Kleinlichtenhain
ehemaliger Ortsteil in Deutschland
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Kleinlichtenhain (auch Klein-Lichtenhain oder „Kleintettauer Zipfel“[1]) war ein aus ehemals drei bewohnten Gebäuden bestehender Ortsteil der damaligen Gemeinde Lichtenhain bei Gräfenthal im Kreis Neuhaus am Rennweg, Bezirk Suhl, Deutsche Demokratische Republik. Er grenzte unmittelbar an die in der Bundesrepublik Deutschland gelegene Gemeinde Kleintettau, Landkreis Kronach, Oberfranken. Im geteilten Deutschland wurde dem Ort aufgrund seiner Lage eine ungewöhnliche Behandlung zuteil.

Lage
Das Gebiet von Kleinlichtenhain liegt im Süden Thüringens im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt und ragt in Form eines Streifens von ungefähr 100 Metern Breite und knapp einem Kilometer Länge in bayerisches Gebiet hinein. Auf bayerischer Seite grenzt es an den Ortsteil Kleintettau des Marktes Tettau im Landkreis Kronach, Oberfranken. Seit 1976 gehört ein Teil des ehemaligen Ortes Kleinlichtenhain zu Kleintettau. Das Gebiet liegt direkt südlich des Rennsteigs.
Geschichte
Kleinlichtenhain gehörte bis 1918 zum Herzogtum Sachsen-Meiningen und anschließend zum Freistaat Sachsen-Meiningen, mit dem es im 1920 gegründeten Land Thüringen aufging.
Mit der Errichtung der Besatzungszonen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gehörten Thüringen und somit auch Kleinlichtenhain zur sowjetischen und Bayern zur amerikanischen Besatzungszone. Der Ort zeichnete sich dadurch aus, dass die drei zu dieser Zeit existierenden Wohnhäuser direkt an Kleintettau angrenzten, womit an dieser Stelle das thüringische Gebiet nicht nur auffällig weit ins bayerische einschnitt, sondern die Zonengrenze auch durch ein zusammenhängendes Siedlungsgebiet verlief. Sowjetische Soldaten ließen sich jedoch in diesem eher abgelegenen Landstück nicht sehen. Auch amerikanische betraten den Ort nicht. Als später Stacheldrahtzäune gezogen wurden, wurde dieses Stück Land ausgespart. Die Bewohner der drei Häuser fühlten sich Kleintettau zugehörig, erhielten dort auch ihre Lebensmittelkarten und Personalausweise und nahmen manchmal, ab 1958 regelmäßig, an den Wahlen zum Gemeinderat, zum Bayerischen Landtag und zum Bundestag teil. Die Bewohner, insgesamt etwa 25, zahlten zunächst keinerlei Steuern, bis sich nach einigen Jahren das Finanzamt Kronach meldete.
Im März 1962 wurde der Verlauf der geplanten Grenzanlagen mit Stacheldraht und Todesstreifen zwischen Thüringen und Bayern vorbereitet, wobei die Kleinlichtenhainer Häuser aus Thüringer Sicht jenseits der Grenzanlagen direkt an der Demarkationslinie blieben. Am 21. März 1962, in der Nacht vor dem Baubeginn der Grenzanlagen, suchten 17 Volkspolizisten die drei Häuser auf, um die damals zwanzig Bewohner ins Hinterland zu bringen. 18 von ihnen flohen mit wenigen wichtigen Sachen hinüber auf bundesdeutsches Gebiet. Die Volkspolizisten verließen Kleinlichtenhain sodann wieder, ein Ehepaar blieb in diesem bald abgeschotteten Gebiet in einem der Häuser wohnen.[2] Die beiden anderen Häuser verfielen.
In der folgenden Zeit galten in Kleinlichtenhain seltsame Bedingungen: Der Postbote durfte dort keine Post ausliefern, Polizisten war es untersagt, das Gebiet zu betreten, gleichfalls Bediensteten der Gemeinde Kleintettau. Aber auch für die Bewohner Kleintettaus war das Betreten des DDR-Landstreifens nicht ungefährlich.
Der Grenzverlauf wurde schließlich durch die deutsch-deutsche Grenzkommission im Bereich Kleinlichtenhain so geändert, dass das verbliebene Haus ab dem 1. März 1976 zur Gemeinde Kleintettau im Landkreis Kronach und somit zur Bundesrepublik gehörte. Die beiden verlassenen Häuser wurden abgerissen.[3]
Die Gemeinde Kleintettau wurde am 1. Mai 1978 in den Markt Tettau eingegliedert.[4]

Gedenken
Literatur
- Niemandsland an der Zonengrenze. In: Die Zeit, 19. Juli 1963
- DDR-BRD: Wiedervereinigung in Kleintettau. In: Die Zeit, 28. November 1975
Weblinks
- Kleintettau. In: Grenzerinnerungen.de. Abgerufen am 8. Februar 2020 (Bilder vom letzten verbliebenen Haus von Kleinlichtenhain).
- Private Seite mit Zeitungsausschnitten und Fotos zum Thema „Grenzzwischenfall in Kleintettau“ vom März 1962
- Niemandsland? - Unglaubliches von der innerdeutschen Grenze Südthüringer Regionalfernsehen. In: Erfahrbare Heimat vom 19. Oktober 2021 (Filmdokumentation über die Geschichte des Ortes)