berufliche Laufbahn

Auf berufliche Aus- und Weiterbildung und Auslandsaufenthalte folgten Führungspositionen in der deutschen Bankwirtschaft, wie z. B. als Vorstand der Kölner Bank von 1867 eG Volksbank (1972 bis 1978). Die Position als Leiter der Zentralen Firmenkundenabteilung und später als Vorstand des Geschäftsbereichs Mittelstand und Absatzfinanzierung der Deutschen Bank AG folgten (1978 bis 1998). In dieser Funktion gehörte er mehreren Aufsichtsräten, außerdem dem Beirat der DB Consult GmbH Frankfurt. Er war Mitglied des Umweltausschusses des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT), des Vereins zur Förderung des Instituts für Bankwirtschaft und Bankrecht an der Universität Köln (Vorstand), der Verbindungsstelle Landwirtschaft – Industrie und des Instituts für Neue Medien sowie Vorsitzender des Rates des Deutsche Bank-Instituts für Familienunternehmen (heute: Wittener Institut für Familienunternehmen) an der Universität Witten/Herdecke.

Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Geschäft im Jahr 1998 war Juncker Geschäftsführer einer Management Consulting Gesellschaft, später Senior Advisor eines Beratungsunternehmens. Seit 2003 war er persönlich haftender Gesellschafter und Geschäftsführer mehrerer Immobilienfondsgesellschaften.[2]

Juncker widmete sich – auch in der Verbindung von universitärer Forschung und beruflicher Praxis – Themen wie Führung, Organisation und Marketing des Bankgeschäfts sowie den Entwicklungen von Märkten, insbesondere beim Nachfrageverhalten der Kunden. Sein besonderes Interesse galt auch der Entwicklung und Markteinführung innovativer Finanzdienstleistungen bzw. der Aufarbeitung und/oder Unterstützung noch „unerforschter“ und entwicklungsfähiger Themen. In aller Regel wurde ihnen zu diesem Zeitpunkt wenig allgemeines Interesse zugemessen. In den 1970er Jahren empfahl er, Controlling als ein modernes Instrument der Unternehmensführung auch im Bankbetrieb einzuführen. Anfang der 1980er Jahre riet er, im Bankgeschäft mehr auf Selbstbedienung zu setzen und die „Senioren“ als eine immer interessanter werdende Zielgruppe nicht zu vergessen.[2] In den 1990er Jahren war er maßgeblich daran beteiligt, dass die Deutsche Bank im Firmenkundengeschäft – vermutlich als erste Großbank – sich des Themas „Umweltschutz“ annahm. Für diese Initiative wurde die Bank ausgezeichnet.

Juncker führte moderne Informations- und Kommunikationstechnologien, z. B. das Electronic Banking, als Produkte im Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank ein. Ziel war, die Geschäfte mit Firmenkunden effizienter abzuwickeln und die Qualität der Beratung zu verbessern [Juncker: Electronic Banking für den Mittelstand, in: Die Wirtschaft, 6. April 1995, S. 23]. Die elektronische Abwicklung von Bankdienstleistungen zählt zu den Produkten, deren Entwicklung und Markteinführung er verantwortete bzw. in der Diskussion (Theorie und Praxis) vorantrieb. Als Beispielfall für das damals noch relativ neue Online Banking würde das heute allgemein übliche „Bezahlen an der Ladenkasse per Unterschrift“ (OLV-Online Lastschriftverfahren) zu nennen sein. Die Deutsche Bank war später das erste Institut, das seine Firmenkunden mit den Chancen des Internets vertraut machte.

Juncker ist Mitbegründer der seit 1972 erscheinenden Zeitschrift Bank und Markt.[3]

Neben seiner beruflichen Tätigkeit war der in Bad Soden-Neuenhain lebende und verheiratete Juncker ehrenamtlich tätig, so als Gründungsstifter und Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Bürger für Münster. Das von ihm in Münster initiierte und mitgeführte Stiftungs-Kooperationsprojekt „Verantwortung Lernen“ wurde 2008 mit dem Förderpreis der Aktiven Bürgerschaft ausgezeichnet.[4]

Lehrtätigkeit

Juncker war von 1970 bis 1979 bis Dozent an der Bankakademie Köln/Bonn. Er war Lehrbeauftragter an mehreren Universitäten: im Wintersemester 1998 am Lehrstuhl für Finanzierungen der Universität Münster („Moderne Unternehmensfinanzierungen“), 2000 und 2001 als Inhaber der Dr. Otto Röhm-Stiftungsprofessur der TU Darmstadt („Technologieorientierte Unternehmensgründungen“) und ab dem Wintersemester 1996 an der Philipps-Universität Marburg, die ihn 2001 zum Honorarprofessor ernannte.[5]

Schriften

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Die betriebliche Altersvorsorge. Verlag Dr. Otto Schmidt KG, Köln 1972, ISBN 3-504-51000-5 (Dissertation).
  • Marketing im Firmenkundengeschäft. Fritz Knapp Verlag, 1979, ISBN 3-7819-0217-X.
  • Olaf und ... Elf lustige Hundegeschichten über Freunde und Freundschaft zum Vorlesen, Mitdenken und Mitmachen. agenda Verlag, Münster 2017, ISBN 978-3-89688-565-4.

Herausgeber

  • mit Klaus Schlegelmilch: Die Kapitalbeteiligungsgesellschaft in Theorie und Praxis. Fritz Knapp Verlag, Frankfurt am Main 1976, ISBN 3-7819-0170-X.
  • mit Peter Muthesius: Rationalisierung im Kreditwesen. Fritz Knapp Verlag, Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-7819-0208-0.
  • mit Erich Priewasser: Handbuch Firmenkundengeschäft. Fritz Knapp Verlag, Frankfurt am Main 1993; 2. Auflage 2002, ISBN 3-8314-0717-7.
  • mit Andree Engelmann und anderen: Moderne Unternehmensfinanzierung. Fritz Knapp Verlag, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-7819-0658-2.
  • mit Bernhard Nietert: Demographic Banking. Fritz Knapp Verlag, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-8314-0819-1.

Außerdem Juncker veröffentlichte zahlreiche Beiträge in Zeitungen, Zeitschriften bzw. Sammelwerken, zum Teil mit weiteren Fachautoren aus Praxis und Wissenschaft.

Literatur

  • Juncker, Klaus. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 591.

Einzelnachweise

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