Klevtsov-Teleskop
Spiegelteleskop vom Russen Klewzow mit einem in der Mitte durchbohrten sphärischen Hauptspiegel
From Wikipedia, the free encyclopedia
Das Klevtsov-Teleskop ist ein Spiegelteleskop, das von dem Russen Juri A. Klewzow ab dem Jahr 1974 konstruiert wurde, bei dem zwei Spiegel mit Linsen zu einem katadioptrischen System kombiniert sind. Damit gelingt die Beseitigung von Abbildungsfehlern auf einfache Weise, und das Teleskop erzeugt so ein scharfes Bild von einem weiten Sichtfeld.

Durch die zwei Spiegel ergibt sich bei dem Klevtsov-Teleskop ein Strahlengang ähnlich dem Cassegrain-Teleskop. Jedoch vermeidet es die schwierig herstellbaren Spiegelflächen des Cassegrain und nutzt wie das Maksutov-Teleskop einen sphärischen Hauptspiegel und eine meniskusförmige Linse, mit der die sphärische Aberration des Teleskops korrigiert wird. Diese Linse befindet sich bei dem Klevtsov-Teleskop im sich verjüngendem Strahlengang nahe des kleineren zweiten Spiegels und ist aufgrund der sich daraus ergebenden geringeren Größe einfacher herzustellen. Der zweite Spiegel ist zudem als Manginspiegel ausgeführt, wodurch es sich von ähnlichen früheren Entwürfen unterscheidet.[1][2]
Im Gegensatz zum Maksutov- und dem Schmidt-Cassegrain-Teleskop ist das Klevtsov-Teleskop jedoch vorn offen (wie ein Newton-Teleskop): Das optische Korrektionselement befindet sich nicht an der vorderen Tubusöffnung, sondern ist auf der Innenseite des Sekundärspiegels montiert. Die Korrektionslinse hat den gleichen Durchmesser wie der Sekundärspiegel und ist somit deutlich kleiner als in einem Maksutov-Teleskop.
Der Strahlengang läuft vom Hauptspiegel durch die Korrektionslinse zur Mangin-Fangspiegel, an dessen Rückseite das Licht reflektiert wird. Die Strahlen treten aus den Glas des Mangin-Fangspiegels aus, durchlaufen die Korrektionslinse und werden durch die Bohrung des Hauptspiegels zum Okular geführt.
Das Klevtsov-Teleskop weist im Prinzip ähnliche Vorzüge auf wie ein Maksutov-Teleskop. Wegen der kleineren Korrektionslinse ist es jedoch deutlich leichter (und billiger) als ein Maksutov-Teleskop gleicher Öffnung und eignet sich deshalb auch für größere Öffnungen. Allerdings ergibt sich durch den optisch ungünstiger positionierten Korrektor nur ein kleineres Sichtfeld, von deutlich weniger als 1 Grad.[3] Nachteilig ist weiterhin, dass das Korrektionselement mit besonderer Präzision gefertigt und justiert werden muss, da sich optische Fehler wegen des zweimaligen Strahlendurchgangs und aufgrund seiner geringen Größe stärker auswirken. Auch wird meist der Sekundärspiegel und Korrektor von Streben gehalten, da im vorderen Teil des Tubus kein Glaselement die volle Öffnung einnimmt; dies führt zu Bildartefakten durch Lichtbeugung an den Streben.
Klevtsov-Teleskope mit einer Apertur von 15, 20 und 25 Zentimeter wurden von der Firma TAL angeboten und mit einer Apertur von 30 cm wurde experimentiert.[1] Zudem wurde eine zerlegbare Ausführung konstruiert und gebaut.[4]
Ähnliche Varianten
- Für die Askania Werke entwickelten Francis Raymond Tate und Kurt Steglich ab den 1930er Jahren ein Cassegrain-Objektiv mit sphärischen Flächen, bei dem der Sekundärspiegel als Manginspiegel mit einer vorgesetzten, mitunter aufzementierten Linse ausgeführt war.[5][6]
- P. P. Argunow hat ab 1962 Korrektoren vor dem Sekundärspiegel mit zwei und drei Linsen entwickelt;[7][8] sie wird im englischen als Argunov-Cassegrain bezeichnet. Neben kleineren Teleskopen[9][10] wurde ein Teleskop mit einer Apertur von 1 Meter realisiert, das zwei Linsen und einen separaten Spiegel aufweist. Dieses wurde von dem ukrainischen Observatorium in Odessa gebaut und zusammen mit der Slowakei seit 2002 im Vihorlatgebirge betrieben. Es war 12 Jahre lang das größte Teleskop der Slowakei.[11][12]
- Eine frühe Variante hat G. I. Popow im Jahr 1966 vorgestellt, diese verwendet eine meniskusförmigen Korrektor-Linse vor einem separaten Spiegel.[13][3]
- Robert J. Magee hat um 1972 ein System vorgeschlagen, bei dem der Korrektor aus einer mit dem Mangin-Spiegel verkitteten Linse besteht.[14]
- Ralph W. Field beschreibt 1982 ebenfalls ein Teleskop, das eine Meniskuslinse vor einen gewöhnlichen Sekundärspiegel setzt.[15][3]
- Teleskope des japanischen Optikherstellers Vixen mit der Bezeichnung VMC200L und VMC260L weisen sphärischem Hauptspiegel und eine bzw. zwei Meniskuslinsen vor dem Sekundärspiegel auf und besitzen bis zu 260 mm Apertur.[16][17]