Kleinbahnhof Heide

ehemaliger Kleinbahnhof der Norderdithmarscher Kreisbahn in Heide From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Kleinbahnhof Heide ist ein ehemaliger Bahnhof in der schleswig-holsteinischen Stadt Heide, der Kreisstadt des Kreises Dithmarschen. Der Bahnhof war der wichtigste Bahnhof an der Norderdithmarscher Kreisbahn, denn hier trafen sich die beiden Äste der Schmalspurbahn.

Schnelle Fakten Heide Kleinbahnhof, Daten ...
Heide Kleinbahnhof
Westansicht des ehemaligen Empfangsgebäudes
Westansicht des ehemaligen Empfangsgebäudes
Westansicht des ehemaligen Empfangsgebäudes
Daten
Betriebsstellenart Bahnhof
Bauform Kopfbahnhof
Bahnsteiggleise 2
Architektonische Daten
Architekt Johann Olde[1]
Lage
Stadt/Gemeinde Heide
Land Schleswig-Holstein
Staat Deutschland
Koordinaten 54° 11′ 45″ N,  6′ 3″ O
Eisenbahnstrecken Bahnstrecken bei Heide Kleinbahnhof
Bahnhöfe in Schleswig-Holstein
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Seit 2025 steht das heute als Musikschule und Begegnungszentrum genutzte Empfangsgebäude unter Denkmalschutz.

Geschichte

Am 11. Juli 1901 fasste der Norderdithmarscher Kreistag den Beschluss, eine Kleinbahn zur Erschließung der östlich gelegenen Geestgemeinden zu errichten. Es wurden ein Nordring und ein Südring geplant, welche im Heider Bahnhof zusammenkamen. Der Nordring führte über Ostrohe und Delve nach Pahlhude, wo er auf den über Tellingstedt und Wrohm verlaufenden Südring stieß. Die Eröffnung fand auf dem Nordring in zwei Etappen am 17. Mai und 5. Oktober 1905 statt, auf dem Südring in vier Abschnitten zwischen dem 14. Oktober und 23. Dezember 1905. Der Verkehr erfolgte mit je zwei von Dampflokomotiven gezogenen Zugpaaren.

Nach kaum mehr als drei Jahrzehnten kam das Ende. Auf dem Nordring wurde der Personenverkehr am 29. Februar 1936 eingestellt, die übrigen Betriebsteile folgten bis zum 2. Oktober 1937.

2024 gab es Bestrebungen, den Kleinbahnhof in ein Kulturzentrum umzuwandeln. Diese Pläne wurden allerdings verworfen.[2]

Heute befinden sich im Gebäude ein Jugendzentrum und die Dithmarscher Musikschule.[3] Zudem wurde der Bahnhof 2025 in die Liste der Kulturdenkmale in Heide (Holstein) aufgenommen.[1]

Bahnhofsgebäude

Das Empfangsgebäude des Architekten Johann Olde ist als zweigeschossiger Massivbau mit Staffelgiebeln, Zwerchhäusern, Rundbogenfenstern und Turmvorbau unter ziegelgedecktem Komplexdach ausgeführt und war ursprünglich durch ziegelsichtige Kanten und Lisenen vor weißen Putzflächen gegliedert.[1] Der Eingang von der Straßenseite hatte ein Glasdach auf einer geschmiedeten Konstruktion. Auf dem Dach saß ein Uhrenturm.

Im Gebäude war eine Bahnhofswirtschaft untergebracht, sie war lange Treffpunkt für Bahnmitarbeiter sowohl der Staatsbahn als auch der Kleinbahn. Im ersten Obergeschoss befanden sich Dienstwohnungen, ein Sitzungszimmer und Büros. Im zweiten Obergeschoss waren weitere Büros der Bahnverwaltung.

Nach 1945 wurde es teilweise als Finanzamt genutzt, von 1952 bis 1975 als Internat der Meisterlehrwerkstatt des Kraftfahrzeughandwerkes. 1977 kaufte die Stadt das Gebäude und sanierte es. Seitdem dient es den heutigen Zwecken.

Auf der heute asphaltierten ehemaligen Trasse der Kleinbahn östlich des Gebäudes entstand das Gewerbeviertel Am Kleinbahnhof. Die gleichnamige Straße verbindet die Bahnhofstraße und die Hamburger Straße mit der Waldschlösschenstraße.

Unmittelbar vor dem Bahnhof verläuft seit den 1970er Jahren auch die Heider Stadtbrücke, wodurch das Gebäude von Süden her nur schwer einsehbar ist.

Ehemalige Bahnanlagen

Kleinbahnhof Heide von der Stadtbrücke aus
Kleinbahnhof Heide mit der Skateranlage

Der Heider Kleinbahnhof wurde als Kopfbahnhof etwa 300 m nördlich des Heider Staatsbahnhofs auf der östlichen Seite der Marschbahn errichtet. Die Bahnhöfe wurden durch die Hamburger Straße voneinander getrennt. Östlich verläuft die Straße Am Kleinbahnhof.

Das Gelände im Bahnhofsumfeld war damals noch unbebaut. Nördlich des Empfangsgebäudes lag der Lokschuppen, in dem die Lokomotiven untergebracht waren. 1927 wurde die 1905 vor der Wagenremise erbaute Drehscheibe versetzt. Nach Betriebsvorschrift mussten die Lokomotiven, die die Züge über den ganzen Ring beförderten, jeweils in Vorwärtsfahrt den Bahnhof verlassen. Nördlich des Bahnhofsgeländes teilten sich die beiden Äste der Kleinbahn.

Die Bahnanlagen bestanden aus einem Mittelbahnsteig mit zwei Bahnsteigkanten, einer Umladebühne für den Übergang von Schmal- auf Normalspurfahrzeuge sowie einer zunächst kleinen hölzernen Viehrampe. Diese wurde 1913 durch eine größere, in Beton ausgeführte Rampe mit Umlademöglichkeit ersetzt. Für das Umladegeschäft stand außerdem ein Bockkran zur Verfügung, der den Güterumschlag auf Normalspurgleise ermöglichte.

Zur Betriebsinfrastruktur gehörte ein zunächst dreiständiger Lokschuppen, der 1909 erweitert wurde. Der daraus hervorgegangene größere Schuppen verfügte über Werkstätten, Abstellmöglichkeiten für insgesamt sechs Dampflokomotiven, sowie eine Wagenremise, in der der kleinbahneigene Salonwagen untergebracht war.

Die Wasserversorgung der Lokomotiven erfolgte im Lokschuppen über eine an das Stadtwassernetz angeschlossene Pulsometeranlage mit mehreren Zapfstellen. Unter dem Schuppen befand sich ein Ölkeller, dem ein Handkran mit 100 kg Tragfähigkeit zugeordnet war, mit dessen Hilfe die Schmierstoffe aus dem Keller gehoben wurden. Der Kohlenbansen lag vor dem Lokschuppen; die Kohlezufuhr erfolgte manuell mittels Kohlekörben, die über seitlich neben den Lokomotiven errichtete Pritschen entleert wurden.

Ein vorhandener Güterschuppen wurde 1938 abgerissen.

Literatur

  • Heinz-Herbert Schöning: Die Kleinbahn des Kreises Norderdithmarschen. Westholsteinische Verlagsanstalt, Heide 1980, ISBN 3-8042-0231-4.
  • Heinz-Herbert Schöning: Die Kreisbahn Norderdithmarschen. Kenning, Nordhorn 2006, ISBN 978-3-933613-72-1.
  • Gerd Wolff: Deutsche Klein- und Privatbahnen, Band 13: Schleswig-Holstein 2 (westlicher Teil). EK-Verlag, Freiburg 2012, ISBN 978-3-88255-672-8, S. 188–209
Commons: Kleinbahnhof Heide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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