Klaus Reinhardt (Straßenmusiker)

deutscher Straßenmusiker und Lebenskünstler in Münster From Wikipedia, the free encyclopedia

Klaus Reinhardt (* 29. März 1944; † 19. September 2021 in Münster), besser bekannt unter seinem Künstlernamen Onkel Willi, war ein deutscher Straßenmusiker und Lebenskünstler. Er galt über mehrere Jahrzehnte hinweg als eines der bekanntesten Stadtoriginale von Münster und prägte das dortige Stadtbild, insbesondere rund um den Prinzipalmarkt.

Klaus Reinhardt, bekannt als „Onkel Willi“, bei einem Auftritt in Münster

Leben

Klaus Reinhardt wuchs in bürgerlichen Verhältnissen auf, seine Eltern waren Mediziner.[1] Er schlug zunächst eine konventionelle Laufbahn ein und arbeitete als Tontechniker beim Hessischen Rundfunk. Zwischen 1969 und 1972 entschied er sich jedoch bewusst für einen tiefgreifenden Lebenswandel, brach mit seiner bisherigen Karriere und wählte ein Leben als Aussteiger und freischaffender Straßenmusiker.

Im Jahr 1978 kam Reinhardt im Alter von 34 Jahren nach Münster. Weil das Musizieren zu der Zeit auf der Straße verboten war, beschäftigte er sich mit Kirchenmusik, brach sich jedoch vor der Orgelprüfung die Hand.[1] 1989 begann er als Straßenmusiker in Münster; er spielte erst an der Spiegelburg und fand an den Stufen des historischen Rathauses auf dem Prinzipalmarkt schließlich seinen festen Stammplatz.[2] Über mehr als 22 Jahre hinweg musizierte er dort – mit offizieller Genehmigung des jeweiligen Oberbürgermeisters – regelmäßig mittwochs und samstags (den Markttagen) sowie an Sonntagen. Trotz seines alternativen Lebensstils erarbeitete er sich durch Beständigkeit und Fleiß einen festen Platz in der Stadtgesellschaft und wurde teils als „inoffizieller Ehrenbürger“ oder „Stadtmusikant“ bezeichnet.

Stil und Wirkung

Reinhardts Auftritte waren geprägt von einem unkonventionellen, eigenwilligen Charakter. Mit Gitarre und einer rauen, markanten Stimme spielte er eine Mischung aus Blues, Rock und Folk. Für viele Münsteraner und Besucher gehörte sein Spiel zum akustischen Hintergrund des alltäglichen Stadtlebens („Soundtrack von Münster“). Er verstand sich selbst nicht als Bettler, sondern als freier Künstler und Philosoph, der bewusst die Grenzen des bürgerlichen Rhythmus hinter sich gelassen hatte.

Abschied und Tod

Im Laufe der Jahre verschlechterte sich Reinhardts gesundheitlicher Zustand erheblich; er litt an einer schweren Lungenkrankheit. Am 21. Februar 2015 gab er auf der Rathaustreppe am Prinzipalmarkt sein offizielles Abschiedskonzert vor rund 500 Bürgern, die ihn in den Ruhestand verabschiedeten. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in einer betreuten Wohneinrichtung im Münsteraner Bahnhofsviertel.[1]

Klaus Reinhardt verstarb am Wochenende des 18./19. September 2021 im Alter von 77 Jahren in einem Münsteraner Krankenhaus. Anlässlich seines Todes würdigte Oberbürgermeister Markus Lewe den Musiker als prägende Figur des Münsteraner Stadtbildes. Das Stadtweinhaus am Prinzipalmarkt trug als Zeichen der Trauer und des Respekts eine Stadtfahne mit Trauerflor.

Mediale Rezeption und Auszeichnungen

Das Leben von Klaus Reinhardt war mehrfach Gegenstand regionaler und überregionaler Berichterstattung.

Besondere Aufmerksamkeit erlangte das crossmediale Porträt des Westdeutschen Rundfunks (WDR) aus dem Jahr 2015 unter dem Titel „Onkel Willi – Münsters Lebenskünstler“. Die von der Redaktion der Aktuellen Stunde entwickelte Webreportage dokumentierte Reinhardts Abschied von der Straße in Form von Videos, Audios und interaktiven Elementen.

Für diese Produktion wurde der WDR im Jahr 2015 für den renommierten Grimme Online Award in der Kategorie Kultur und Unterhaltung nominiert.[3]

Einzelnachweise

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