Klimaarchiv

Archiv, das Auskunft über die klimatische Vergangenheit gibt From Wikipedia, the free encyclopedia

Ein Klimaarchiv gibt Auskunft über die klimatische Vergangenheit, die Klimageschichte der Erde. Als Klimaarchiv wird somit alles bezeichnet, was Informationen über frühere Klimaverhältnisse speichert.

Temperaturkurve des Phanerozoikums.[1]
Der Silberwurz (Dryas octopetala) ist in Europa ein arkto-alpines Glazialrelikt. Nach der Art ist die letzte Phase im Spätglazial, die Dryas-Zeit benannt. Im Bild: Standort in einem Kaltluftsee der Mediterraneis (Opuvani do, Jastrebica).

Man unterteilt Klimaarchive[2][3]

  • nach ihrem Ursprung in Archive der Natur und Archive der Gesellschaft (auch menschliche Archive),
  • im Fall menschlicher Archive danach, ob es sich um Schriftzeugnisse, wie zum Beispiel historische Darstellungen und Chroniken, bildliche Darstellungen oder archäologische Quellen handelt,
  • danach, ob die meteorologische Information über ein Klimaelement direkt durch Beobachtung bzw. Messung oder indirekt aus anderen Daten über einen Klimaproxy gewonnen wurde,
  • im Fall indirekter Daten, ob sie sich auf organische, anorganische oder – speziell bei menschlichen Archiven – kulturelle oder materielle Phänomene beziehen.

Natürliche Erscheinungsformen, die auf der Erdoberfläche gespeichert sind und anhand derer man auf klimatische Verhältnisse zur Zeit ihrer Entstehung rückschließen kann, nennt man auch Klimazeugen. Hierzu gehören einige Verwitterungsbildungen, Sedimente, Fossilien und viele mehr.[4][5]

Weitere Informationen Klimaarchive (Beispiele), natürliche ...
Klimaarchive (Beispiele) natürliche menschliche
direkte narrative Berichte[6]  n. a.
instrumentelle
Messungen
 n. a.
  • Temperatur
  • Niederschlag
  • Luftdruck
indirekte organische
anorganische
  • Wasserpegel
  • Schneefall, Schneebedeckung
  • Vereisung von Gewässern
kulturelle  n. a.
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Diese „Archive“ werden mit den unterschiedlichsten Methoden analysiert und liefern so wichtige Daten, sogenannte Proxydaten, aus denen sich quantitativ Elemente der Klimageschichte in der Paläoklimatologie und Historischen Klimatologie rekonstruieren lassen.

Klimaarchive unterscheiden sich im Hinblick auf ihre beste zeitliche Auflösung, d. h. welches die kleinsten Zeitintervalle zwischen zwei Datenpunkten sind, über welche Zeiträume und über welche Klimaelemente sie Auskunft geben können.[9][10]

Weitere Informationen Archiv, beste zeitliche Auflösung ...
Archivbeste zeitliche AuflösungReichweiteInformation über 1)
Historische DokumenteStunden/TageJtsd.T,H,B,V M,L,S
BaumringeJahreszeit/Jahr10 Jtsd.T,H,CA,B,V,M,S
Seesedimente1–20 Jahre10 Jtsd. – Mio. J.T,H,CW,B,V,M
EisbohrkerneJahr100 Jtsd.T,H,CA,B,V,M,S
Pollen100 Jahre100 Jtsd.T,H,B
Löss100 JahreMio. J.H,B,M
MeeressedimenteJtsd.10 Mio. J.T,CW,B,M
KorallenJahr10 Jtsd.CW,L
Paläoboden100 Jahre100 Jtsd.T,H,CS,V
geomorphe Merkmale100 Jahre10 Mio. J.T,H,V,L
SedimentgesteineJahrMrd. J.H,CS,V,M,L
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1) 
T: Temperatur, H: Feuchtigkeit/Niederschlag, CA/W/S: chemische Zusammensetzung von Luft/Wasser/Boden, B: Biomasse und Vegetationsmuster, V: Vulkanausbrüche, M: geomagnetische Änderungen, L: Meeresspiegel, S: Sonnenaktivität

Wichtige Klimaarchive, darunter Gletscher in den Tropen und mittleren Breiten, gehen gegenwärtig durch die globale Erwärmung und andere Faktoren verloren. Auch betroffen sind natürliche Archive, die für die Kalibrierung der aus den Klimaarchiven gewonnenen Messwerte wichtig sind, so etwa Korallen oder Bäume.[11]

Literatur

  • Heinz Wanner: Klima und Mensch – eine 12'000-jährige Geschichte. Haupt Verlag, 2016, ISBN 978-3-258-07879-3, Abschnitte „Der geheimnisvolle Weg zur Klimarekonstruktion“ und „Die wichtigsten Klimaarchive“ (Einführung, auch an Laien adressiert).

Siehe auch

Einzelnachweise

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